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Die Kunst der Niederlage von Afflerbach, Holger (eBook)

  • Erschienen: 10.04.2013
  • Verlag: C. H. Beck Verlag
eBook (ePUB)
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Die Kunst der Niederlage

Wenn im alten Griechenland die Krieger in die Schlacht zogen, dann riefen die Mütter ihren Söhnen zu, sie sollten entweder mit dem Schild oder auf dem Schild zurückkommen, aber nicht ohne. Sie sollten also entweder siegen oder sterben. Die Kapitulation galt als unehrenhaft, auch wenn sie häufig vorkam. Denn auch unterlegene Soldaten wollen weiterleben. Aber wie stellt man es an, eine Schlacht oder einen Krieg zu verlieren und trotzdem zu überleben? Dieser 'Kunst der Niederlage' ist dieses Buch gewidmet. Es handelt vom Aufhören im Kriege, von der Dialektik zwischen soldatischer Ehre und Überlebenstrieb und von der Wechselwirkung zwischen den Bedingungen, die der Sieger stellt, und der Bereitschaft des Verlierers, sie zu akzeptieren. Die Kapitulation stellt eine Kulturtechnik dar, die sich über die Jahrtausende der menschlichen Geschichte wandelte und nicht zuletzt von gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen in der Waffentechnik abhing. Holger Afflerbach zeichnet diese Wandlungen nach und bietet dabei eine Geschichte des Krieges von der Steinzeit bis zur Gegenwart.

Holger Afflerbach ist Professor of Central European History an der University of Leeds.

Produktinformationen

    Größe: 2835kBytes
    Herausgeber: C. H. Beck Verlag
    Untertitel: Eine Geschichte der Kapitulation
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 320
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783406645754
    Erschienen: 10.04.2013
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Die Kunst der Niederlage

Was einen guten Soldaten ausmacht,
ist seine Bereitschaft zu kämpfen,
sein Ehrgefühl, und seine Disziplin.

Thukydides, Peloponnesischer Krieg V, 9
I. Die Kunst der Niederlage - eine Geschichte der Kapitulation

Dieses Buch sucht Antworten auf die Frage, wie und warum Kämpfe enden. Es behandelt das Aufhören im Kriege, das insofern Neuland ist, als es zu diesem Thema bislang keine zusammenfassende Analyse, keine Theorie, ja nicht einmal einen vernünftigen Oberbegriff gibt, der allgemein anerkannt ist und das Phänomen zusammenfasst.[ 1 ] Dabei ist die Frage von zentraler Bedeutung für die gesamte Kriegsgeschichte. Sie hat aber, anders als beispielsweise die Entwicklung von Strategie, Führungsmethoden oder Waffentechnik, unverdient wenig Beachtung gefunden.

Waffen und Strategie sind natürlich elementar für die Kriegsgeschichte, und doch bleibt der entscheidende Faktor in jedem Konflikt, welchen Einsatz der Einzelne bringt, wie lange er kämpft und vor allem, wann und warum er den Kampf aufgibt. Ebenso zentral ist die komplementäre Frage, welche Möglichkeiten die siegreiche Seite der unterlegenen einräumt, den Kampf aufzugeben.

All dies kann und soll nicht von anderen Entwicklungen des Krieges getrennt werden. Die Weiterentwicklung der Waffentechnik oder andere militärische Neuerungen haben gewaltigen Einfluss auf das Erscheinungsbild des Krieges. Militärische Innovationen veränderten schließlich die Instrumente, die dem Kampf- und Einsatzwillen des Soldaten, seinem Ehrgefühl und seinem Mut zur Verfügung standen, und sie forderten seine Bereitschaft, notfalls sterben zu müssen, immer aufs Neue heraus.[ 2 ] Ebenso verlangten sie nach immer neuen Wegen, auf denen Unterlegenen Pardon gewährt werden konnte.

Dieses Buch beschäftigt sich jedoch mehr mit Fragen der Kampfmotivation und vor allem mit dem Moment, in dem sie plötzlich verschwindet. Es geht um die Dialektik zwischen soldatischer Ehre und Überlebenstrieb; um die Wechselwirkung zwischen den Bedingungen, die der Sieger stellt, und der Bereitschaft des Verlierers, sie zu akzeptieren. Nur das Zusammenspiel dieser gegensätzlichen Positionen macht die Vorgänge des Aufgebens im Kampf erklärbar. Es soll hier im weiten Bogen von der Steinzeit bis in die Gegenwart nachverfolgt werden. Der Schwerpunkt liegt auf der europäischen Kriegsgeschichte; außereuropäische Entwicklungen kann ich nur streifen. Dies ist bedauerlich, war aber notwendig, um die Stoffmenge zu begrenzen und um Entwicklungslinien, Kontinuitäten und Brüche klarer herausarbeiten zu können.

Die Unzahl von Kriegen in der Vergangenheit macht es trotz dieser Begrenzung unmöglich, das Thema auch nur annähernd erschöpfend zu behandeln. Ich möchte darauf verweisen, dass parallel zu diesem Buch ein umfangreiches Werk zur Geschichte der Kapitulation erschienen ist, das von Hew Strachan und mir herausgegeben wurde und hinter dem die geballte Sachkompetenz von 30 weltweit führenden Militärhistorikern steht.[ 3 ] Die Konzeption für das vorliegende Buch, das Essay und nicht Handbuch sein will, ist älter und und die Fragen sind nur teilweise deckungsgleich; trotzdem habe ich von den Beiträgen sehr viel gelernt.[ 4 ]

Im Folgenden werde ich einige Entwicklungen und Thesen über die "Kunst der Niederlage" herausarbeiten. Um das Thema nicht in eine allgemeine Geschichte der Kriege und Schlachten zerfließen zu lassen, nehme ich die soldatischen Ehrvorstellungen und ihr mögliches Extrem, nämlich den Kampf bis zum Tod, als Maßstab, um parallel dazu immer wieder die Mechanismen aufzeigen zu können, die dieses Extrem nicht immer, aber oft verhindert haben. Diese Mechanismen könnte man, mit einer Anleihe bei Adam Smith, als "die unsichtbare Hand des Krieges" bezeichnen. Dies bedarf einer kurzen Erklärung. Der schottische Nationalökonom hatte in seinem Buch "The Wealth of Nations" geschrieben, dass der Markt nicht durch die guten Absicht

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