text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Daheim am Honigberg Erinnerungen einer Pustertaler Bäuerin von Willeit-Kammerer, Maria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.08.2013
  • Verlag: Edition Raetia
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Daheim am Honigberg

'Das Leben', sagt Maria Willeit-Kammerer, 'ist wie ein Fleckerlteppich. Es hat helle und dunkle Streifen. Ich möchte über die hellen Streifen in unserem Leben erzählen. Mit den dunklen mussten wir einfach lernen umzugehen.' Die Autorin erzählt in leichtem Tonfall von ihrem Aufwachsen auf einem typischen Pfalzener Bergbauernhof in den Vierzigerjahren. Die 'Mamme' gibt ihre Arbeit als Katakombenlehrerin auf und folgt ihrem Mann auf einen gerade angekauften Bauernhof, den er aus dem Nichts aufbaut. Es gibt keinen Strom und kein Auto und als der erste Jeep ins Dorf kommt, schreit die Nachbarin verzweifelt: 'Jetzt sind unsere Kinder hier auch nicht mehr sicher.' Maria ist die älteste von 13 Kindern. Sie kann sich noch genau erinnern an die Geschichten des Vaters, an die Handwerker, die auf 'die Stör' kamen, sowie an die weltlichen und religiösen Bräuche, die heute vielfach schon vergessen sind.

Geboren 1939 in Pfalzen, ist Maria Willeit-Kammerer die älteste von 13 Kindern. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitet sie am Bergbauernhof der Eltern. Diesen verlässt sie im Alter von 18 Jahren, um unter anderem in Hotels im Gadertal und in Welschnofen Kochen, Nähen und andere Tätigkeiten zu erlernen. Mit 26 Jahren heiratet Kammerer und zieht auf den Grünbacherhof nach Kiens. Sie selbst hat acht Kinder. Kammerer ist von Anfang an Mitglied bei der Südtiroler Bäuerinnenorganisation. 1990 sitzt sie als erste Frau im Gemeinderat von Kiens, wo sie zehn Jahre lang tätig ist. Ihre Enkel- und Schwiegerkinder haben Kammerer dazu bewogen, ihre Erinnerungen aufzuschreiben.

Produktinformationen

Weiterlesen weniger lesen

Daheim am Honigberg

Im Herbst 1945 kam ich in die Schule. Obwohl mich meine Mutter am ersten Tag begleitete, war ich sehr scheu. Ich war ja ein Bergkind und kannte unser Dorf noch nicht, auch nicht das Schulhaus, ein gelb getünchter, alter Bau mitten auf dem Dorfplatz. Das Erstklasslerzimmer lag fast ebenerdig zur vorbeiführenden Straße, Pferdefuhrwerke ratterten über das holprige Pflaster. Die kleinen Fenster waren mit Eisenstäben vergittert. Freche Buben drückten ihre Nasen an den Scheiben platt und machten die wüstesten Grimassen. "Hier könnt ihr eure Kleider aufhängen und hier ist das Plumpsklo", sagte die Lehrerin. Ein großer Korb mit geschnittenem Zeitungspapier stand in der Ecke. Man zeigte uns die schwarze Tafel, die Kreide und den Putzlappen. Darauf bekamen wir unsere Bänke und unsere Sitznachbarn zugewiesen. Die Lehrerin gab sich viel Mühe, doch die Kinder tauten nur langsam auf. Ich saß in der Bank und strich meine neue Schürze glatt. Ob Mutter jetzt schon daheim war? Die Ritschmutter musste ihre Kuh heute allein auf die Weide treiben ... Die Stimme der Lehrerin holte mich heraus aus meinen Träumen."Ich heiße Maria Willeit, meine Mutter Rosa, mein Vater Alois, ich habe vier Brüder!". Dass ich in wenigen Monaten mein erstes Schwesterchen bekommen würde, davon hatte ich keine Ahnung. Mit einem "Vaterunser" und einem lang gezogenen "Grüüüß Gott" wurde der erste Schultag beendet. Endlich trottete ich mit Heft, Bleistift, Katechismus, einer hölzernen Griffelschachtel und einer Fibel in der neuen Stofftasche den langen Weg nach Hause. Ich lebte noch!

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen