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Die Deutschen und die Polen Geschichte einer Nachbarschaft

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2016
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Die Deutschen und die Polen

Seit mehr als tausend Jahren sind Polen und Deutsche Nachbarn in Europa. Ihre gemeinsame Geschichte hat Höhen und Tiefen erlebt. Die schrecklichen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, als von deutscher Hand Millionen Polen ihr Leben verloren, haben lange Schatten geworfen. Es dauerte Jahrzehnte, um dieses Leid zu überwinden. Heute sind Polen und Deutschland gemeinsam Mitglieder der Europäischen Union und immer mehr Menschen aus Polen ziehen nach Deutschland. Die Vergangenheit jedoch gerät zunehmend in Vergessenheit. Dabei könnte man sich an so vieles erinnern: an deutsch-polnische Kontakte im Mittelalter, an die Rolle des deutschsprachigen Danzigs als Handelszentrum im Ostseeraum, an die aus den deutschen Ländern nach Polen gewanderten Juden oder die Massenwanderung von Polen in das Ruhrgebiet Ende des 19. Jahrhunderts. Knapp, prägnant und reich illustriert wirft das vorliegende Buch Schlaglichter in eine Beziehungsgeschichte, wie sie spannender und dramatischer kaum sein könnte.

Peter Oliver Loew, geb. 1967, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Polen-Institut und lehrt am Institut für Geschichte der Technischen Universität Darmstadt. Dieter Bingen, geb. 1952, ist seit 1999 Direktor des Deutschen Polen-Instituts. Er lehrt als Honorarprofessor am Institut für Politikwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt. Hans-Jürgen Bömelburg, geb. 1961, ist Professor für Osteuropäische Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Co-Vorsitzender der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 01.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806232967
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 7287 kBytes
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Die Deutschen und die Polen

Merkwürdige Nachbarn: Ein Vorwort

Deutsche und Polen sind merkwürdige Nachbarn: Ihre gemeinsame Geschichte haben Historiker schon sowohl als ein "tausendjähriges Ringen" wie auch als ein kreatives Neben- und Miteinander nacherzählt. Und beides war gut begründet.

Die deutsch-polnische Grenze - das Wort "Grenze" ist übrigens eine der wenigen Entlehnungen aus dem Polnischen im Deutschen - war im 20. Jahrhundert wohl die schwierigste in Europa. Sie entstand mit der Wiedergeburt des polnischen Staates infolge der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg und den anschließenden deutsch-polnischen Grenzkämpfen. Mit ihrer gewaltsamen Beseitigung am 1. September 1939 begann in Europa der Zweite Weltkrieg. Und nach der neuerlichen deutschen Niederlage wurde die neue Oder-Neiße-Grenze im Schatten des Eisernen Vorhanges zwischen Ost und West zur wunden Stelle Europas. Ihre Brisanz lässt sich daran erkennen, dass sie gleich dreimal anerkannt werden musste: 1950 unter Stalins Druck durch die DDR; dann 1970 von der Bonner Republik im Paket der "neuen Ostpolitik", die die Berliner Mauer durchlässiger machen sollte; und schließlich 1990 durch das infolge der ostmitteleuropäischen Revolution des Jahres 1989 vereinte und nun souveräne Deutschland.

Ein Vierteljahrhundert später ist diese einstige "Wunde Europas" für Reisende kaum mehr spürbar, was noch lange nicht heißt, dass die alt-neuen Nachbarn auf beiden Ufern der Grenzflüsse bereits ein gedeihliches Biotop miteinander geschaffen haben. Sie leben zum Glück zwar nicht mehr gegen-, aber immer noch eher neben- als miteinander.

Und dennoch gibt es in der tausendjährigen deutsch-polnischen Geschichte lange Linien einer tiefgreifenden deutsch-polnischen Osmose. Immerhin war die deutsch-polnische Grenze jahrhundertelang eine der ruhigsten Europas. Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert gab es nämlich zwischen dem Heiligen Römischen Reich und der polnischen Krone keine Grenzstreitigkeiten. Das Wahlvolk hütete sich, permanent einen Habsburger zum polnischen König zu wählen, obwohl diese sich immer wieder darum bewarben. Aber das Reich wurde nie als Gefahr für die Rzeczpospolita angesehen.

Es ist bezeichnend, dass die beiden jahrhundertealten föderativen Gebilde fast zeitgleich von der politischen Karte Europas ausgelöscht wurden: Polen-Litauen 1795 infolge von drei Teilungen durch Preußen, Russland und Österreich, während das Deutsche Reich fast nebenbei nach der Schlacht bei Jena von Napoleon aufgelöst wurde. So wurde im 19. Jahrhundert aus einem langen deutsch-polnischen Neben- und Miteinander die Konkurrenz zweier ungelöster europäischer "Fragen": die der deutschen Einheit angesichts der Auflösung des Reiches und des Aufstiegs Preußens, und die der Freiheit für das fremdbestimmte Polen.

Die deutsche und die polnische Frage waren eng miteinander verknüpft, da der Aufstieg Preußens mit dem Niedergang Polens zusammenhing und dies insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einen krassen Interessengegensatz mündete. Trotz deutscher Unterstützung für die Polen in den 1830er Jahren war der Nationalismus in Deutschland bald stärker als die Bereitschaft zum Ausgleich mit dem Nachbarn im Osten. Die Polen wurden gefeiert, solange sie sich gegen die russischen Besatzer auflehnten, doch als es galt zu überlegen, ob Preußisch-Polen wieder herausgerückt werden sollte, war den deutschen Liberalen das nationale Hemd plötzlich näher als der polnische, und überhaupt der europäische Rock. Die Vereinigung Deutschlands 1871 unter preußischen Fittichen erfolgte nicht nur im Zuge der "Vereinigungskriege", sondern wurde auch durch die Allianz Preußens mit Russland während des nächsten polnischen Aufstandes 1863 gestützt. Die "polnische Frage" schien in Europa in einem existentiellen Konflikt mit der "deutschen Frage" zu liegen. Der Aufstieg der einen Nation war mit der Unterdrückung der anderen verbunden - in beide Richtungen. D

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