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War Hitler krank? Ein abschließender Befund von Neumann, Hans-Joachim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.10.2010
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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War Hitler krank?

Die Krankheiten des 'Führers' - erstmals fachlich analysiert und bewertet. Das Bild eines hinfälligen und medikamentenabhängigen Psychopathen im Bunker der Reichskanzlei gehört zu den langlebigsten Hitler-Mythen. Entstanden unmittelbar nach Kriegsende, als den Deutschen das Ausmaß der Verbrechen bewusst wurde. Beglaubigt von Albert Speer, ausgemalt von Joachim Fest, wieder aufgegriffen im oscarnominierten Film Der Untergang.Widerlegt ist die These vom 'kranken Hitler' bis heute nicht. Auch Hans-Joachim Neumann und Henrik Eberle bestreiten nicht, dass Hitler unter zahlreichen Erkrankungen litt. Anhand der Aufzeichnungen seines Leibarztes und anderer Quellen gehen sie jedoch den Fragen nach: War Hitlerwirklich krank? Wurde die Wehrmacht von einem Drogenabhängigen geführt? War die Ermordung von Millionen Menschen das Ergebnis eines Wahns?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 15.10.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838705033
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 2571 kBytes
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War Hitler krank?

1. WAHN, KONSTRUKTION UND WIRKLICHKEIT: WOZU EINE MEDIZINISCHE HITLER-BIOGRAFIE?

"Eigentlich ist Hitler nie krank gewesen", sagte Hitlers langjähriger Leibarzt Professor Dr. med. Theodor Morell im September 1945 zu Professor Dr. med. Karl Brandt, dem chirurgischen Begleitarzt des Führers. Ob Morell diesen Satz tatsächlich genau so äußerte, wissen wir nicht. Fest steht, dass Brandt, der wenig später wegen seiner Verbrechen gehenkt wurde, diesen Satz Morells seinem amerikanischen Vernehmer im Lager "Camp Siebert" so ins Protokoll diktierte. Brandt und Morell saßen gemeinsam in einer Zelle des Internierungslagers ein und sprachen, wenn sie miteinander redeten, über Hitler.

Kein Jahr zuvor war Brandts Karriere abrupt zu Ende gegangen - Morells wegen und wegen einer "Gelbsucht" Hitlers, die Brandt auf eine jahrelange Falschbehandlung des Führers und Reichskanzlers durch dessen Leibarzt zurückführte. Morell habe Hitler "abhängig" gemacht von "mobilisierenden, d.h. aufpeitschenden Arzneien", meinte Brandt, und außerdem überflüssigerweise mit Vitaminen und Sulfonamiden behandelt. Die ganze deutsche Ärzteschaft habe sich "dafür geschämt", dass ein Mensch mit derart "primitiven Anschauungen" Hitlers Leibarzt hatte werden können. 1

Glaubwürdig sind die Äußerungen beider Ärzte nicht. Brandt biederte sich mit seinen ausführlichen Aussagen über Morell und Hitler bei den amerikanischen Offizieren an, um seinen Kopf zu retten. Ihm war klar, dass er für den Mord an mehr als 70000 Menschen zur Verantwortung gezogen werden würde, denn er war es, den Hitler 1939 mit der Tötung der "unheilbar Geisteskranken" beauftragt hatte. 2 Morell wiederum befürchtete, dass er bald an seiner Herzerkrankung sterben könnte; ihm ging es um sein Bild in der Geschichte. Er versuchte Brandt, trotz häufiger Herzattacken und gelegentlicher Desorientierungsphasen, zu suggerieren, dass er Hitler keinesfalls falsch behandelt hätte. Er rechtfertigte sich immer wieder und lenkte Brandt bewusst davon ab, dass er Hitler durchaus wegen ernst zu nehmender Krankheiten behandelte.

Der Streit der beiden Professoren 3 in einer Gefängniszelle hat, im wahrsten Sinne des Wortes, Geschichte geschrieben. Denn die einander widersprechenden Aussagen der Ärzte Brandt und Morell bestimmen die historische Debatte bis heute. Noch immer suchen Ärzte, Psychologen und Historiker nach den Erklärungen für die Völkermorde, die in der Zeit des Nationalsozialismus begangen wurden, und widmen sich unter verschiedenen Blickwinkeln notwendigerweise auch den Krankheiten, Erkrankungen und angeblichen Perversionen des Diktators. Noch intensiver forschten die Zeitgenossen nach Erklärungen: Warum waren sie einem Mann gefolgt, der die größte Katastrophe in der deutschen Geschichte verursacht hatte? Dabei dachten sie nicht an die Millionen Ermordeten, sondern an ihr eigenes Leid, die Millionen toten Soldaten, die Teilung des Landes, an Flucht und Vertreibung.

Die Erklärung, Hitler sei größenwahnsinnig geworden, irgendwann "übergeschnappt" und vielleicht doch irgendwie "krank gewesen", war die einfachste und naheliegendste. Nicht wenige Bücher verbreiteten nach 1945 die Legenden vom "guten Beginn" des NS-Regimes und seiner Entartung. Kein Zweifel: Bis 1939 war Hitler für die meisten Deutschen der "Hoffnungsträger der Nation" 4 , Millionen hatten das Gefühl, politisch ernst genommen und verstanden zu werden. 5 Umso enttäuschter wandten sie sich von ihm ab, als sie sahen, in welches Elend er sie stürzte und welche verbrecherischen Handlungen er in deutschem Namen begehen ließ. 6 Nicht selten wurde die Frage gestellt: "Was wäre gewesen, wenn ..." Zum Beispiel, wenn Hitler 1938 oder auch 1944 einem Attentat zum Opfer gefallen wäre. 7 Nicht zuletzt erhofften sich die Leser dieser Bücher ebenso wie deren Autoren, etwa die unzähligen Verfasser von Memoiren, auch

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