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Jesus war nie in Bethlehem von Koschorke, Martin (eBook)

  • Erschienen: 01.02.2014
  • Verlag: WBG
eBook (ePUB)
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Jesus war nie in Bethlehem

Jahr für Jahr feiert die Christenheit die Geburt ihres Erlösers. Jahr für Jahr zieht es Tausende von Pilgern nach Bethlehem. Nur: Jesus ist nicht in Bethlehem geboren. Höchstwahrscheinlich hat Jesus das Städtchen Bethlehem in seinem ganzen Leben nie betreten. In diesem Band wird - ohne theologische Spezialistensprache - ein kritischer Blick auf die Weihnachtsgeschichte geworfen. Dabei stellen sich folgende Fragen: Wie kam die Krippe nach Bethlehem? War Jesus wirklich ein Nachfahre des legendären Königs David? Hielt er selbst sich für Gottes Sohn? Historisch war manches anders, als die Weihnachtsgeschichte es berichtet. So kann man an diesen Erzählungen Anstoß nehmen - oder Anstöße bekommen. Martin Koschorke will nicht einfach nur einen Mythos zerstören, sondern im Gegenteil verdeutlichen, dass die offizielle Version der der Geschehnisse in Bethlehem historisch zwar falsch, aber menschlich und religiös verständlich, ja sogar notwendig war.

Martin Koschorke, geb. 1939, Theologe und Soziologe, ist in verschiedenen Ländern in der Aus- und Fortbildung von Paar- und Familienberatern tätig. Darüber hinaus war er bis 2004 Dozent am Evangelischen Zentralinstitut für Familienberatung in Berlin. Veröffentlichungen zu Partnerschaft und Paarberatung, auch populäre Darstellungen.

Produktinformationen

    Größe: 1381kBytes
    Herausgeber: WBG
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 143
    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    ISBN: 9783534262953
    Ausgabe: 5. Aufl.
    Erschienen: 01.02.2014
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Jesus war nie in Bethlehem

1. "Bethlehem, im jüdischen Lande"

Es ist nicht weit von Jerusalem nach Bethlehem. Zwei bis drei Stunden brauchte man einst zu Fuß, acht Kilometer Luftlinie. Die Straße schlängelte sich durch Olivenhaine, vorbei am griechisch-orthodoxen Elias-Kloster. Dann sah man das Städtchen vor sich liegen. Es schmiegt sich an die bewegte Landschaft an, wird eins mit ihren Hügeln und Hängen. Von Bethlehem aus geht der Blick weit hinaus über das bergige Land im Süden Jerusalems. Von hier aus erklingen immer noch die Glocken christlicher Kirchen über die judäische Wüste.
Hinter Mauern

Heute gehört "Bethlehem im jüdischen Lande" zum Staatsgebiet Palästinas. Wer den Ort in diesen Tagen besuchen will, muss Grenzen überwinden und ausgefeilte Kontrollen über sich ergehen lassen. Bethlehem ist abgeschnitten vom Rest der Welt, isoliert auch von den anderen Mosaikstücken des palästinensischen Staates. Rund zwanzig Kilometer Sperranlagen schnüren das Städtchen ein: ein bis zu neun Meter hoher Mauerwall im Norden und Nordwesten, der Stacheldraht eines Hochsicherheitszauns im Osten, jüdische Siedlungen im Süden. Die Bewohner fühlen sich gefangen.

Im Zentrum indessen hat Bethlehem nichts von seinem Reiz verloren. Alle wichtigen Wege führen zum Mangerplatz. Dort steht gegenüber einer Moschee die Geburtsbasilika. Sie ist über jener Grotte errichtet, die nach der Überlieferung der Stall war, in dem Jesus zur Welt kam. In den Besitz der Basilika teilen sich die armenisch-orthodoxe und die griechisch-orthodoxe Kirche. Um ihren Besitz streiten sich die christlichen Brüder seit Jahrhunderten - unweit des Hirtenfeldes, auf dem laut Weihnachtsgeschichte himmlische Boten der Menschheit "Frieden auf Erden" verkündeten.
Touristen seit der Bronzezeit

Wer ist in Bethlehem und dem jüdischen Land nicht alles aufgekreuzt! Und wieder abgezogen. Ausgrabungen zwischen Jordanfluss und Mittelmeerküste haben Spuren ältester menschlicher Zivilisation zu Tage gefördert. Westsemiten siedelten sich an, Kanaanäer bauten Königstädte, die einander heftig befehdeten. Lange Zeit gehörte das alte Israel zur Einflusszone Ägyptens. Dann kamen die Assyrer und Babylonier aus dem heutigen Irak. Es folgten, auf dem Weg zum Nil, die Perser aus dem gegenwärtigen Iran. 332 stattete Alexander der Große aus Mazedonien Jerusalem eine Stippvisite ab. Danach tauchten wieder die Ägypter auf, gefolgt von den Syrern und schließlich den Römern.

Bethlehem war immer eine ziemlich kleine Ansiedlung. Weltweites Ansehen gewinnt der Ort erst in der christlichen Ära als Geburtsstadt des Erlösers. Pilger strömen zur Stätte von Jesu Geburt. Die wird schon früh, spätestens um das Jahr 150, mit einer Höhle gleichgesetzt. Kaiser Konstantin lässt hier, wiederum rund 150 Jahre später, eine Basilika errichten. Sie ist ein Vorläufer des heutigen fünfschiffigen Baus. Immer häufiger bekommt der heilige Ort prominenten Besuch: Kirchenvater Origenes um 248, die Kaiserinmutter Helena 326, ein "Pilger von Bordeaux", wie er in der Literatur genannt wird und der vermutlich nicht alleine kam. Kirchenvater Hieronymus lässt sich 385 in Bethlehem nieder und errichtet ein Kloster. 614 rettet nur ein Missverständnis die Geburtskirche vor der Zerstörung durch die Perser: Den Eingang der Kirche zieren die Weisen aus dem Morgenland - in der Tracht persischer Mithraspriester.

Um die gleiche Zeit macht sich der Islam daran, die Welt zu erobern. Der siegreiche Kalif Omar verrichtet 638, vielleicht schon 634, in der Geburtsbasilika seine Gebete. Für Jahrhunderte wird die Kirche als Omar-Moschee zu einer Stätte der Verehrung Allahs. Bis die Kreuzfahrer aufkreuzen. Weihnachten 1100 wird Balduin I. zum König von Jerusalem gekrönt. Zuvor hatten christliche Ritterhorden eine Visitenkarte abendländischer Kultur abgegeben: Unter dem Motto "Gott will es!" massakrierten sie die gesamte Einwohnerschaft Jerusalems. Auch die Kinder, Frauen und alten Leu

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