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Die Frau mit dem roten Sackerl von Neumann, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.05.2016
  • Verlag: novum pro Verlag
eBook (ePUB)
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Die Frau mit dem roten Sackerl

Am Tag, an dem sich die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags zum sechzigsten Mal jährt, spazieren Josef und Petra durch den Belvederepark, erinnern sich - und sie fragen sich: Was wäre in Österreich und Europa passiert, wäre es nicht zur Unterzeichnung dieses Vertrags gekommen? Genau davon handelt dieser Roman. Josef erlebt seine Jugend im sowjetisch besetzen Sektor Wiens, und die ideologisch eingefärbte Propaganda wirkt sich auch auf das ganz alltägliche Leben aus. Josef verliebt sich in die Tochter eines Sowjetoffiziers, doch auf einmal ist die Familie wie vom Erdboden verschluckt. Auch seine nächste Liebe wird durch die äußeren Umstände erschwert - um endgültig zu ihr zu gelangen, muss er einen Fluchtversuch in den Westen unternehmen, doch dieser misslingt. Als dann 1989 die Grenzen geöffnet werden, erlebt er eine unerwartete Überraschung ... Peter Neumann wurde 1947 in Berlin geboren. Von 1954-1964 besuchte er die Mittelschule, es folgte eine Lehre als Außenhandelskaufmann von 1964-1967. Danach arbeite er als Buchhalter in einem Berliner Außenhandelsbetrieb, daneben absolvierte er bis 1971 ein Fernstudium an der Fachschule für Außenwirtschaft. Von 1971-1976 war er Amtsleiter eines kirchlichen Verwaltungsamtes der Evangelischen Kirche in Berlin. 1976 reiste er aus der DDR nach Wien aus, dort war er in diversen Steuerberatungskanzleien tätig. 2006 machte er sich als Buchhalter selbstständig und arbeitete in diesem Beruf bis zur Pensionierung. Er interessiert sich sehr für die Philatelie, schwimmt und wandert gerne, und natürlich gehören auch das Schreiben und die Literatur zu seinen Interessen. 2005 veröffentlichte er bereits den Roman 'Das verbrannte Puppenhaus'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 460
    Erscheinungsdatum: 23.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990484074
    Verlag: novum pro Verlag
    Größe: 561 kBytes
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Die Frau mit dem roten Sackerl

Kapitel 2 - Es lebe die Volksrepublik!

Einige Tage nach dem Schweigen der Waffen schenkten junge Rotarmisten auf dem Karmeliterplatz eine würzig duftende Erbsensuppe aus einer großen Gulaschkanone aus. Was sich in Windeseile im Grätzel herumgesprochen hatte, und dementsprechend lang war dann auch die Schlange. Aus allen Winkeln strömte Jung und Alt mit Kind und Kegel und allen möglichen Gefäßen bewaffnet herbei. Jeder drängte ungeduldig nach vorn, nicht, weil man es eilig hatte, sondern aus lauter Angst, nichts mehr zu ergattern. Auch Josef, Sissi, Poldi und Hilde hatten sich eingereiht.

Mitte April 1945 war ein so gutes Mittagessen eine wahre Sensation ...

Die großen, schwarzhaarigen, etwas dunkelhäutigen Soldaten in leicht zerschlissenen Uniformen gaben jedem einen kräftigen Schlag. Zu Kindern und Jugendlichen waren sie besonders nett und großzügig. Sie streichelten ihnen liebevoll übers Haar, während sie lächelnd einschenkten.

Josefs erste Begegnung mit den Besatzern, die nun ganz Wien unter Kontrolle hielten.

Da in diesen allerersten Tagen nach der großen Schlacht noch kein geregeltes Versorgungssystem für die Bevölkerung existierte, wurde diese Aktion dankbar angenommen.

Für die Jugend war das alles lustig. Die Burschen und Mädchen tänzelten und sprangen um die Soldaten herum, die ihnen nach Beendigung der Ausspeisung Lieder aus ihrer Heimat vorspielten und vorsangen.

Josef wollte wissen, woher die Männer kamen. Natürlich verstand er ihre Sprache nicht, da aber einer gebrochen deutsch sprach, erfuhr er: Zwei stammten aus Kiew, einer aus Dnipropetrowsk und der Letzte aus Lwiw, dem früheren Lemberg. Zu Hause schlug er sofort im Atlas nach und stellte entsetzt fest, das sei ja ganz schön weit weg.

Aber jetzt spielte er erst einmal mit den beiden Kiewer Karten. Die bunten Tierbilder mit den fremden Buchstaben faszinierten ihn mächtig. Da er von vier Spielen drei gewann und als Präsent jedes Mal ein bunt verpacktes Bonbon kriegte, stolzierte er frohgemut heimwärts.

Die Angst der Nachbarn vor den Sowjetsoldaten verstand Josef so lange nicht, bis er eines Abends kurz vor dem Schlafengehen grausame Schreie einer Frau aus dem Haus gegenüber hörte und vorher gesehen hatte, wie sich ein Soldat ins Haus geschlichen hatte. Tags darauf wurde überall ängstlich getuschelt und gemunkelt, dass sich Derartiges auch anderenorts zugetragen hätte.

Und gegen sieben kam Sissi zitternd, völlig verheult, an beiden Armen blutend, heim. Ihre weiße Bluse war zerrissen. Sie konnte und konnte sich nicht beruhigen. Mami nahm sie in die Arme, ging langsam mit ihr in die Küche und ließ sie sich ausweinen. Als sie etwas zu sich gekommen war, wusch Mami vorsichtig das Blut ab.

Josef und Poldi erstarrten vor Angst. Was war passiert?

"Ein Russe hat ...", stammelte Sissi und heulte noch entsetzlicher als vorher.

"Hat mich ins Haus gezerrt und ..." Sie brach erneut in Tränen aus und bebte am ganzen Körper.

Josef traute sich nichts zu fragen. Schweigend stand er daneben. Er konnte sich ja denken, was geschehen war und darum kam er sich schrecklich hilflos vor. Ihm tat seine Schwester sehr leid. Gern hätte er ihr geholfen, aber wie?

Aber sein Mitleid schlug sehr bald in Wut um ...

Wie konnte jemand Sissi so etwas antun? Wenn ich den erwische ...!

Aber was kann ich gegen einen Sowjetsoldaten ausrichten?

Ohnmacht machte sich in ihm breit ... Man war der Besatzungsmacht hilflos ausgeliefert ...

Josef resümierte daraus: Die Nazis hatten recht, dass sie vor den Russen gewarnt hatten und sie als unzivilisierte Untermenschen tituliert hatten.

Er musste eben besser auf s

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