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Antisemitismus von Nonn, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: wbg Academic
eBook (ePUB)
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Antisemitismus

Antisemitismus wird als etwas Monströses, als Inbegriff der Unmenschlichkeit schlechthin angesehen - und das zu Recht. Wer Antisemitismus denkt, denkt auch an Auschwitz. Diese Einstellung erschwert aber häufig eine differenzierte Analyse dieses Phänomens, das für die europäische Geschichte zumindest der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts so fatal prägend war. Christoph Nonn unterzieht den Antisemitismus nun einer detaillierten Untersuchung und zeichnet nach, welche Erklärungsversuche es für die wesentlichen Themenfelder gibt. Er beschreibt die Forschungsdiskussion zur Vorgeschichte des Judenhasses, die verschiedenen Erklärungen zu seiner Ursache und zum Antisemitismus im internationalen Vergleich. Bedeutsam ist seine Analyse der Diskussion zum deutschen Antisemitismus vor 1933 und während des Nationalsozialismus. Aber auch die Judenfeindschaft nach 1945 und in der arabischen Welt wird berücksichtigt. Wer sich vertieft mit dem Antisemitismus und seinen Wurzeln beschäftigt, kommt an dieser Untersuchung nicht vorbei. Christoph Nonn ist Professor für Neueste Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Von ihm erschien unter anderem ?Eine Stadt sucht einen Mörder. Gerücht, Gewalt und Antisemitismus im Kaiserreich? (2002) und ?Das 19. und 20. Jahrhundert? (2007).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534713257
    Verlag: wbg Academic
    Größe: 1137 kBytes
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Antisemitismus

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II. Überblick

Begriff Antisemitismus

Der Begriff Antisemitismus ist während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. In deutscher Sprachwissenschaft und Völkerkunde wurden damals alle ehemaligen und aktuellen Bewohner des Nahen Ostens als "Semiten" bezeichnet. Da Antisemitismus sich nur gegen die vor zwei Jahrtausenden aus Palästina vertriebenen Juden richtete, hat man den Begriff oft als unpräzise kritisiert. Alle Versuche, ihn durch treffendere Alternativen zu ersetzen, blieben aber erfolglos (9).

Auch in anderer Hinsicht wird der Begriff gelegentlich als problematisch gesehen. Wesentlich zu seiner Verbreitung beigetragen hat der deutsche Publizist und Politiker Wilhelm Marr, der selbst Antisemit war. Marr definierte Antisemitismus 1879/80 als eine angeblich neuartige, rassistisch motivierte Judenfeindschaft, die er ausdrücklich von religiös begründetem Antijudaismus früherer Epochen unterschieden wissen wollte. Aus dem Deutschen wurde der Begriff schnell in andere Sprachen übertragen, bürgerte sich aber entgegen dieser Definition im In- und Ausland fast sofort als Bezeichnung für die verschiedensten Formen von aktueller und historischer Judenfeindschaft ein (61; 42). Daran hat sich bis heute nichts geändert. Antisemitismus, hat ein Historiker gespottet, stehe so als Sammelbezeichnung ähnlich wie der Markenname "Tempo" für Papiertaschentücher (64). So ist in vielen populären und manchen wissenschaftlichen Veröffentlichungen die Rede von "antikem Antisemitismus" oder "religiösem Antisemitismus" im Mittelalter (z. B. 31; 4; 34). Manche Spezialisten möchten den Begriff Antisemitismus dagegen nur für modernen und rassistisch motivierten Judenhass verwendet sehen, weil dieser sich von anderen, früheren Formen der Judenfeindschaft fundamental unterscheide.

Ob religiöser und rassistischer Judenhass tatsächlich voneinander zu trennen sind, ist freilich unter Historikern umstritten. Und ebenso umstritten ist die Frage, ob ein Übergang von der einen zur anderen Form im späten 19. Jahrhundert geschah - also zu Beginn der Zeitepoche, die gemeinhin als die Moderne bezeichnet wird.

1. Kapitel

Am Anfang der hier zu behandelnden Forschungsprobleme steht deshalb die Diskussion des Charakters von Judenfeindschaft vor und in der Moderne. Ist Judenfeindschaft ein mehr oder weniger kontinuierliches Phänomen, das höchstens seine äußere Gestalt gewechselt, aber im Kern wesentlich unverändert geblieben ist, seit es Juden gibt? Oder vollzog sich ein grundlegender Wechsel von traditionellem Antijudaismus zu modernem Antisemitismus? Hat das Phänomen also einen Veränderungsprozess durchlaufen, der seine Natur in zentralen Punkten verwandelt hat? Und wenn Letzteres zutrifft: Welche sind dann diese zentralen Punkte? Diese Fragen sind die Themen des ersten Kapitels.

2. Kapitel

Eng verbunden damit, und ebenso kontrovers diskutiert, ist die Frage nach Ursachen des Antisemitismus. Sie steht im Mittelpunkt des zweiten Kapitels. Einige Erklärungen heben die Rolle eines einzigen Faktors bei der Entstehung von Judenfeindschaft hervor. Solche mehr oder weniger monokausalen Interpretationen erfreuen sich besonders in einer breiteren Öffentlichkeit ungebrochener Popularität, haben aber auch in wissenschaftlichen Kreisen manche Anhänger. So wird die Entstehung antisemitischer Einstellungen etwa häufig mit einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur in Verbindung gebracht. Im Kontrast zu solchen psychologischen Theorien stehen Interpretationen, die Religion als Faktor betonen. Antisemitismus ist demnach untrennbar in christlicher Tradition oder christlichem Weltbild verwurzelt.

Andere Theorien erkennen zwar die Bedeutung religiöser Wurzeln oder psychischer Strukturen für die Ausbildung antisemitischer Mentalitäten an. Weil solche antisemitischen Einstellungen zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen O

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