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Die Söhne des Mars Eine Geschichte des Krieges von der Steinzeit bis zum Ende der Antike von Eich, Armin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die Söhne des Mars

Der Mensch ist nicht von Natur aus kriegerisch. Die Massaker der Jungsteinzeit etwa verliefen zwar mit äußerster Brutalität, aber sie bildeten die Ausnahme von der Regel. Auch erscheinen sie nicht als Akte im Rahmen eines Kriegsgeschehens, sondern vielmehr als mit einfachen Werkzeugen verübte Morde an Wehrlosen. Der Krieg als geplanter, tödlicher Konflikt zwischen Menschengruppen entwickelte sich erst in den folgenden Jahrtausenden. Dann aber konnte er - wie beispielsweise in der klassischen Antike - nachgerade zu einer Lebensform werden, die alle Bereiche gesellschaftlicher Existenz dominierte: von der Erziehung über die Kunst, die Geschlechterverhältnisse bis zu Technik und Handel. So verfolgt Armin Eich in seinem spannenden Buch die Geschichte des Krieges von den frühesten Anfängen bis zur Spätantike. Er erhellt, wie die zunehmende ökonomische Integration Europas und Vorderasiens im 2. Jahrtausend v. Chr. einen ersten Höhepunkt erreicht und nicht zuletzt auf dem Gebiet der Waffentechnologie und der Entwicklung militärischer Fähigkeiten Ausdruck findet. Dieser bronzezeitliche Rüstungswettlauf endet um 1200 v. Chr. in einem sozialen und ökonomischen Zusammenbruch, ohne freilich ein Umdenken auszulösen: Mit der wirtschaftlichen und demographischen Erholung nimmt schon bald wieder die Gewaltintensität zu und geht mit der Entwicklung verbesserter Waffen und effizienterer Kampftaktiken einher. Im 4. Jahrhundert v. Chr. kann man mit dem Aufkommen einer ersten Ingenieursliteratur gar von einer Verwissenschaftlichung des Krieges sprechen. Der einzige Ausweg aus der fortschreitenden Eskalation scheint die Errichtung eines auf militärischer Macht basierenden Friedensreiches zu sein - das vorübergehend im Imperium Romanum Gestalt gewann.

Armin Eich lehrt als Professor für Alte Geschichte an der Bergischen Universität Wuppertal. In der Reihe C.H.Beck Geschichte der Antike hat er den Band "Die römische Kaiserzeit. Die Legionen und das Imperium" (2014) vorgelegt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 282
    Erscheinungsdatum: 21.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406682308
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 5627 kBytes
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Die Söhne des Mars

1

KRIEG, SEIT ES MENSCHEN GIBT?

Die Frage, ob Krieg geführt wird, seit es Menschen gibt, oder ob er sich als soziales Verhalten erst entwickelt hat, wurde schon in der antiken Literatur gestellt und unterschiedlich beantwortet. Für die einen, wie Platon und Thukydides, gehörte der Krieg untrennbar zur Natur des Menschen, für andere, wie den Philosophen Epikur und seinen Schüler Lukrez, ist der Krieg erst im Laufe der Geschichte unter bestimmten sozialökonomischen Bedingungen entstanden. Thukydides folgte später Thomas Hobbes, so wie Jean-Jacques Rousseau sich auf Lukrez für seine der Hobbes'schen widersprechende Geschichtsrekonstruktion berief. Die auf diese Autoren zurückgehenden Positionierungen spalten noch heute die Forscher in Hobbesianer, die den Krieg als eine unvermeidliche Begleiterscheinung der menschlichen Existenz betrachten, und Rousseauianer, die den Krieg für historisch geworden und damit prinzipiell für überwindbar halten. In jüngster Zeit ist die Auseinandersetzung wieder aufgelebt, allerdings auf einer gänzlich veränderten Grundlage. Während Hobbes, Rousseau und ihre Zeitgenossen des 17. und 18. Jahrhunderts noch darauf angewiesen waren, sich den Verlauf der Geschichte so auszumalen, wie sie ihn aufgrund ihres Menschenbildes für plausibel erachteten, steht heute eine Fülle empirischen Materials zur Verfügung, das bei der Entscheidung zwischen beiden Auffassungen hilfreich sein kann. Grundsätzlich hat dies an der Positionierung der beiden Lager nichts geändert. Es ist zu befürchten, dass individuelles Temperament und persönliche Erfahrungen immer noch eine größere Rolle bei der Beantwortung der Frage nach der Ewigkeit oder dem Gewordensein des Krieges spielen als die unvoreingenommene Beurteilung der Befunde. Doch ist gleichzeitig einzuräumen, dass die heute vorliegenden Quellen bei all ihrer Reichhaltigkeit tatsächlich erheblichen Spielraum für unterschiedliche Deutungen lassen.

Zu den wichtigsten Hobbesianern der Gegenwart gehören Lawrence Keeley, Steven LeBlanc, Ian Morris und Steven Pinker. Von großem Vorteil für ihren Standpunkt ist, dass sie aus einer nahezu unerschöpflichen Fülle von archäologischem und ethnographischem Anschauungsmaterial auswählen konnten, das sie in ihren reich illustrierten Werken vor ihren Lesern ausgebreitet haben: zerschlagene und abgetrennte Schädel, von Pfeilen durchbohrte Körper, erwürgte, erschlagene, zerteilte und erschossene Menschen aus allen Erdteilen und unterschiedlichen Epochen der Geschichte und Vorgeschichte auf insgesamt mehreren tausend Seiten. Schon das Durchblättern dieser Werke und die Betrachtung der Bilder reichen aus, um dem Leser die gesicherte Überzeugung zu vermitteln, dass Menschen anderen Menschen seit Jahrtausenden unsagbare Gewalt angetan haben. Daran haben auch die Rousseauianer prinzipiell nie gezweifelt. Offen bleiben allerdings die grundsätzlichen Fragen, ob diese Gewaltintensität eine durchgehende historische Konstante war und wie die spezielle Form der Gewaltausübung, die der Krieg darstellt, in dieser Hinsicht zu beurteilen ist. Wenn man die Werke der genannten Autoren unter diesen Fragestellungen genauer betrachtet, fällt auf, dass das eindrücklich präsentierte Material unter historischen Gesichtspunkten nicht immer hinreichend differenziert interpretiert und eingeordnet worden ist. An dieser Stelle setzt die Kritik der Rousseauianer an, die nun aber nicht in allen Details, sondern nur hinsichtlich einiger besonders aussagekräftiger Aspekte referiert werden kann.

Als Ausgangspunkt für die Darstellung dieser kritischen Positionen kann das Buch Steven Pinkers The Better Angels of our Nature , das unter dem Titel Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit ins Deutsche übersetzt worden ist, genommen werden. In diesem Werk sind zahlreiche Materialien aus Publikationen verschiedener Disziplinen auf über 1200 Seiten zusammengeführt und in einem dezidiert hobbesianischen

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