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WBG Deutsch-Polnische Geschichte - Nationen in Kontakt und Konflikt Deutsch-polnische Beziehungenund Verflechtungen1806-1918

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2015
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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WBG Deutsch-Polnische Geschichte - Nationen in Kontakt und Konflikt

Während das Heilige Römische Reich 1806 seine Existenz beendete, wurde das Ende der Rzeczpospolita, der polnisch-Litauischen Republik mit der 3. Teilung 1795 endgültig besiegelt, verschwand Polen als Nationalstaat für über 100 Jahre von der Landkarte. Es folgten zahllose Aufstände gegen die preußischen und russische Fremdherrschaft und ein machtvoller polnischer Nationalismus, dem Preußen eine fokussierte ?Germanisierung? entgegensetzte. Erst 1918/19 konnte Polen als Nationalstaat in der Zweiten Republik wieder auferstehen. Jörg Hackmann und Marta Kopij-Weiß zeichnen in diesem dritten Band der ?Deutsch-Polnischen Geschichte? die ganz unterschiedlichen Entwicklungen nach - hier eine zum Nationalstaat erwachende neue Großmacht, dort ein nicht existenter Staat -, und verdeutlichen die gleichwohl engen Verflechtungen zwischen beiden Völkern.

Dieter Bingen, geb. 1952, ist seit 1999 Direktor des Deutschen Polen-Instituts. Er lehrt als Honorarprofessor am Institut für Politikwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt. Peter Oliver Loew, geb. 1967, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Polen-Institut und lehrt am Institut für Geschichte der Technischen Universität Darmstadt. Hans-Jürgen Bömelburg, geb. 1961, ist Professor für Osteuropäische Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Co-Vorsitzender der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534725441
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 3854 kBytes
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WBG Deutsch-Polnische Geschichte - Nationen in Kontakt und Konflikt

2. Räume, Grenzen, Menschen

Wen und welche Gebiete umfasst also die deutsch-polnische Verflechtungsgeschichte im langen 19. Jahrhundert? Diese Frage ist schon deshalb nicht einfach zu beantworten, da die politischen Grenzen keine oder nur ungenaue Anhaltspunkte geben. Die polnische Schriftstellerin Maria Dabrowska schrieb, die Grenzen Polens seien "auf dem Gebiet der drei Teilungsgebiete versickert, sie wurden von ihnen aufgesogen und gefressen". 3 Damit verwob sich die Geschichte Polens mit jener der drei Teilungsmächte Russland, Habsburg und Preußen. Nach der vollständigen Aufteilung Polen-Litauens gab es von 1795 bis 1918 keinen polnischen Staat, abgesehen von dem kurzlebigen und kaum als selbstständiges Staatsgebilde zu bezeichnenden Herzogtum Warschau (1807-1814). Folglich kann der hier zu betrachtende Raum mit politischen Grenzen nicht angemessen beschrieben werden. Hinzu kommt, dass sich auch Deutschland als staatliches Gebilde im 19. Jahrhundert deutlich veränderte: von dem 1806 aufgelösten Alten Reich über den Deutschen Bund bis zum preußisch-kleindeutschen Kaiserreich von 1871.

Der Wandel der politischen Grenzen betrifft auch die an Preußen angegliederten polnischen Gebiete, die namentlich bis 1815 ihre territoriale Ausdehnung mehrfach änderten: War 1772 zunächst das spätere Westpreußen und mit dem Ermland eine dann zur Provinz Ostpreußen geschlagene Region unter die Herrschaft der Hohenzollern gekommen, so expandierte der preußische Staat 1793 nach "Südpreußen" - das Gebiet umfasste Großpolen und erstreckte sich bis nach Tschenstochau. 1795 entstand dann das bis nach Warschau und Bialystok reichende "Neuostpreußen". Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon wurden Großpolen (Wielkopolska) und Masowien (Mazowsze) mit Warschau Ende 1806 von den unter Napoleon kämpfenden polnischen Legionen eingenommen. Das anschließend gegründete Herzogtum Warschau wurde nach der Niederlage Napoleons gegen Russland Anfang 1813 von zarischen Truppen besetzt. Mit dem Wiener Kongress kamen dann Danzig, das 1807 eine Freie Stadt geworden war, Westpreußen (Pomorze Gdanskie) und Großpolen mit Posen erneut unter preußische Herrschaft.

Auch wenn sich der Verlauf der Grenze zwischen Preußen, dem Zarenreich und der Habsburgermonarchie von 1815 bis 1914 nicht veränderte, so wandelte sich doch ihr Charakter: In der Wiener Schlussakte war der Erhalt nationaler polnischer Institutionen in allen drei Teilungsgebieten zugesichert worden. In Preußen hatte das Großherzogtum Posen mit der Position eines polnischen Statthalters einen - wenn auch nur schwach ausgeprägten - Sonderstatus erhalten, der jedoch bereits nach 1831 durch eine gegen den polnischen Adel und Klerus gerichtete Politik faktisch aufgehoben wurde. Die östlichen Territorien Preußens wurden 1848 zunächst zeitweilig in den Deutschen Bund eingegliedert, bevor sie dann ab der Begründung des Norddeutschen Bundes 1866 dauerhaft und ohne Einschränkungen in den kleindeutschen Staat integriert wurden.

Diese politischen Grenzen hatten, trotz der mit ihnen verbundenen Machtverhältnisse, nur bedingt Bedeutung für die deutsch-polnische Verflechtungsgeschichte, denn die polnischen Konspirationen und Aufstände, aber auch die antipolnische Politik, namentlich in Kongresspolen und Preußen, wirkten über ihre unmittelbaren Schauplätze hinaus auf alle Teilungsgebiete, und zwar allein schon aus dem Grund, dass alle drei Teilungsmächte eine Wiederherstellung des polnischen Staates über die Grenzen und Bestimmungen von 1815 hinaus zu verhindern suchten.

Mit der Verfestigung der Teilung, die nach der Niederschlagung des Aufstands in Kongresspolen von 1863 zumindest außenpolitisch für ein halbes Jahrhundert nicht erschüttert wurde, kommen Gesellschaft und Kultur als Determinanten der Verflechtung stärker in den Blick. Damit wäre es naheliegend, nationale Räume der Verflechtungsgeschichte zugrunde zu legen, zumal im 19. Jahrhund

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