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Ehe als soziale Praxis. Ein Überblick über die Untersuchung von Eheschließungen im Kontext historischer Studien von Nowak, Benjamin (eBook)

  • Erschienen: 19.06.2015
  • Verlag: GRIN Verlag
eBook (ePUB)
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Ehe als soziale Praxis. Ein Überblick über die Untersuchung von Eheschließungen im Kontext historischer Studien

Studienarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Geschichte - Allgemeines, Note: 2,0, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Institut für Geschichte), Veranstaltung: Ehe als soziale Praxis, Sprache: Deutsch, Abstract: 'Wer sich die Ehe vornimmt, handelt sich eine Welt ein. Die der Politik und der Ökonomie und die der Phantasie, die der Köpfe und die der Herzen', konstatiert Caroline Arni ihre äußerst anregenden Untersuchungen über die 'Krise der Ehe um 1900'. Und in der Tat beschäftigt die Frage, wer wen warum oder warum auch nicht heiratet seit geraumer Zeit die Gesetzgeber, Literaten, Wirtschaftswissenschaftler und Vertreter der verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Sich einen Überblick über die Thematik, die auf den ersten Blick als eine sehr einfache, weil allgegenwärtige erschien, zu verschaffen, dauerte ein reichliches Jahr, indem mehrere hundert Literaturtitel konsultiert wurden. Die Allgegenwart des Themas ist es schließlich auch, die eine Fülle von Zugängen anbietet. Sinnbildlich steht man als Wanderer an einem Wegekreuz in weiter (Forschungs-) Landschaft: dutzende Wege führen zu dutzenden Sehenswürdigkeiten, doch keiner führt an allen entlang. Einen Einblick oder, um bei der Metapher zu bleiben, einen 'Reiseführer' zu bieten, ist das Anliegen dieser Arbeit. Selbstredend kann dabei kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. Die folgenden Ausführungen stehen dabei in einem weiteren Kontext: Der empirischen Untersuchung des Heiratsverhaltens bzw. der Eheschließungen in einer deutschen Großstadt gegen Ende des 19. Jahrhunderts, also in einer Zeit rasanten wirtschaftlichen Wachstums, der Urbanisierung, der massenhaften Migration und Mobilität. Es wird in diesem Gesamtkontext zu untersuchen sein, wer wen heiratete, das heißt, welche Determinanten das Heiratsverhalten bestimmten: Beruf, soziale Lage, Konfession, Alter sowie soziale und geografische Herkunft etc. Darüber hinaus sollen neben diesen quantitativen auch qualitative Zugänge genutzt werden, um Ehe als soziale Praxis begreifbar zu machen. Die Literaturlage ist, wie bereits angedeutet, diesbezüglich sehr ergiebig. Ziel ist es, einen umfänglichen Einblick einerseits in die Forschungslage und aktuelle Fragestellungen zu gewinnen, andererseits über theoretische und praktische Zugänge zur Thematik Anregungen für eigene Untersuchungen zu erfahren.

Produktinformationen

    Größe: 1886kBytes
    Herausgeber: GRIN Verlag
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 55
    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    ISBN: 9783956876561
    Erschienen: 19.06.2015
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Ehe als soziale Praxis. Ein Überblick über die Untersuchung von Eheschließungen im Kontext historischer Studien

3. Ehe und Familie als Forschungsthemen. Ein Abriss

Kaum eine Praxis beschäftigte die Geistes-, aber auch die Naturwissenschaften so anhaltend wie die Ehe. [56] Je nach Zugang zur Thematik und Erkenntnisinteressen erhält man verschiedene Ergebnisse und Interpretationsansätze zur Deutung verschiedener Ehepraktiken und -muster. [57]

Wenn man die Eheschließung bspw. als Ergebnis strukturalistischer Prozesse versteht, wird man empirische Heiratsmuster kritisch gemäß oder entgegen den Konzepten der Protoindustrialisierung, der Industrialisierung und Urbanisierung je nach Untersuchungsraum, -zeitspanne, und -kontext mit Familienökonomien, Erbregelungen und Konjunkturzyklen sowie Änderungen der Berufs- und Wirtschaftsstruktur zu erklären versuchen. In dieser Tradition stehen in der deutschen Forschung die meisten seit den 1970er Jahren aus sozialgeschichtlichen Wurzeln erwachsenen historisch-demografischen und der Historischen Familienforschung zuzuordnenden Arbeiten, aber auch Übersichtwerke zur Geschichte der Familie. [58]

Gemein ist den empirischen unter diesen Abhandlungen meistens die Fokussierung auf ländliche Gemeinden über längere Zeiträume von der frühen Neuzeit bis in die Frühphase der Industrialisierung hinein; selten darüber hinaus. In solchen Orten - aufgrund der Quellenüberlieferung meistens in Hessen oder Baden-Württemberg gelegen - ist soziales Handeln überschaubar. Das von David W. Sabean untersuchte Neckarhausen bspw. bewohnten zu keinem Zeitpunkt mehr als 500 Einwohner. Dadurch werden methodische Zugänge möglich, die sich für die Gesamtheit einer Stadtbevölkerung über einen längeren Zeitraum nicht umsetzen lassen. [59]

Eine alltagsgeschichtliche Darstellung des Heiratsverhaltens, z. B. der ländlichen Bevölkerung in vor- und frühmodernen Zeiten mit einem eher kulturgeschichtlichen Zugang, wird gleichfalls auf die Rahmenbedingungen der Familien-, bessergesagt der Hausökonomie verweisen, wird den Fokus der Interpretation aber auch auf kulturelle Besonderheiten im Sinne religiöser, regionaler und lokaler Praktiken richten und so ein, nicht rein auf die Sphäre des Funktionalen und des Strukturalistischen begrenztes Bild zeichnen. [60] In diese Kategorie fallen auch etliche vor allem kultur- und klassen-geschichtliche Studien über die (interdependente) Entwicklung bestimmter Bevölkerungsteile. [61]

Die Zugänge können dabei sowohl über quantitative als auch qualitative Quellen erfolgen; der Fokus kann auf einer Mikro- oder, komparativ, auf einer Makroebene liegen. [62] Biografische und netzwerk-analytische Studien zu den Beziehungsgeflechten einzelner Familien und Verwandtschaften, vermittelt durch deren Erbgänge, Heiraten, Amtshilfen etc. sind in diesem Zusammenhang zu nennen. [63]

Dieses oft diffus Scheinende, das den sozialgeschichtlichen Zweigen den Vorwurf der Methoden-losigkeit bzw. -schwäche einbrachte, ist mittlerweile selbst zur Forschungsgeschichte geworden. Aktuelle Zugänge bedienen sich relativ frei multidisziplinarer Konzepte und modifizieren sie ihrer eigenen Fragestellung gemäß. [64]

Die Vergleichbarkeit vieler Studien erleichtert das nicht unbedingt, doch bereichert es ihre Erkennt-nisse. [65]

Inspiriert durch Erkenntnisse, Methoden und Fragestellungen der Soziologie, ihrer Subdisziplinen, und kulminierend in deren Schnittmenge zur Sozialgeschichte, der Historischen Sozialforschung, der Mobilitäts- und der Ungleichheitsforschung, entstanden zahlreiche Abhandlungen zu sozialen und familialen Platzierungsstrategien und deren Verwirklichung durch Berufswahl und Konnubium bzw. zu Klassenbildungsprozessen und zum Zusammenhang von Wi

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