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Erzählen, Erklären Ein Gespräch mit Stéphane Bou von Friedländer, Saul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2019
  • Verlag: Kampa Verlag
eBook (ePUB)
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Erzählen, Erklären

Geboren 1932 als Sohn jüdischer Eltern in Prag mit dem Namen Pavel, muss Saul Friedländer mit seinen Eltern vor den Nazis fliehen. In Frankreich können sie den Sohn in einem katholischen Internat verstecken - sie selbst werden an der Schweizer Grenze, festgenommen und deportiert. Pavel überlebt, seine Eltern werden vermutlich in Auschwitz ermordet. Mit dem Journalisten Stéphane Bou spricht der Pulitzer-Preisträger darüber, wie aus dem Waisen Pavel, der Priester werden wollte, Saul wurde und wie schmerzhaft es war, sich den eigenen traumatischen Kindheitserlebnissen zu stellen, dass er sich erst nach Jahrzehnten auf die Erforschung des Holocaust einlassen konnte. Und Friedländer erklärt, wie er deshalb zu einem Historiker wurde, der gar nicht anders konnte, als das 'Primärgefühl der Fassungslosigkeit zu bewahren' und wissenschaftliche Geschichtsschreibung mit der persönlichen Erinnerung sowie der von Empathie getragenen Perspektive der Opfer zu verflechten. Sie reden auch über deutsche und jüdische Erinnerungskultur, über Hannah Arendt und den Eichmann-Prozess, den Historikerstreit von 1986 und über filmische und literarische Fiktionalisierungen des Historischen, die das Unerzählbare erzählen. SAUL FRIEDLÄNDER geboren 1932 als Sohn jüdischer Eltern in Prag mit dem Namen Pavel, ist Historiker und emeritierter Professor an den Universitäten von Los Angeles und Tel Aviv. Für seine Werke über die Geschichte der Shoah und die Verfolgung und Vernichtung der Juden in der Zeit nationalsozialistischer Herrschaft in Europa erhielt Friedländer zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Pulitzer-Preis, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und den Geschwister-Scholl-Preis. STÉPHANE BOU ist Journalist und Filmexperte. 2011 erschien sein Gesprächsband mit der Philosophin Élisabeth de Fontenay im Verlag Éditions du Seuil.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 04.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783311701057
    Verlag: Kampa Verlag
    Originaltitel: Réflexions sur le nazisme
    Größe: 635 kBytes
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Erzählen, Erklären

Im Umkreis von Kitsch und Tod. Der Widerschein des Nazismus

"Fiktionen haben nichts zu tun mit der als Suche nach Fakten und Interpretation dieser Fakten aufgefassten Geschichte. Ich bin als Historiker auf Fakten aus, nur auf Fakten."

Wie schätzt ein Historiker die Fiktionen ein, die die Vergangenheit und die Ereignisse, über die er arbeitet, aufgreifen? Dies ist eine der Fragen, die im Buch Kitsch und Tod. Der Widerschein des Nazismus gestellt werden, das Sie Ende der Siebzigerjahre, unmittelbar nach Ihrem Erinnerungsbuch, verfasst haben.

Die Antwort auf diese Frage ist, was mich betrifft, eindeutig. Fiktionen haben nichts zu tun mit der als Suche nach Fakten und Interpretation dieser Fakten aufgefassten Geschichte. Ich bin als Historiker auf Fakten aus, nur auf Fakten, gemäß der üblichen historischen Methode. Die fiktionalen Werke interessieren mich dennoch, nicht nur wegen ihres möglichen künstlerischen Wertes, sondern auch, weil sie es erlauben, eine Kulturgeschichte der Darstellung der Shoah in einem gegebenen Kontext zu schreiben. Das habe ich in Kitsch und Tod versucht. Wenn ein Historiker wie ich im Deutschland der Siebzigerjahre auf Filme wie Hitler, ein Film aus Deutschland von Syberberg ( 1977 ), Lili Marleen von Fassbinder ( 1981 ) oder Die Verdammten von Visconti ( 1969 ) stößt, wenn er Der Erlkönig von Michel Tournier ( 1970 ) liest, sieht er sehr wohl, dass sich da etwas abspielt, das das Bild des Nazismus und der Shoah betrifft. Meine Arbeit besteht dann in einem Beitrag zu einer Geschichte der Darstellung des Nazismus, einem Bereich der Geschichte, der sich unterscheidet von der Geschichte der Ereignisse und deren Interpretation. Paul Ricoeur führt in Zeit und Erzählung eine äußerst einleuchtende Definition ein, an die ich mich halte und die sich wie folgt zusammenfassen ließe: Das vergangene Ereignis dominiert die Aufmerksamkeit des Historikers ganz und gar. Im Rahmen eines fiktionalen Werkes ist das nicht der Fall, sei es literarisch oder filmisch.

Im Rahmen einer Arbeit zur Fiktion, einer historischen Arbeit zur Fiktion, die die Kulturgeschichte der Darstellung des Nazismus und der Shoah betrifft, muss man interpretieren, gründlich lesen, ganz so, wie man es im Fall eines historischen Dokuments täte, ohne jedoch zu vergessen, dass es sich dabei um eine andere Art Dokument handelt. Diese Werke können nicht den Anspruch erheben, uns etwas über die Geschichte der Shoah zu lehren, selbst wenn sie - was man nicht außer Acht lassen sollte - dem Historiker manchmal gewisse Eingebungen ermöglichen. Wie ich in Kitsch und Tod aufgezeigt habe, können bestimmte Werke der 1970 er-Jahre uns, indem sie die seinerzeit vom Nazismus erzeugte Faszination zurückholen und wiederverwerten, diese Faszination selbst zu verstehen helfen. So sagt uns zum Beispiel Syberbergs ästhetische Formgebung in seinem Film über Hitler etwas über die "Ästhetik" der großen nazistischen Inszenierungen.

Könnten Sie auf die Abfassung von Kitsch und Tod. Der Widerschein des Nazismus zurückkommen? Was veranlasst Sie an der Wende von den 1970 er- zu den 1980 er-Jahren dazu, diese Arbeit in Angriff zu nehmen?

In jener Zeit, im Jahr 1977 , hatte ich gerade Wenn die Erinnerung kommt zu Ende geschrieben. Anschließend wollte ich mich mit etwas völlig anderem beschäftigen und mich von diesem Bereich entfernen. Was natürlich illusorisch war. Ich habe es dennoch versucht und mich auf eine Frage konzentriert, die mich seit Langem fesselte: die Bilder, die Ideen und die Vorstellungen vom Ende, von der Apokalypse, im modernen westlichen Denken. Da ich ein v

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