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Die Unterwerfung der Welt Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415-2015 von Reinhard, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.08.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die Unterwerfung der Welt

Sie kamen, sahen und eroberten - 600 Jahre lang haben Europäer die Welt erkundet, unterworfen und ausgebeutet. Doch zugleich haben sie zahllose Impulse für die Entstehung unserer heutigen Welt gegeben und empfangen. Denn die europäische Expansion war keine Einbahnstraße, sondern ein jahrhundertelanger Prozess der Interaktionen. In Wolfgang Reinhards monumentalem Werk hat die Vorgeschichte der Globalisierung zu einer einzigartigen Gesamtdarstellung gefunden. Der renommierte Historiker beschreibt von den frühen Anfängen der europäischen Expansion in Antike und Mittelalter bis zu den langwierigen Dekolonisationen des 20. Jahrhunderts einen weltgeschichtlichen Vorgang von gewaltigen zeitlichen und räumlichen Dimensionen. Ob er über die Handelssysteme in Asien berichtet oder über die künstliche Welt der Plantagen mit ihren Sklaven, über ökologische Folgen oder konfliktträchtige politische Hinterlassenschaften der europäischen Expansion, stets ist seine beeindruckend kenntnisreiche Geschichte spannend zu lesen und geprägt von dem Interesse nicht nur an den Europäern, sondern auch an - den Anderen. Wolfgang Reinhard ist Professor em. für Neuere Geschichte an der Universität Freiburg. 2001 erhielt er den Historikerpreis (Preis des Historischen Kollegs). Bei C.H.Beck sind von ihm u.a. erschienen Geschichte der Staatsgewalt (2003) und Lebensformen Europas (2006). Reinhard ist auch Herausgeber des Bandes Weltreiche und Weltmeere 1350 - 1750 in der Geschichte der Welt von C.H.Beck und Harvard University Press.

Produktinformationen

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Die Unterwerfung der Welt

I
Grundlagen der neuzeitlichen europäischen Expansion

1
Die Expansivität Europas und der Gang der Weltgeschichte

Europa ist immer noch expansiv, obwohl seine weltgeschichtliche Führungsrolle längst der Vergangenheit angehört. 2013 umfasste die Europäische Union 28 Mitglieder. Ein Ende ihrer Expansion ist nicht abzusehen, wobei die Herausforderung Russlands 2014 ohne Bedenken in Kauf genommen wurde. Aber Europa wächst kaum mehr mit Einsatz militärischer Gewalt wie einst, sondern kraft seiner wirtschaftlichen Attraktivität, also nicht durch seine eher marginale hard power, sondern durch seine soft power. Denn nicht mehr die Verbreitung des wahren Glaubens oder die nationale Größe im agonalen Plural ist wie einst das Leitmotiv der Europäer, sondern grenzenloses Wirtschaftswachstum. Europäisches ökonomisches Denken hat dieser Idee erst im 20. Jahrhundert zum Durchbruch verholfen, gerade rechtzeitig, um die älteren Legitimationsideologien seiner permanenten Expansion, die sich erledigt hatten, durch diese wirkungsvolle neue abzulösen. Ich expandiere, also bin ich ist eine angemessene Aktualisierung der klassischen philosophischen Formel für Europa.

Europa war immer expansiv, keineswegs nur zwischen dem 15. und dem 20. Jahrhundert, als es weltweit über seine Grenzen hinausgriff. Es blieb ihm gar nichts anderes übrig. Denn Europa ist nicht aus einem vorgegebenen, klar umgrenzten geographischen, ethnischen oder politischen Substrat herausgewachsen, sondern durch kontingente Expansionsprozesse entstanden, genauer durch die Zufälle von drei sich überschneidenden Expansionen. Die Geschichte Europas kann sich daher nicht auf einen unmissverständlich definierten Raum beziehen, sondern bleibt immer diejenige, die sich Europa jeweils selbst erzählt. Dabei braucht der von Anfang an vorhandene vage geographische Begriff Europa nicht einmal vorzukommen. Fehlende Abgrenzung und ständige Expansivität führten notwendig und schon immer zur Verschränkung von europäischer und außereuropäischer Geschichte. Europa lässt sich weniger denn je territorial definieren, sondern nur prozessual als mentales, dabei aber durchaus reales Konstrukt mit unterschiedlichen Zugehörigkeiten. Von Anfang an war Europa mit dem Prozess der eigenen Expansion identisch.

Das Römische Reich, das die antike Kultur in sich gesammelt hatte, expandierte (1) über deren herkömmlichen, zum geringeren Teil europäischen Lebensraum, das Mittelmeergebiet, hinaus nach Norden, nach Gallien, Germanien, Britannien. Barbarenvölker , die man üblicherweise nicht ganz zu Recht als Germanen bezeichnet, expandierten (2) ihrerseits aus Nordosten in dieses Reich hinein. Viele dieser Invasoren gingen unter. Dann zerbrach das Reich. Wo sich nördlich der Alpen beide Expansionen überschnitten, überlebten unter Führung fränkischer Könige neue kulturell gemischte Gemeinwesen. Und die Erbin des Imperiums, die Römische Kirche, expandierte (3) mit ihrer Mission in diesen nordalpinen Raum und machte seine Bewohner zu lateinischen Christen. Die Christenheit oder Europa war entstanden!

Für kurze Zeit gehörte der größte Teil dieses Raumes zum Reich Karls des Großen - das einzige umfassende Großreich, das es in Europa jemals gegeben hat. Kaiser Karl V., Napoleon Bonaparte und Adolf Hitler sind mit ihren Anläufen zu europaweiter Großreichsbildung alle nach kurzer Zeit an der notorischen politischen Pluralität Europas gescheitert. Dabei ging diese doch durchaus mit kultureller, ursprünglich vor allem religiöser Einheitlichkeit einher. Europas Pluralität dürfte auf die Konvergenz von mehreren Voraussetzungen zurückzuführen sein. (1) Die relative geographische Kleingliedrigkeit des Subkontinents im Vergleich mit anderen Erdteilen traf (2) mit

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