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Eheschließungen in Halle im ausgehenden 19. Jahrhundert Soziale Praxis und empirischer Befund von Nowak, Benjamin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.06.2015
  • Verlag: GRIN Verlag
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Eheschließungen in Halle im ausgehenden 19. Jahrhundert

Magisterarbeit aus dem Jahr 2013 im Fachbereich Geschichte - Sonstiges, Note: 1,3, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Institut für Geschichte), Sprache: Deutsch, Abstract: Die Arbeit thematisiert das Eheschließungsverhalten der Einwohner der Stadt Halle (Saale), einer schnell industrialisierenden preußischen Großstadt, im ausgehenden 19. Jahrhundert. Wer heiratet wen, warum und was ergibt sich daraus für die gesellschaftliche Verfassung der Zeit und der folgenden Generation? Zur Beantwortung wurden die Standesamtsregister der Stadt Halle des Jahres 1895 (853 Eheschließende. Angaben zu deren Beruf, Alter, Wohnort, Konfession und Eltern) erfasst, nach wissenschaftlich vergleichbaren Kriterien zahlencodiert und sozialstatistisch ausgewertet (Assoziationsindices, Quotenverhältnisse, abs./rel. Häufigkeiten etc.). Ein umfassende Diskussion und Interpretation der relevanten historischen, soziologischen und demografischen Literatur (über 200 Titel) bereichert die statistische Auswertung. Es entsteht eine sozialgeschichtliche Abhandlung zu den historischen Mechanismen der Paarbindung und deren gesellschaftlichen Folgen. Außerdem bereichert die Arbeit den eher dörflich-kleinstädtischen, hessisch-westfälischen Forschungsfokus um ein mitteldeutsches, urbanes Beispiel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 218
    Erscheinungsdatum: 05.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783656973058
    Verlag: GRIN Verlag
    Größe: 4612kBytes
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Eheschließungen in Halle im ausgehenden 19. Jahrhundert

A. Theoretischer Teil.

2. Ehe als soziale Praxis.

In diesem Teil der Arbeit geht es darum, einige Einblicke in die facettenreiche Forschungs-literatur zu geben. Es geht dabei neben der Vielfältigkeit der Ansätze - die Ehe berührt schließlich sehr viele Lebensbereiche und Interessensphären - um grundlegende Zugänge. Was misst man, wenn man Ehen untersucht bzw. was untersucht man damit eigentlich, ist eine Frage. Wie man verstehen kann, was man misst, wie Ehe funktioniert, wie sie zustande kommt und wie sie wirkt, ist die zweite, nur auf den ersten Blick banale Frage.

2. 1. Zugänge zur Thematik.

2. 1. 1. Forschungs- und Literaturüberblick.

"Wer sich die Ehe vornimmt, handelt sich eine Welt ein. Die der Politik und der Ökonomie und die der Phantasie, die der Köpfe und die der Herzen", bilanziert Caroline Arni ihre äußerst anregenden Untersuchungen über die 'Krise der Ehe um 1900'. [75] Entsprechend viel-gestaltig erstreckt sich vor dem suchenden Bearbeiter eine Forschungslandschaft, die seit über 200 Jahren von Gesetzgebern, Philosophen, Wirtschaftswissenschaftlern, Statistikern, Medizinern, Biologen, Soziologen und Historikern verschiedener Subdisziplinen entsprech-end ihren sich wandelnden Paradigmen und Fragestellungen in Abgrenzung gegeneinander und im Dialog miteinander gestaltet wurde und wird. [76]

Wenn man die Eheschließung bspw. als Ergebnis strukturalistischer Prozesse versteht, wird man empirische Heiratsmuster kritisch gemäß oder entgegen den Konzepten der (Proto-) Industrialisierung und Urbanisierung je nach Untersuchungsraum, -zeitspanne, und -kontext mit Familienökonomien, Erbregelungen und Konjunkturzyklen sowie Änderungen der Berufs- und Wirtschaftsstruktur zu erklären versuchen. In dieser Tradition stehen in der deutschen Forschung die meisten seit den 1970er Jahren aus sozialgeschichtlichen Wurzeln erwachsenen historisch-demographischen und der Historischen Familienforschung zuzuord-nenden Arbeiten, aber auch Übersichtswerke zur Geschichte der Familie. [77]

Die Analyse von Eheschließungsmustern und -strategien in der gegenwärtigen Forschung bleibt im deutschsprachigen Raum traditionell im Bereich der Geschichtswissenschaften, insbesondere der Historischen Demographie und der Sozialgeschichte, auf das 18. und frühe 19. Jahrhundert, ferner auf ländliche und kleinstädtische Räume beschränkt. [78] Unter-suchungen zum späten 19., zum 20. Jahrhundert und zu urbanen Räumen hingegen sind oft Gegenstand phänomenologischer Arbeiten, bspw. zur Urbanisierung oder zur Migration, oder Teil von Epochendarstellungen, in denen der Ehe keine zentrale Aufmerksamkeit ge-widmet wird. [79]

In solchen kleinen, frühmodernen Orten - aufgrund der Quellenüberlieferung meistens in Hessen oder Baden-Württemberg gelegen - ist soziales Handeln überschaubar. Das von David W. Sabean untersuchte Neckarhausen bspw. bewohnten zu keinem Zeitpunkt mehr als 500 Einwohner. Dadurch werden methodische Zugänge möglich, die sich für die Ge-samtheit einer Stadtbevölkerung über einen längeren Zeitraum nicht umsetzen lassen. [80]

Eine alltagsgeschichtliche Darstellung des Heiratsverhaltens, z. B. der ländlichen Bevölke-rung in vor- und frühmodernen Zeiten mit einem eher kulturgeschichtlichen Zugang, wird gleichfalls auf die Rahmenbedingungen der Familien-, bessergesagt der Hausökonomie ver-weisen, wird den Fokus der Interpretation aber auch auf kulturelle Besonderheiten im Sinne religiöser, regionaler und lokaler Praktiken richten und so ein nicht allein auf die Sphäre des Funktionalen und des Strukturalistischen begrenztes Bild zeichnen. [81] In diese Kategorie fallen auch

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