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Alles Mythos! 16 populäre Irrtümer über Frankreich von Nestmeyer, Ralf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2014
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Alles Mythos! 16 populäre Irrtümer über Frankreich

Der Franzose: Eine Baskenmütze auf dem Kopf, das Hemd in blau-weiß gestreift, in der Hand trägt er ein Baguette und unterm Arm eine Flasche Rotwein. In seinem Landhaus neigt er - schließlich ist Gott Franzose - zur Gemütlichkeit, in Paris dagegen genügt ein Funke zur Revolution. Die modische Französin hat drei Kinder und geht arbeiten. Ist das wirklich Frankreich? Es ist fast immer ein Schuss Stereotyp mit dabei, geht der Blick von dieser Seite des Rheins aus. Genau diese Mythen und vermeintlichen Wahrheiten, die längst niemand mehr hinterfragt, werden in diesem Buch betrachtet. Von historischen Aspekten bis zu kulturellen und gesellschaftlichen Irrtümern darf der Leser in viele, teils völlig überraschende Bereiche des französischen Kulturraums hinein schnuppern. Und wenn er hier und da auch einmal lächelt, umso besser! Interkulturellen Themen nähert man sich am besten mit einer Spur Humor - schließlich geht es nicht nur um den Lerneffekt, sondern auch den Lesegenuss.

Ralf Nestmeyer, geb. 1964, ist Historiker und lebt als freier Autor in Nürnberg.Er ist Verfasser von Reiseführern, Sachbüchern, Bildbänden und Herausgeber von literarischen Anthologien über die Provence und Sizilien. Seit 1989 publiziert er Essays, Reportagen und Rezensionen unter anderem für die ZEIT, die SZ, die FAZ und den Bayerischen Rundfunk.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 214
    Erscheinungsdatum: 01.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806229226
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 1295 kBytes
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Alles Mythos! 16 populäre Irrtümer über Frankreich

IRRTUM 1:

Alle Franzosen sind Gallier

"Wir befinden uns im Jahre 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten." Mit diesen bekannten Worten und der auf die Bretagne fokussierten Lupe beginnt jeder Asterix-Band. Als am 29. Oktober 1959 der erste Asterix-Comic in der französischen Jugendzeitschrift Pilote erschien, hat wohl niemand geahnt, dass der Zeichner Albert Uderzo und der Texter René Goscinny damit innerhalb weniger Jahre ein modernes französisches Nationalepos schaffen würden. Bis heute sind die Abenteuer des schnauzbärtigen kleinen Galliers und seines wohlbeleibten Freundes Obelix in mehr als 80 Sprachen übersetzt worden und haben eine Auflage von über 300 Millionen erreicht. Hinzu kamen ein knappes Dutzend Zeichentrick- und Spielfilme, die weltweit im Kino und Fernsehen gezeigt wurden. Unter dem Titel "Astérix le Gaullois" kam 1961 das erste Einzelheft auf den Markt, dem bis heute 34 weitere zusammenhängende Asterix-Geschichten folgten. Und mit jedem Heft und mit jedem Film wurde weiter an dem Mythos der unbesiegbaren Gallier gestrickt, wobei, wie in den Heften "Tour de France" oder "Asterix und die Normannen" geschehen, immer wieder auf andere nationale Mythen eingegangen wird. Zudem erfolgen durch die Charakterisierung der Nebenfiguren Anspielungen auf typische Klischees und historische Ereignisse der französischen Geschichte. Asterix ist längst zu einem Botschafter der französischen Lebenskultur und zu einem Symbol für den Kampf Davids gegen Goliath geworden. Asterix verkörpert den provinziellen Franzosen, der mit seiner Prinzipientreue die Usurpatoren in die Schranken verweist. Nicht nur die Franzosen identifizieren sich mit den rebellischen Comic-Galliern, die sich der römischen Übermacht mit viel Mut, Bauernschläue, Humor und einer Dosis Zaubertrank zu erwehren wissen. Was natürlich auch insofern leicht fällt, als die Sympathien der Leser stets den Unterdrückten und um ihre Autonomie Kämpfenden gehören.

Die Geschichten von Asterix und Obelix sind nicht nur geprägt von einem verklärenden Blick auf die eigenen Wurzeln, sie bieten durch verschiedene Bezüge und Querverweise auch viel Interpretationsspielraum. So kann der Kampf der unbeugsamen Gallier gegen die römischen Besatzer auch als Anspielung auf den Widerstand gegen die Deutschen im Zweiten Weltkrieg oder gegen die militärische Übermacht und den kulturellen Einfluss der Vereinigten Staaten von Amerika verstanden werden. Und lassen sich nicht auch Parallelen zwischen dem Zaubertrank und dem französischen Atommachtstreben erkennen? Atomare Schlagkraft erachtete nicht nur Charles de Gaulle als existenziell für die Verteidigung und Unabhängigkeit des Landes. Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass der erste französische Satellit, den man am 26. November 1965 in den Weltraum geschickt hatte, auf den Namen "Astérix" getauft wurde.

Allzu gerne wird in der modernen globalisierten Welt der Mythos der wackeren Gallier beschworen, deren ideelle Nachfahren immer wieder für Aufsehen sorgen: So steht mit José Bové seit Jahren ein Schafzüchter, der auf der kargen Hochebene des südfranzösischen Larzac lebt, an der Spitze der Globalisierungsgegner. Bové, der mit seinem besendicken Schnurrbart, den blauen Augen und den vielen Lachfältchen aussieht wie der leibhaftige Asterix, hat in den letzten Jahren durch mehrere Aktionen von sich Reden gemacht. So verwüsteten er und seine Anhänger ein genmanipuliertes Maisfeld, ein anderes Mal demolierten sie die Baustelle einer neuen McDonald's-Filiale in Millau, um "gegen die Vorreiter des Industriefraßes" vorzugehen. Als ihn das Gericht in Millau zu einer dreimonatigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilte, funktionierte Bové seinen Haftantritt zum Triumphzug um: Als er mit seinem Traktor von seinem Bauernhof di

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