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Der Soldat, den niemand haben wollte von Johansen, Gunnar Walter Richter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.10.2013
  • Verlag: ACABUS Verlag
eBook (ePUB)
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Der Soldat, den niemand haben wollte

1942. Der 20jährige Walter Richter ist als deutscher Obergefreiter und in Norwegen stationiert. Dort erlebt er das Ende des Zweiten Weltkrieges. Ab diesem Zeitpunkt beginnt für ihn eine Odyssee zwischen Internierungslagern und Arbeitseinsätzen, bis er den Weg nach Hause antreten kann. Und inmitten des hoffnungslosen Kriegsalltags entsteht die schwierige Liebesgeschichte zu einem norwegischen Mädchen. Gunnar Walter Richter Johansen erzählt die Geschichte seines Vaters, den er selbst erst 1989 zum ersten Mal traf. Im Gegensatz zu manch anderen 'Wiedervereinigungen' zwischen norwegischen Kindern und deutschen Vätern, war diese eine glückliche. Mit Hilfe der Berichte seines Vaters und dessen Fotos erzählt er eine Geschichte von einem Soldaten, der nach einem verlorenen Krieg nicht mehr gebraucht und in einem fremden Land noch viel weniger geduldet wird. Er begibt sich auf die lange und mühsame Heimreise nach Senftenberg. Doch auch dort ist er ein Soldat, den niemand will, der die toten Söhne, Brüder oder Geliebten nicht ersetzen kann. Trotz des Schmerzes ist es ein wichtiges Buch über den Menschen hinter der Uniform.

Gunnar W. Richter Johansen lebt in Moss/Norwegen. Seinen deutschen Vater, Walter Richter, traf er zum ersten Mal 1989.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 172
    Erscheinungsdatum: 11.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862821853
    Verlag: ACABUS Verlag
    Größe: 504kBytes
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Der Soldat, den niemand haben wollte

Aus Kapitel 1:

Walter lag in seiner Koje und fixierte die Stahlfedern des oberen Bettes. Die Federn griffen mit blaugrauen Krallen ineinander, und so manche Nacht hatten sie Walter den Schlaf geraubt mit ihrem quietschenden Jammern, hervorgerufen durch die Bewegungen des oben schlafenden Soldaten. Besonders in der letzten Zeit. Wie stellte man eigentlich solche Stahlfedern her? Denn sie waren im Grunde wohlgestaltet, eine glich der anderen, und in ihrer Verknüpfung teilten sie die auf ihnen ruhende Last. Wäre er Pfarrer, hätte er dies gleich an den Anfang einer guten Predigt stellen können, aber er war nun verdammt noch mal kein Pfarrer. Nein - er war Soldat, Obergefreiter in Norwegen am 8. Mai 1945, und sollte eigentlich irgendetwas fühlen, jetzt, da alles vorbei war.
Zusammen mit den zwölf anderen hatte er die 'Scheinwerferstellung 6' in der Flakabteilung 702 gestellt. Nach seiner Ausbildung an der Rekrutenschule in Horten im Sommer 1942, war er fast die ganze Zeit über in Åsenfjorden gewesen, von wo aus die 'Tirpitz' dann und wann einen Abstecher machte. Hier war seine Abteilung zur landgestützten Verteidigung des Schlachtschiffes eingesetzt. Als die 'Tirpitz' einmal nach Nordnorwegen fuhr, war Walter einer von fünfzig Männern der Flakabteilung 702, die mit ihr in Richtung Norden abkommandiert wurden. So hatte er auch einen Winter in Nordnorwegen miterlebt, worüber er sehr froh war. Als das Schlachtschiff dann bei Håkøy mit dem Kiel nach oben schwamm, wurde die Abteilung nach Steinan verlegt, gelegen an einem Hang gegenüber Trondheim.
[...]
Er hatte Glück gehabt. Dem Einsatz in Norwegen konnte er wohl sein Leben verdanken. Gleichwohl war ihm nicht sonderlich froh zumute. Die Klassenbesten aus Senftenberg - vielleicht waren sie jetzt alle tot? Dann hätte es ihnen in diesem Leben auf Erden gar nichts geholfen, dass sie die Schnellsten im Rechnen waren, gerade Ränder in ihren Heften hatten und dafür von Barth gelobt wurden. Allein der Gedanke daran, dass er am Leben war, reichte nicht aus, ihn vergnügt zu stimmen. Sein Sohn war jetzt fast ein Jahr alt, und Gerd - die Mutter des Sohnes - hatte er zum letzten Mal vor einem dreiviertel Jahr gesehen. Die Gedanken daran schob er von sich. Sollte sie die Verantwortung haben! Er würde kein schlechtes Gewissen haben, nein. Schließlich hatte er ihr angeboten, sie zu heiraten. Trotzdem war es ein seltsames Gefühl zu wissen, dass irgendwo in diesem Land ein Junge heranwachsen würde, wahrscheinlich mit den gleichen O-Beinen wie sein Vater. Darf man so denken? Vier Söhne hatten seine Eltern Otto und Frida in den Krieg geschickt. Otto hatte nie viel geredet. Nachdem sein ältester Sohn Hans gefallen war, wurde er noch wortkarger. Zum Großvater hatte Walter eigentlich ein besseres Verhältnis gehabt. Zumindest redeten sie mehr miteinander, besonders über Kaninchen. Ob sie, die Kaninchen, den Krieg überlebt hatten? Ob er wohl 'Hercules' wiedersehen würde, der im Jahre 1932 in Cottbus die Rote Schleife gewonnen hatte?
Plötzlich ging die Tür. Hans Rotmeier, Korporal und Walters Vertrauter seit den Zeiten an der Rekrutenschule, rief mit etwas unsicherer Stimme, dass unten in der Stadt geschossen werde. Walter zog seine Stiefel an und trat vor die Barackentür. Von dort bot sich eine gute Aussicht auf die Stadt. Bei dem klaren Wetter sah die Stadt aus wie immer, trotzdem meinte Walter, irgendeine Veränderung zu spüren. Die Stadt gehörte ja nun nicht mehr ihnen. Jetzt waren sie es, die sich vorsichtig bewegen mussten. Was das mit sich bringen konnte, wusste er noch nicht. Das Ende eines Krieges war stets bedrohlich für die Verlierer. [...]

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