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Das ungleiche Königspaar Der schiefe Fritz und die allerschönste Prinzessin von Bentzien, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2015
  • Verlag: EDITION digital
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Das ungleiche Königspaar

Die sechzehnjährige Prinzessin Sophie Charlotte heiratete im Jahr 1684 den brandenburgischen Kronprinzen Friedrich. Die ersten Kinderjahre verbrachte Sophie Charlotte im Hochstift Iburg (bei Osnabrück), bis die Familie in das Schloss Osnabrück zog. Manchmal wird sie schon auf Reisen mitgenommen, sieht den Rhein, als sie nach Holland mitfahren darf. Als Neunjährige erhält sie die Oberhofmeisterin von Harling als Erzieherin, eine Vertraute ihrer Mutter. Ebenso nachhaltig auf die Formung des Charakters mag der Aufenthalt bei ihrer Cousine Liselotte von der Pfalz am französischen Hof gewesen sein, die sich schon Gedanken machte, wie sie am besten verheiratet werden könne. Bildungsreisen sind das eine, der direkte Einfluss von Persönlichkeiten das andere wichtige Element der Erziehung. Es war ein Glücksfall, dass Gottfried Wilhelm Leibniz, der letzte Universalgelehrte in die Dienste des Herzoghauses von Braunschweig trat. Dieser Hof war durchaus nicht kleinstaatlich in seiner Lebenshaltung beschränkt. Der Herzog kannte sich aus im Gesellschaftsleben, selbst im ausschweifenden Venedig. Obgleich Katholik, stand er den religiösen Strömungen nicht borniert gegenüber und gab der Musik und dem Theater Raum. Allerlei höfisches Maskeradenspiel, eben das anspruchsvolle Plaisier, waren in Hannover gang und gäbe. Damit wuchs das Mädchen auf. Der brandenburgische Hof war calvinistisch-nüchtern geprägt, die Unterhaltung sehr beschränkt, denn aus prinzipiellen, religiösen Gründen galt die Welt als Jammertal, daher Theater, Ballett, Oper, lockere Belustigungen als verwerflich, wenn nicht gar als obszön. In diesem Sinn wurde Sophie Charlottes zukünftiger Mann erzogen, der allerdings keineswegs von seinem Vater Friedrich Wilhelm in seinen Neigungen ernst genommen wurde. Er war ja nur der Zweitgeborene. Sein älterer Bruder Karl Emil wurde auf die Thronfolge vorbereitet. Zwar wachsen die Brüder, Söhne aus der Ehe des Kurfürsten mit Louise Henriette, zusammen auf, doch Friedrich ist kränklich und hat einen Buckel. Seine Amme hatte in einer Kutsche nicht genug Obacht gegeben, der kleine Friedrich war vom Sitz gefallen und hatte sich einen Wirbelsäulenschaden, der nicht behandelt werden konnte, zugezogen. Er wurde von den frechen Berlinern daher der 'schiefe Fritz' genannt. Seine Behinderung beeinflusste ständig seine Stellung zur Umgebung, immer musste er sie kaschieren, immer war er in Gefahr, verspottet zu werden. Daher kam seine übertriebene Geltungs- und Prunksucht.

Geboren 1927 in Greifswald. Volksschule, Lehrerausbildung (LBA). Studium zum Dipl.rer.pol. in Jena und Moskau. Verschiedene kulturpolitische Funktionen. Kulturminister 1961 - 1966. Verleger. Rundfunk- und Fernsehmitarbeiter (Leitender Redakteur für Geschichtspublikationen). Zuletzt Generalintendant des Deutschen Fernsehfunks. Autor von Fernsehfilmen, Theaterstücken, Biographien (Elisabeth von Thüringen, Martin Luther, Thomas Müntzer, Friedrich II. von Preußen, Carl August von Hardenberg, Claus Schenk Graf von Stauffenberg) und Sachbüchern zu Fragen der Zeitgeschichte und der Geschichte Brandenburgs. Autobiographie. Wohnhaft in Bad Saarow. Verheiratet, drei Kinder. Er verstarb am 18. Mai 2015.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 108
    Erscheinungsdatum: 15.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956554643
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 1217 kBytes
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Das ungleiche Königspaar

Die Kurfürstin und spätere Königin mag es schwer gehabt haben, sich in Berlin heimisch zu fühlen. Nachdem der wenig geliebte Schwiegervater gestorben und ihr Gatte Friedrich III. mit den Geschäften einer ungewohnten Regierung beschäftigt war, hatte sie Gelegenheit, in Caputh, viele Kilometer von Berlin entfernt, ein zweites Herrenhausen einzurichten. Doch sie war noch fremd, nicht allgemein anerkannt, der Ort lag einsam, Potsdam war noch nicht einmal Garnisonstadt, Gäste kamen kaum hierher, und so waren einige Jahre ihrer Mühen vergebens. Über diese Zeit ist wenig bekannt, weil es sicherlich auch wenig Mitteilenswertes zu vermelden gab. Schließlich gab sie ihren Sitz zurück und verlangte einen anderen, der näher an Berlin gelegen war. Ein Baugrund wurde gesucht und auch 1694 nordwestlich von Berlin beim Dorf Lietze gefunden. Die Lage war günstig, das Stadtschloss etwa eine Meile entfernt. Auch per Wasserweg war eine Anbindung vorhanden. Als Baumeister wurde der erfahrene Johann Arnold Nering bestimmt, ein Mann alter Schule, bewährt schon beim Großen Kurfürsten. Von ihm stammt der Grundriss der Lietzenburg, den Bau konnte er nicht mehr ausführen. Sein Nachfolger, Martin Grünberg, setzte die vorhandenen Pläne um, er war sicher kein Mann großer Inspirationen, beherrschte aber das Handwerk. Hinzugezogen wurde noch der schwedische Architekt Tessin, der gutachterliche Vorschläge unterbreitete, die jedoch letztlich nicht berücksichtigt wurden. Anfänglich war das Schloss nur für eine Sommerresidenz geplant, Sophie Charlotte wollte mit ihrem Hofstaat die warme Jahreszeit hier verbringen, im Winter zog man wieder ins Stadtschloss. Bald aber verlangte sie ein Schloss für alle Jahreszeiten. Ihr Wunsch bedeutete den Ausbau des ursprünglich 'sehr klein angefangenen' Lusthauses. Das 1699 eingeweihte Schloss blieb nun weiterhin Baustelle, der östliche Seitenflügel musste mit dem Kernbau organisch verbunden werden. Die Gelder standen anscheinend ohne Einschränkungen zur Verfügung. Eosander, der Grünberg nachfolgte, baute allerdings am Ostflügel nicht mehr mit, er ging ins Ausland auf eine Studienreise. Als er sich in Paris gründlich umgesehen hatte, wurde er zuerst nach Oranienburg geschickt. Die Wünsche der Königin zu einer großen Erweiterung der Neringschen Pläne waren noch nicht ausgereift, wahrscheinlich war sie unsicher und beriet sich mit Personen ihres Vertrauens aus der Hannoverschen Heimat. Ende 1701 war es dann soweit, wieder baute Eosander das Modell, und es zeigte sich, dass seine Auffassungen ebenso stark vom französischen Vorbild geprägt waren wie die ihren. Die Reise nach Versailles hatte sich ausgezahlt. Da sich aufwendige Bauten damals wie heute hinzogen und immer wieder in Details korrigiert oder ergänzt wurden, blieb keine andere Wahl, als ihren Musenhof trotz der Bauarbeiten zu halten. Die kurze Abfolge von vier Architekten bedeutete auch immer wieder Verzögerungen und Diskussionen um Auffassungen und Änderungswünsche. Als sie entschied, nicht im Obergeschoss, sondern zu ebener Erde zu wohnen, bedeutete das, eine geplante Freitreppe aufzugeben und damit die Ansicht der Schlossfront zu ändern, die Treppe musste ins Innere verlegt werden. Erst im Jahr 1713, zum Tod des Königs, war der Bau abgeschlossen. Der Turm war 1710 gebaut worden. Eosander hatte auch die Wünsche des Königs erfüllt, nachdem dieser das Schloss nach dem Tod seiner Gattin Sophie Charlotte zu seiner eigenen Sommerresidenz ausbauen ließ. Mit dem Bau hatte sich Sophie Charlotte endgültig als Autorität nicht nur im protokollarischen Sinn - das war sie ohnehin kraft ihrer königlichen Stellung -, sondern auch als gestaltende Persönlichkeit durchgesetzt. Ihr Schloss wurde nach ihren gut durchdachten und mit Beratern abgestimmten Zwecken aufwendig gebaut. Bevor an die Stelle des kleinen Caputh die imponierende Lietzenburg treten konnte, musste allerdings ein guter und treuer Diener auf ihr Betreiben hin seinen Pla

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