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Das Hospital auf dem Palmenhof Pionierarbeit im Siedlungsgebiet deutscher Einwanderer in Südbrasilien

  • Erscheinungsdatum: 02.08.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Das Hospital auf dem Palmenhof

1933 verschlägt es den Chirurgen Friedrich Kröner und seine Frau Emmy, Apothekerin, mit dem 2-jährigen Dieter und 78 Umzugskisten in den kleinen deutschen Ort Hamônia im Süden Brasiliens. Erschrocken über die primitiven Verhältnisse wollen sie sofort abreisen. Doch ein tropischer Regenguss versperrt den Rückweg, und Kröners lassen sich auf die Herausforderung ihres Lebens ein. Sie bauen mit der lokalen deutschen Bevölkerung ein modernes Hospital und eine Stärkefabrik am Rande des Urwaldes und leisten damit Entwicklungshilfe auf medizinischem und wirtschaftlichem Gebiet. Das Buch gewährt Einblicke in die persönliche Geschichte der deutschen Auswanderer - Jugend, Studium, Assistenzzeit Friedrich Kröner; Kindheit, Lehrzeit, Beruf Emmy Kröner, geb. Nettesheim; Kindheit Dieter Kröner -, außerdem Einblicke in die Zusammenhänge zwischen hygienischer Rückständigkeit und wirtschaftlichem Misserfolg in der Region sowie in Friedrich Kröners chirurgische Hoch- und Tiefpunkte. Nach politischen Intrigen und Nationalisierungskampagnen kommt es im Zuge des Zweiten Weltkriegs zur Enteignung des Hospitals und Verhaftung Friedrich Kröners. Nach der Internierung fangen die Kröners in Rio de Janeiro noch einmal von vorne an.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 556
    Erscheinungsdatum: 02.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741258213
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 22497 kBytes
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Das Hospital auf dem Palmenhof

Emmy Nettesheim:

Kindheit, Lehrzeit und Beruf von 1897 bis 1929

erzählt von Emmy Nettesheim, verheiratet Kröner

"Hoffnung und Erinnerung sind zwei Rosen, von einem Stamme mit der Wirklichkeit, nur - ohne Dornen."

Emmy Kröner
Mein Elternhaus

Indem ich an meine Kindheit denke, so habe ich nur glückliche Stunden voll strahlender Freude in Erinnerung, von keinem Kummer getrübt. Mein Vater war zum Erzieher geeignet wie ein Künstler, er überließ unsere Entfaltung der frei sich entwickelnden Natur mit ihren Neigungen und Fähigkeiten, die jeweils durch Vertiefung und Verstärkung zur Reife gefördert wurden. Wenn diese Entfaltung gelegentlich in Übermut oder groben Unfug ausartete, so fiel die Strafe sehr milde oder ganz aus. Da wir also keinen Grund hatten, aus Angst vor Strafe etwas verheimlichen zu müssen, gab es statt geheimnisvollen Schweigens stets lebhafte Unterhaltung auf breiter Ebene, wobei jedes Kind seine Meinung vertreten konnte oder auch verteidigen lernte.

Das Haus meiner Geburt stand in Geldern in der Hartstraße. Dort hatten meine Eltern nach ihrer Hochzeit neun Jahre in einer Etagenwohnung im ersten Stock gewohnt, und dort kamen wir vier Mädels zur Welt: Helene am 23. Mai 1894, Josefine am 10. Oktober 1895 und ich am 16. Januar 1897. Als einziges Erlebnis in diesem Haus ist mir ein Tag im Jahre 1901 im Gedächtnis geblieben: Ich sehe uns drei "Großen" eifrig im Spielzimmer beschäftigt, als Vater leise und vorsichtig die Tür öffnete, ein Paket auf dem Arm, von dem ein langer, weißer Wollschal herabbaumelte. "Ratet mal, was ich hier habe", unterbrach er unser Puppenspiel. Hm... was konnte er wohl anders so behutsam tragen als einen Kuchen! Lustig zwinkerte mein Vater mit den Augen und lüftete die Decke hoch: ein süßes, winzig kleines Gesichtchen lag schlafend in seinen Armen: unsere Schwester Frieda, das Nesthäkchen, die Vierte im Glückskleeblatt meiner Eltern, war am 5. August 1901 geboren.

Die Grundsteinlegung unseres Hauses Am Südwall 35, das meine Kindheitserinnerungen prägt, war 1902. Der Bau ist mir nur schemenhaft im Gedächtnis, obwohl ich bereits fünf Jahre alt war. Aber die gut erhaltene Fotografie der Feier und die später in einer alten Bildermappe entdeckte Kopie des vermauerten Textes frischten meine Erinnerung auf. Im Sommer 1903 zogen wir in das neue Haus am Südwall ein. "Welch ein Luxus!" - "Drei Stockwerke hoch!" - "Warmwasserheizung durch das ganze Haus, welche Verschwendung", so raunte es damals durch das Städtchen. Später fragten wir Vater einmal: "Warum hast du das Haus so groß gebaut?" - "Ihr werdet schon sehen, dass es nicht zu groß ist", triumphierte er, "ich habe vier Töchter, davon wird doch wenigstens eine in Geldern bleiben. Dann hat sie mit der Heimat gleich die Wohnung und wir genießen ihre Betreuung in alten Tagen."

Zur Einweihung schenkten die Geschwister der Eltern ihnen ein Ölgemälde des Kunstmalers Heinrich Brey, das den Besuch Kaiser Wilhelms I. in Geldern im Sommer 1863 festhielt, wie er vom Balkon des barocken Rathauses eine Ansprache an sein Volk richtet. Der Künstler nahm sich dabei die Freiheit, vielen Gästen das Porträt noch lebender Persönlichkeiten zu malen, zum Beispiel meine Eltern als Brautpaar zwischen zwei Fahnen, obwohl sie 1863 erst drei Jahre alt waren. Andere trugen die Züge meiner Großeltern, von Onkel Emil, dem damaligen Landrat und anderen bekannten Bürgern der Stadt. Leider ging das Bild später in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren.

Das Foto der Grundsteinlegung Am Südwall 35, 1902

Im Erdgeschoss gruppierten sich um eine geräumige Diele das Esszimmer, von uns der "Saal" genannt, Vaters Schreib- und unser Kinderzimmer, für uns der Inbegriff des Paradieses mit dem Riesenspielzeugschrank. Rückblickend verstehe ich den tiefen Sinn der individuellen Wahl des Kinderspielzeugs. Meine Veranlagung bewahrte mich vor Haushaltsgegen

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