text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Biographien Lesen - erforschen - erzählen von Etzemüller, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2012
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
14,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Biographien

Biographien werden von Historikern erforscht, geschrieben oder als Quellen benutzt. Thomas Etzemüller unternimmt einen Streifzug durch die historische, soziologische und literaturwissenschaftliche Biographieforschung. Dabei macht er deutlich, dass die Lebensgeschichte eines Menschen ein komplexes Konstrukt ist. Hinzu kommt ein "biographisches Paradox": Philosophen und Soziologen beschreiben den Menschen als fragmentiertes Wesen, das Genre der Biographie aber erfordert die narrative Einheit eines Lebenslaufs von der Geburt bis zum Tod. Wie Historiker mit diesem Widerspruch umgehen können, ist ein zentrales Thema dieser Einführung.

Thomas Etzemüller, Dr. phil., ist außerplanmäßiger Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Oldenburg

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 196
    Erscheinungsdatum: 10.09.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593418193
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 3943 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Biographien

1. Einleitung

1.1. Ein überraschend komplexes Genre

Es gibt eine eigene Wissenschaft, die sich mit Biographien beschäftigt,
die Biographieforschung. Sie ist mittlerweile derart
ausdifferenziert, dass es unmöglich ist, einen auch nur halbwegs
umfassenden Überblick über diesen Forschungszweig zu geben.
Um das zu begreifen, reicht ein Blick in das Inhaltsverzeichnis
einer der jüngsten Publikationen zu diesem Thema, das 2009
erschienene Handbuch Biographie (Klein 2009). Auf knapp 500
zweispaltigen Seiten werden 59 Themenfelder in knappen Artikeln
skizziert, etwa die Begriffsbestimmung, die Frage, ob die
Biographie eine Gattung sei, das Problem der Fiktionalität, die
Biographiewürdigkeit oder gar Rechtsfragen der biographischen
Arbeit. Das Handbuch macht deutlich, dass sich Biographien in
der Antike, im Mittelalter oder der Neuzeit signifikant unterscheiden,
dass es unterschiedliche nationale Traditionen biographischen
Schreibens gibt, dass die wissenschaftlichen Disziplinen
ihre eigenen biographischen Methoden und Fragestellungen entwickelt
haben, dass Institutionen ihre ganz eigentümlichen biographischen
Texte generieren oder dass schließlich biographisches
Erzählen in Medien, Kunst, Alltag, Wissenschaft oder Literatur
unterschiedliche Formen annimmt und verschiedenen Zwecken
dient. Spätestens nach der Lektüre dieses Standardwerkes macht
es keinen Sinn mehr, von der Biographie zu sprechen. Die Biographie
gibt es nicht - doch ist sie ein jahrhundertealtes Genre, das
sich hinreichend scharf gegen andere Textgattungen abgrenzen
lässt. Und dieses Genre zeichnet sich durch Eigentümlichkeiten
und bestimmte Probleme aus. Ich werde mit dieser Einführung
nicht versuchen, das Handbuch Biographie (und die übrige Forschungsliteratur)
zusammenzufassen oder gar zu ersetzen. Vielmehr
werde ich aus der Perspektive des Historikers und gestützt
auf die jüngere Biographieforschung einen Einblick in die Vielfalt
und Charakteristika des Genres geben.

Ich selber habe nie eine Biographie geschrieben. Aber ich habe
in mehreren Forschungsprojekten die biographische Methode genutzt,
sei es, um wissenschaftssoziologisch und mikrohistorisch,
wie in einer Laborstudie, den Arbeitsprozess von Historikern zu
beschreiben, sei es, um das social engineering im europäischen
20. Jahrhundert zu untersuchen. Der biographische Zugriff dient
mir als "Sonde", um das Funktionieren der Gesellschaft zu verstehen.
Dabei ist mir immer deutlicher geworden, dass Biographien
erstaunlich komplexe Textformen sein können. Sie informieren
nicht einfach möglichst vollständig und wahrhaftig über
das Leben einer Person - auch wenn das viele Biographen und
Leser glauben mögen -, sondern sie werden durch ihre Autoren
und deren Leser gestaltet. Sie basieren zwar auf Quellen, können
Historikern aber selbst als Quelle dienen. Sie sollen nicht immer
die Neugierde von Lesern befriedigen, sondern oft nur persönlichen
oder administrativen Zwecken dienen. Sie beschreiben nicht
allein einen Ausschnitt der Welt, sondern können durchaus eine
prägende Wirkung auf die Welt ausüben. Außerdem vermögen sie
es, allzu einfache Vorstellungen von der Realität infrage zu stellen.
In dieser Einleitung umreiße ich den Gegenstand und seine
fortdauernde Attraktivität und nehme eine provisorische Begriffsklärung
vor. Dann soll die Problematik in sechs Kapiteln aufgefächert
werden. In Kapitel 2 werden sechs Biographien beispielhaft
vorgestellt, die narrativ unterschiedlich aufgebaut sind und
den Lesern ihren Gegenstand auf divergierende Weise und mit
unterschiedlichen Absichten präsentieren. Kapitel 3 behandelt die
Frage, welche gesellschaftlichen Institutionen als "Biographiegeneratoren
" wirken und wie die vo

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen