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Wissen im Netz Botanik und Pflanzentransfer in europäischen Korrespondenznetzen des 18. Jahrhunderts

  • Erscheinungsdatum: 30.12.2011
  • Verlag: Walter de Gruyter GmbH & Co.KG
eBook (PDF)
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Wissen im Netz

Europäische Korrespondenznetze, die Kommunikation über weite Räume und Grenzen hinweg ermöglichten, sind das Thema der Beiträge des Bandes. Nicht nur Meinungs- und Nachrichtenaustausch vollzog sich über das Medium des Briefes, auch Realien - Antiquitäten, Handelswaren, Bücher und Naturalien - wurden in diesen Transfer einbezogen und hatten in Korrespondenznetzen der Frühen Neuzeit eine hohe Bedeutung. Durch die Diskussion und Anwendung moderner netzwerkanalytischer Verfahren präsentiert der Band in interdisziplinärer Kooperation zugleich neue Wege einer systematisch-vergleichenden Erforschung der Struktur und Dynamik von Korrespondenznetzen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 427
    Erscheinungsdatum: 30.12.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783050055893
    Verlag: Walter de Gruyter GmbH & Co.KG
    Serie: Colloquia Augustana Bd.24
    Größe: 18508 kBytes
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Wissen im Netz

Sammeln und Vernetzen. (S. 171-173)

Christoph Jacob Trew (1695 1769) in seiner botanischen Matrix

Thomas Schnalke

Netzwerke sind ein wesentliches Strukturelement naturkundlichen Forschens im 18. Jahrhundert. Der ambitionierte Gelehrte knüpfte eigene Netze und verschaffte sich Zugang zu bestehenden. Er suchte die Vernetzung auf verschiedenen kommunikativen Ebenen, zum einen über direkte persönliche und häufig weitgehend mündlich unterhaltene Kontakte zu Gleichgesinnten und wissenschaftlichen Einrichtungen vor Ort, zum anderen aber auch über persönlich aufgebaute oder durch Dritte vermittelte vielfach schriftlich gepflegte Beziehungen zu Mitgliedern überregionaler Kreise oder Segmente der gelehrten Welt sowie zu Repräsentanten zeittypischer Formen der Wissensorganisation und Wissensproduktion. Dabei agierte er an charakteristischen Wirkungsstätten in den Bahnen spezifischer, für ihn in einem vernetzten Wissenschaftsbetrieb möglicher Forschungsansätze unter Berücksichtigung der seinerzeit in gelehrten Kreisen gültigen Verhaltensnormen. Die naturkundliche Privatsammlung avancierte für ihn vielfach zu einem zentralen Raum, in welchem sich seine Vernetzung verdichtete und in Observationsund Reflexionsprodukten materialisierte. Diese boten ihm wiederum eine breite Grundlage für die Teilnahme am fachlichen Diskurs in seinen vielfältigen Gliederungen. Sammeln und Vernetzen bildeten somit wesentliche Praktiken für die Organisation eines produktiven naturkundlichen Gelehrtenlebens im 18. Jahrhundert. Über sie webte sich das gelehrte Individuum regelrecht ein in die res publica litteraria seiner Zeit.

Das komplexe Wechselspiel von Sammeln, Netzbildung und Netzeinbindung soll im vorliegenden Beitrag am Beispiel des botanischen Engagements des Nürnberger Arztes und Naturforschers Christoph Jacob Trew (1695 1769) vorgestellt werden. Trew baute sich eine der bedeutendsten naturkundlichen Privatsammlungen seiner Zeit auf. Gleichzeitig schuf er sich in seinem lokalen Umfeld wie auch auf überregionaler Ebene eine Reihe von Kontaktkreisen, die als Subnetze wesentliche Keimzellen für die Ausdifferenzierung seiner breit gefächerten Integration in das medizinisch-naturkundliche Gelehrtennetz seiner Zeit bildeten. Herauszuarbeiten ist, wie seine Sammlungs- und Vernetzungsbestrebungen auf pflanzenkundlichem Terrain zu gewissen Zeiten seines Lebens Kondensierungen erfuhren und in welchen spezifischen Produkten sie sich niederschlugen. Hierbei wird sich insbesondere zeigen, dass eine weit gefaßte Korrespondenz für Trew eine besondere Bedeutung in seinem Bemühen besaß, sich eine differenzierte botanische Matrix aufzubauen und sich erfolgreich darin zu bewegen.

1695 im fränkischen Lauf als Apothekersohn geboren, studierte Christoph Jacob Trew (Abb. 1) zwischen 1711 und 1715 an der Nürnberger Universität zu Altdorf Medizin. Nach Erhalt seines Doktorhuts 1716 und einer kurzen ärztlichen Praxisphase in seiner Heimatstadt unternahm er zwischen 1717 und 1720 eine längere Studienfahrt zur Weiterbildung und Vertiefung seiner wissenschaftlichen Interessen. Die zeittypische Peregrinatio academica führte ihn unter anderem nach Straßburg, Paris, Amsterdam und Leiden. Schließlich reiste er über Danzig weiter bis nach Königsberg. Die Aussicht auf eine Professur an seiner Alma mater bewegte ihn zur Rückkehr. Als ihm der Nürnberger Magistrat jedoch den älteren und erfahreneren Medizindozenten Johann Heinrich Schulze (1687 1744) aus Halle vorzog, ließ sich Trew 1721 dauerhaft in Nürnberg nieder. Während ihm seine einträgliche und erfolgreiche ärztliche Praxis Ansehen und fachliche Anerkennung sicherten, schuf er sich in der Pegnitzstadt auch genügend Freiräume und Gelegenheiten für ein erfülltes wissenschaftliches Leben, so daß er alle beruflichen Angebote, die mit einem Ortswechsel verknüpft waren, ausschlug. 1732 zeigte er sich nicht mehr an einem Wechsel nach Altdorf i

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