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Das Echo deiner Frage Dora und Walter Benjamin - Biographie einer Beziehung von Weissweiler, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.01.2020
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Das Echo deiner Frage

Sie schrieb genauso fundiert über Giftgas wie über die Diskriminierung der Frauen oder Musik im Stummfilm. Und das zu einer Zeit, in der der Holocaust nicht mehr als eine Ahnung war und Männer alle Bereiches des gesellschaftlichen Lebens zu dominieren schienen. Dora Benjamin war einmalig, auch wenn ihr Genie stets von dem ihres Ehemanns Walter Benjamin verdeckt blieb. Trotz ihrer ungewöhnlichen Selbstständigkeit war sie ihm verfallen und verzieh ihm seine zahllosen Affären. Das Echo deiner Frage thematisiert erstmals ausführlich die dramatische Beziehung des Paares zueinander, zweier Menschen, die aufgrund ihrer Unangepasstheit und ihrer jüdischen Abstammung stets heimatlos blieben, damit jedoch höchst unterschiedlich umgingen. Eine spannende Paarbiographie, in deren Mittelpunkt eine Frau steht, deren von Selbstverwirklichung, aufopfernder Liebe, Flucht und Verfolgung geprägtes Leben auch heute noch brandaktuell ist. Eva Weissweiler, Dr. phil., geboren 1951, Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Islamwissenschaft. Sie veröffentlichte u.a. die Bücher Clara Schumann ( 1990) Tussy Marx. Das Drama der Vatertochter (2002), Die Freuds. Biographie einer Familie (2005); Wilhelm Busch. Der lachende Pessimist (2007), Otto Klemperer ( 2009), Friedelind Wagner (2013); Luise Straus-Ernst ( 2016) und zuletzt Lady Liberty: Das Leben der jüngsten Marx-Tochter Eleanor (2018). Eva Weissweiler lebt als freie Schriftstellerin und Rundfunkautorin in Köln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 04.01.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455006445
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 1763 kBytes
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Das Echo deiner Frage

© Archiv Dina Draper, London

Dora Sophie Morser, ca. 1960 in London
Prolog
"Ich erinnere mich an nichts Dunkles"

Februar 1941 . Dora Sophie Morser, geborene Kellner, geschiedene Pollak und geschiedene Benjamin, hat sich ein Häuschen in der Grafschaft Surrey gemietet, um sich vor dem "Blitz", den deutschen Luftangriffen auf London, zu schützen. Sie ist gerade noch rechtzeitig gekommen. Denn schon bald gibt es neue Bombardierungen, denen in jeder Nacht Hunderte zum Opfer fallen, wenn sie nicht Zuflucht in den U-Bahn-Schächten gefunden haben. Niemand kann schlafen, weil die Stadt von neun Uhr abends bis fünf Uhr früh attackiert wird. Man hat Pappsärge und Leichensäcke verteilt, um die Toten rasch bergen zu können. Wer irgend kann, flieht aufs Land. Um die 650 000 Kinder sind in diesen Wochen verschickt worden.

Dora, die seit 1938 in London lebt, betreibt dort das Camborne Hotel, wo vor allem junge Leute und Studenten wohnen, zum Teil auf Dauer, eine Art "boarding-house". Doch jetzt steht es leer, denn im Krieg kommen keine Touristen. Dora ist eine ausgezeichnete Köchin. Sie hat jahrelang eine Pension in Sanremo geführt. Deshalb meldet sie sich freiwillig beim District Council im Städtchen Farnham, um die öffentliche Essensausgabe zu leiten. [1] Es ist anstrengend, aber es macht ihr Freude. Der Ernährungsminister schreibt ihr Dankesbriefe. [2] "Sie würden sich wundern zu sehen, wie viele ausgezeichnete und unterschiedliche Gerichte wir zu niedrigen Preisen herausbringen in einer Zeit, in der die meisten hungern", schreibt sie an den amerikanischen Schriftsteller Henry Louis Mencken . [3]

Diese Arbeit lenkt sie ein wenig von den Sorgen um ihren Sohn Stefan ab. Er ist dreiundzwanzig, ein "guter Junge", wie sie Mencken immer wieder versichert, groß, stark, fleißig und polyglott. Im Juni 1940 ist er jedoch in London verhaftet worden, als "feindlicher Ausländer". Winston Churchill persönlich hat angeordnet, dass alle Personen, die weder britische Staatsbürger seien noch unter britischem Schutz ständen, sondern "die Nationalität eines Staates" besäßen, "der sich im Kriegszustand mit Seiner Majestät" befinde, "hinter Stacheldraht" in sichere Lager zu bringen seien, [4] egal, ob es sich um Juden, Nazis oder Nazi-Gegner handle. Zu diesen "Personen" zählt man auch Stefan .

Am 10 . Juli 1940 hat man ihn an Bord der Dunera gebracht, zusammen mit über 2500 Deutschen, Österreichern und Italienern, darunter Juden, Faschisten und Nazis. Im September sind sie in Australien gelandet. Bis dahin waren sie in qualvoller Enge unterwegs. Es gab wenig Essen, aber viel Prügel. Die hygienischen Zustände waren entsetzlich. Nazis gingen auf Juden und Juden auf Nazis los. Korrupte englische Wachleute machten sich über das Gepäck der Häftlinge her und teilten die Wertsachen unter sich auf.

Stefan schickt verzweifelte Briefe aus der australischen Wüste, wo er mit tausend anderen Juden in einem Lager, dem Camp Hay, einsitzt. Es ist heiß. Es ist staubig. Aber das Schlimmste ist die Angst und die Ungewissheit. Dora schreibt an Walter Benjamins Cousin Egon Wissing , der als Radiologe in Amerika arbeitet:

Was Stefan nun befürchtet, ist, dass sie ihn nach Deutschland bringen, wenn der Krieg bald zu Ende geht, und von dort nach Lublin. Er sagt, darauf werde er nicht warten, sondern selber ein Ende machen. Das ist natürlich Unsinn, sie werden dort ganz fair behandelt und unsere Regierung wird so etwas nicht zulassen. Aber unglücklicherweise leidet der Junge unter Neurosen und Depressi

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