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Vom Augusterlebnis zur Novemberrevolution Briefe aus dem Weltkrieg 1914-1918

  • Erscheinungsdatum: 28.04.2014
  • Verlag: Wallstein Verlag
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Vom Augusterlebnis zur Novemberrevolution

Fast 29 Milliarden Postsendungen wurden während des Ersten Weltkriegs verschickt, der deutlich größere Teil an die Front. Trotzdem erschienen bisher in Buchausgaben ausnahmslos Briefe "aus dem Felde'. Der vorliegende Band bricht gleich mehrfach mit den Publikationstraditionen: Ausgiebig werden erstmals auch Briefe aus der Heimat berücksichtigt, die von oft schwierigen, ja dramatischen Lebensumständen erzählen. Die Post von Kriegsgefangenen, die viele Jahre in teilweise exotischen Weltgegenden verbrachten (Indien, Afrika, Zentralasien), wird ebenso einbezogen, wie deutschsprachige Feldpost aus der k.u.k. Monarchie. Mehr als 20.000 Feldpostbriefe und -karten hat Jens Ebert in Archiven in Berlin, Stuttgart, Wien, Dresden, Darmstadt und Bremen gesichtet. In seiner Auswahl stehen stilistisch ausgefeilte Briefe aus dem Bildungsbürgertum oder Adel neben fehlerhaften Kurzmitteilungen ungeübter Briefschreiber, die in ihrer Hilflosigkeit und trockenen Offenheit oft besonders berührend sind. Die Kriegserfahrungen lesen sich in diesen Briefen nicht selten ganz anders, als sie zeitgenössisch in der Öffentlichkeit vermittelt wurden. Der Band gibt einen authentischen Einblick in die kollektive Gefühlswelt zur Zeit des Ersten Weltkriegs.

Jens Ebert, geb. 1959, studierte Germanistik und Geschichte in Berlin und Moskau und lebt als Publizist in Berlin. 1989-2001 Lehrtätigkeit an Universitäten in Berlin, Rom und Nairobi. Arbeiten für Presse, Rundfunk und Fernsehen. Veröffentlichungen zur Literatur-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 394
    Erscheinungsdatum: 28.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783835325302
    Verlag: Wallstein Verlag
    Größe: 2198 kBytes
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Vom Augusterlebnis zur Novemberrevolution

1914

Lina Diehlmann an ihren Sohn Karl in Frankfurt a. M .

Flammersbach den 1. August 14

Mein liebes Kind. Deinen Brief erhalten, Du weißt nicht, in was für eine Unruhe wir hier sind, heute Mittag wurde geschellt, daß das 18 Armeekorps Mobilgemacht hätte, das war schon gestern Nachmittag hierher tellephoniert worden aber geheim. Was wird das für ein Elend geben, wenn Feindvolk ins Land kommt, dann sind wir auch dran. Söhne Dich doch noch mit Reinhard aus, wenn Du kannst, und Du bist Morgen noch nicht fort. Tante Anna ihr Gustav muß Dienstag auch schon fort, um die neue Brücke unter Haigar zu bewachen, Du kannst Dir das Elend denken, nun bekommt sie auch noch ein Kind, Albert und Gustav müssen doch auch fort, dann bekommen wir sie alle hierher. Du hättest nun vielleicht besser nicht gelernt [?]. Es müssen auch sonst schon immer Leute fort. Solltest Du nun fortmüssen, und wärst verwundet, so gibt doch ein Lebenszeichen von Dir, wenn auch von sonst jemand. Im Steinbruch ist ein Österreicher der hat sich nicht gestellt. Das ist Sohns Otto und Urschels Theodor mit dem Revolver hin und wollen ihn wahrscheinlich holen. Also bitte lieber Karl schreibe gleich Nachricht, und solltest Du in Feindesland kommen, keine Greueltaten verrichten, immer barmherzig, auch gegen den Feind. Denke daß wir immer an Dich denken, und vergiß das beten nicht, Gott allein kann uns helfen, wenn Du was nötig hast, schreibe und auch wo Du bist. Der Herr wolle es verhüten daß es zum Ausbruch kommt. Muß schließen. So sei nun herzlich gegrüßt von Deiner Mutter.

Reinhard wird wohl dann auch noch fortmüssen.

Oberarzt Heinrich Luft an seine Familie in Gießen

Mainz-Castel 5/814.

Meine Lieben!

Der 1. Kriegstag ist in friedlicher Ruhe und Beschaulichkeit vorüber. Die Fahrt war entsetzlich, um 8 Uhr war ich hier, 10 Leute im Coupé. Nachdem ich mich gemeldet hatte, wurde ich entlassen, da die Ersatzkompagnie noch nicht gebildet ist. Sie wird erst in den nächsten Tagen gebildet u. voraussichtlich 6 Wochen hier gedrillt. Zum Mittagessen war ich im Casino. Die Stimmung famos, vom Krieg wird eigentlich wenig geredet, trotzdem die Situation durch die Einmischung Englands noch kritischer geworden ist. Fröhlichkeit, Heiterkeit u. Scherz hört man hier nicht nur bei jungen Leutnants, sondern auch bei älteren u. alten Offizieren. Schimpfen tuen nur die, welche noch nicht gleich mit hinaus können, darunter auch ich! Ich will versuchen, die Wochen mit Reiten auszufüllen, aber ich glaube, es geht nicht, denn die alten Pferde sind fort, die neuen nicht zugeritten; Niemand hat Zeit. Alles packt, ordnet für den Krieg. Die Begeisterung allenthalben ist gross, keine verzagten Gesichter wie in Butzbach. – Ich habe meine Sachen hier im Anker abgestellt, bekomme aber Quartier hier, was ich mir nachher ansehen will. Hier herrscht Leben, nur Soldaten u. Pferde, Pferde u. Soldaten. So, nun genug für heute.

Hoffentlich hat Euch das Essen so gut geschmeckt wie mir. Meine Adresse teile ich Euch morgen mit. Der Brief soll weg, damit Ihr bald ein Paar Zeilen von mir habt.

Euch allen herzliche Grüsse und Küsse

Euer H.

Heizer Arthur Becher an seine Familie

Heizer SMS "Nürnberg"
Bouape [Ponape ] d. 6. August 14

Liebste Eltern und Geschwister.

Ich muß euch noch ein paar Zeilen schreiben vieleicht die letzten. Denn auch wir hier sind bereit zu jeder Stunde dreinzuschlagen. Da ist es möglich das wir unser Leben opfern müssen und

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