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Die Gegenwart der Vergangenheit Der Historikerstreit und die deutsche Geschichtspolitik

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2008
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
eBook (PDF)
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Die Gegenwart der Vergangenheit

Dieser Band zum 'Historikerstreit' ist als ein Beitrag zur Erforschung der Geschichtspolitik in Deutschland anzusehen. Dabei ist die Geschichtspolitik (oder Erinnerungspolitik) als ein für die Herausbildung gemeinsamer Vorstellungen in einem politischen System, sprich der 'nationalen Identität', sehr bedeutsames Politikfeld anzusehen, auf dem Deutungen der Vergangenheit und Gegenwart um Anerkennung im Gemeinwesen ringen. Der 'Historikerstreit' lässt sich dabei mit Fug und Recht als das bedeutendste Kapitel im Buch der Geschichtspolitik der Bundesrepublik Deutschland bezeichnen. Dr. Steffen Kailitz lehrt Politikwissenschaft an der Universität Dresden.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 150
    Erscheinungsdatum: 08.09.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531910451
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
    Größe: 803 kBytes
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Die Gegenwart der Vergangenheit

Die wissenschaftliche Dimension des "Historikerstreits" auf dem Prüfstand. Eine Auseinandersetzung mit Ernst Nolte und Jürgen Habermas (S. 84-85)

Armin Pfahl-Traughber

1 Einleitung und Fragestellung

Der "Historikerstreit" gehörte nicht zu den Sternstunden intellektueller und wissenschaftlicher Debatten in der Bundesrepublik Deutschland (vgl. "Historikerstreit" 1987). Ihm waren differenzierte Analysen und nüchterner Tonfall, sachliche Darstellungen und abgewogene Erörterungen kaum eigen. Dafür prägten aggressive Wortwahl und notorische Diskussionsverweigerung, persönliche Verunglimpfungen und politische Unterstellungen die Kontroverse.

Häufig genug prallten Gesinnungen aufeinander, welche die Richtigkeit der eigenen Auffassung beschworen und die Verwerflichkeit der anderen Meinung postulierten. So kann es auch kaum verwundern, dass eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Positionen der jeweils anderen Seiten kaum stattfand. Selbst zur Manipulation und Verfälschung von Aussagen und Zitaten der Gegner griffen manche Protagonisten. Angesichts dieser Gegebenheiten soll hier aus der persönlichen wie zeitlichen Distanz der kritische Blick auf die mangelnde wissenschaftliche Dimension des "Historikerstreits" geworfen werden.

Die damit gewählte Perspektive will keineswegs die bedeutsame politische Dimension (vgl. Kailitz 2001) der Auseinandersetzung ignorieren, betonten doch Vertreter beider Seiten sowohl während als auch nach der Kontroverse den hohen Stellenwert dieses Gesichtspunktes: Die Frage nach der Deutung des Nationalsozialismus bildete für die meisten Diskutanten den thematischen Bezugsfaktor, um über das politische Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland zu streiten.

Während in diesem Kontext die eine Seite gegen eine behauptete Abso lutsetzung des "Dritten Reiches" als alleinige Verkörperung des Bösen plädierte (vgl. Nolte 2006), sah die andere Seite darin eine konservative Kampagne zur Relativierung des Nationalsozialismus (vgl. Wehler 2006). So erklärt sich auch, dass die Auseinandersetzung stärker von politisch-polemischen, denn sachlichwissenschaftlichen Argumenten geprägt war.

Obwohl somit Aufwand und Intensität des "Historikerstreits" für die Forschung als unergiebig gelten können, soll die wissenschaftliche Dimension der Kontroverse im Zentrum dieses Beitrags stehen. Dabei unterzieht diese Erörterung, mit Ernst Nolte und Jürgen Habermas die Hauptprotagonisten der Auseinandersetzung einer kritischen Prüfung. In ihren Artikeln und Büchern formulierten sie eine Reihe von Positionen, die es bezüglich ihrer historischen Belegbarkeit und inhaltlichen Schlüssigkeit zu analysieren gilt.

Hierbei besteht allerdings ein Ungleichgewicht angesichts des zu beachtenden Materials: Während Habermas lediglich einige wenige Aufsätze vorlegte (vgl. neben den Texten in "Historikerstreit" 1991 auch Habermas 1987a: S. 115-158), ging Nolte auf die Thematik weitaus intensiver ein. Er veröffentlichte neben zahlreichen Stellungnahmen zur Debatte (vgl. Nolte 1988) auch ein umfangreiches Werk zu deren Thematik (vgl. Nolte 1987a). Insbesondere letzteres ermöglichte es Nolte, seine Auffassungen genauer zu begründen und zu belegen als dies in einem Feuilleton-Artikel möglich war.

Trotz dieses unterschiedlichen Anteils von Texten sollen beide Protagonisten Beachtung finden, könnte doch die Kritik an dem Einen den falschen Eindruck einer Positionierung zugunsten des Anderen vermitteln. In diesem Sinne geht die Erörterung wie folgt vor: Zunächst widmet sie sich Noltes Auffassungen und Vorgehensweise, wobei dessen Darstellungsform von Ansichten und Erklärungen, Deutung des Nationalsozialismus als Reaktion auf den Bolschewismus, Erklärung von Auschwitz aus dem Bestehen des GULag und Kommentierung des rechtsextremistischen Revisionismus im Zentrum stehen.

Dem folgt die Auseinandersetzung mit Habermas, d

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