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Von der Lust am Eigensinn von Korn, Wolfgang (eBook)

  • Erschienen: 01.07.2013
  • Verlag: Theiss
eBook (ePUB)
15,99 €
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Von der Lust am Eigensinn

Bequeme Menschen machen es uns einfach: Wir können sie in den ihnen zugedachten Schubladen des historischen Wertesystems unterbringen. Wie gehen wir jedoch mit historisch unbequemen Persönlichkeiten um, die sich nicht immer ihrem Stand, ihrer Rolle, ihrem Auftrag entsprechend verhalten? Persönlichkeiten wie dem großen Geist Thomas Müntzer, der auf seine Rolle als Agitator der Bauernaufstände im 16. Jahrhundert reduziert wird, oder dem genialen Chemiker und Nobel-Preisträger Fritz Haber, der den Einsatz von Giftgas im Ersten Weltkrieg gegen Widerstand durchsetzte, oder Ulrike Meinhof, bei der sich die Frage stellt, wie ein engagierter und mitfühlender Mensch aus unserer Mitte auf die Bahn des Hasses geraten kann. Die elf Porträts fügen sich zu einer Geschichte großer Missstände, Krisen und historischer Herausforderungen zusammen und beleuchten gleichzeitig kritisch, wie die Mehrheitsgesellschaft auf die herrschenden Verhältnisse reagierte.

Wolfgang Korn, geb. 1958, studierte Geschichte, Politische Wissenschaften und Journalistik. Seit 1992 ist er freiberuflich als Wissenschaftsjournalist unter anderem für die Neue Zürcher Zeitung, Bild der Wissenschaft und Geo tätig und befasst sich hauptsächlich mit archäologischen und geschichtlichen Themen.

Produktinformationen

    Größe: 1117kBytes
    Herausgeber: Theiss
    Untertitel: 11 unbequeme Deutsche, die Geschichte schrieben
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 192
    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    ISBN: 9783806227352
    Erschienen: 01.07.2013
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Von der Lust am Eigensinn

EINLEITUNG

Eigensinnige Zeitgenossen oder:
was heißt es, aus historischer Sicht unbequem zu sein?

"Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit ... Ich will kein Heiliger sein, lieber noch ein Hanswurst..." ( Nietzsche, Ecce Homo )

Was macht einen Menschen unbequem, was unterscheidet ihn vom Außenseiter, der früh in die Vergessenheit gerät, und was führt dazu, dass sein Einfluss auf die Gesellschaft, ja auf die Zeitläufte anhält? Dass sich die Leute noch Jahrzehnte später erinnern?

Doch fangen wir von vorne an: Was bedeutet "unbequem" eigentlich konkret? Hier kann die gegenteilige Bedeutung hilfreich sein - das Bequeme. Was also ist bequem?

Bequeme Kleidungsstücke zum Beispiel: Diese engen nicht ein, in ihnen können wir uns frei bewegen. Viele Leute tragen mittlerweile überall bequeme Kleidung - nicht nur zu Hause. Man macht es sich heutzutage überhaupt gern bequem.

"Das Bequeme" verursacht wenig Reibung, "bequem" ist effizient, entspannend - "bequem" ist kurz gesagt sehr "in". Bequem ist alles, was keine oder nur wenig Kraft erfordert.

Auf die Gesellschaft übertragen: Man lässt sich in der Menge treiben, wird selbst Teil der Masse. Man verfolgt kein Ziel, lässt sich dahin treiben, wohin sich die Mehrheit treiben lässt. Das gilt für Moden, aber auch für Meinungen und Werte.

"Bequem" ist eine historische Person, deren Biografie geradlinig von Anfang bis Ende erzählt werden kann. Hier gibt es wenig, was im Dunkeln bleibt. Die Motivation ist klar. Wir fragen uns nicht: Wie konnte er, wie konnte sie das tun? Was hat ihn oder sie bloß angetrieben?

"Bequeme" historische Persönlichkeiten fügen sich in ihre Epoche, scheinen sich nahtlos einzufügen, sie stemmen sich nicht gegen die Strömungen ihrer Zeit, wie auf einer großen Welle reitend, kommen sie an ihre Ziele, sofern sie welche haben.

Unbequeme indessen sind genau das Gegenteil: Sie entziehen sich unseren gängigen Deutungsmustern, sie verweigern sich unseren Erwartungen, verhalten sich nicht immer ihrem Stand, ihrer Rolle, ihrem Auftrag entsprechend: links - rechts, konform - nonkonform, loyal - illoyal ...

Von ihnen bekommt man keine einfachen, erwartbaren Antworten, denn da ist immer ein Moment der Unberechenbarkeit.

Sie sind sperrig.

Unbequeme sind aber nicht nur für andere unbequem, sondern auch für sich selbst. Fast scheint es, als folgten sie einem inneren Zwang, oder positiv gesprochen, einer Berufung. Viele Unbequeme sind davon überzeugt, den einzig gangbaren Weg zu gehen. Mit anderen Worten: Solche Menschen sind extrem eigensinnig.

Zugegeben, Eigensinnige haben wir viele in Deutschland. Fast jeder legt Gewohnheitsrecht, Gesetzeslage oder Verkehrsregeln zu seinen Gunsten aus.

Bücher und Fernsehserien sind über die "Giftzwerge des Alltags" erschienen, Leute die sich jahrelang über nachbarliche Wegerechte, Baumäste auf dem Grundstück oder verspätete Postzustellungen streiten.

Oder nehmen wir die Wutbürger - wer von ihnen vertritt echten Bürgerprotest und wer gehört nur zur NIMBY-Bewegung? NIMBY ist die englische Abkürzung für: "Not in my Backyard!" Bitte nicht auf meinem Rasen oder meinem Hinterhof. Es gibt doch noch genug andere Plätze! In Deutschland reden wir vom "St. Florians-Prinzip", das bekanntlich lautet: "Verschon' mein Haus, zünd' andere an."

Sind die Protestler gegen den Bau eines Flughafens oder eine neue Landebahn, nur weil die Einflugschneise über ihr eigne Siedlung hinweg führt oder machen sie sich generell gegen Fluglärm in der Nähe von Großstädten stark - und zwar so lange, bis niemand mehr ein Antifluglärm-Plakat sehen mag?

Unbequem sind "Giftzwerge" und "Wutbürger" für die Planungsbehörden oder betroffenen Nachbarn, aber macht sie das auch zu "Unbequemen" in einem gesellschaftlichen Sinne?

Salomonisch müsste die Antwort heißen: So mancher Querulant bildete schon die Keimzelle einer soziale

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