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Freya von Moltke Ein Jahrhundertleben 1911-2010 von Geyken, Frauke (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2011
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Freya von Moltke

'Was wichtig ist, kommt bei mir ja doch aus dem Herzen', bekannte Freya von Moltke. Und ihr Herz war für sie ein sicherer Wegweiser durch die Katastrophen und Umbrüche des 20. Jahrhunderts. Freya von Moltke erlebte die Zeit des Ersten Weltkriegs und die liberale Aufbruchstimmung der Weimarer Jahre; sie kämpfte an der Seite ihres 1945 hingerichteten Mannes Helmuth James von Moltke gegen den Nationalsozialismus; sie litt unter dem südafrikanischen Apartheidsregime und der Geschichtsvergessenheit der frühen Bundesrepublik. Seit 1960 lebte sie in den USA mit dem Kulturphilosophen Eugen Rosenstock-Huessy zusammen und setzte sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs für die europäische Versöhnung ein. Frauke Geyken schildert auf der Grundlage bisher unbekannter Quellen und zahlreicher Gespräche ein unbeugsames Leben für Freiheit und Demokratie.

Frauke Geyken, Dr. phil., Historikerin und Publizistin, stand seit 2008 mit Freya von Moltke in Kontakt und hatte einen exklusiven Zugang zu ihrem persönlichen Nachlass sowie zu zahlreichen anderen bisher unpublizierten Quellen. Frauke Geyken lebt in Göttingen und arbeitet für verschiedene Bibliotheken und Museen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 287
    Erscheinungsdatum: 23.02.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406613845
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 5957kBytes
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Freya von Moltke

1
Eleganz und verfeinerte Lebensgewohnheiten

1911-1929

Kindheit am Rhein

Im Mai 1932 wurde der Besitz des Kölner Bankiers Carl Theodor Deichmann im Kunsthaus Lempertz versteigert. Der Auktionskatalog hatte den Umfang eines kleinen Buches und umfasste die Kategorien Meißner Porzellan der Frühzeit, europäisches Porzellan verschiedener Manufakturen, Gold, Silber, Bronze, Zinn, Email, Kristall, Orientteppiche, Möbel, Bücher, Graphik und Gemälde.[ 1 ]

Carl Theodor Deichmann (1866-1931) war der Vater von Freya Deichmann, die am 29. März 1911 in Köln geboren wurde. Ihr Geburtshaus, in dem auch ihre beiden älteren Brüder Carl (geboren 1906) und Hans (geboren 1907) auf die Welt gekommen waren, lag in der Trankgasse 7a direkt gegenüber dem Dom: ein großes, von den Kindern als düster erinnertes Palais, das 1868 im Stil des Historismus erbaut worden war. Hier lebten zwei Deichmann-Vettern, die in dritter Generation gemeinsam ein Bankhaus leiteten. Auf der dem Dom zugewandten Seite wohnte Carl Theodor Deichmann mit seiner Frau Ada und den drei Kindern. 1913 entschloss man sich, das Wohnhaus mit der Neorenaissance-Fassade abzureißen, um ein zweckmäßiges Geschäftsgebäude zu errichten. Heute beherbergt der Bau zwar keine Bank mehr, ist aber immer noch unter dem Namen Deichmann-Haus in Köln bekannt. Die Familie Carl Theodors zog um an den Georgsplatz 16, in das Haus einer Urgroßmutter, das elegant renoviert und mit den später versteigerten Luxusgegenständen reichhaltig ausgestattet wurde. Es sollte bis zum Untergang des Bankhauses Ende 1931 das Familiendomizil bleiben, in dem Freya, trotz Krieg und Inflation, eine behütete und - glaubt man den Memoiren ihres Bruders Hans - fröhliche Kindheit verlebte.

Die Sommer verbrachte man in dem 1908 erbauten Landsitz "Haus Hombusch" bei Mechernich in der Eifel, fünfzig Kilometer südlich von Köln. Während des Ersten Weltkriegs, bei dessen Ausbruch Freya drei Jahre alt war, konnte die Familie hier besser versorgt werden als in der Stadt.

Freya mit ihren beiden Brüdern Hans und Carl während des Ersten Weltkriegs

"Ich habe wunderschöne Kindheits-Sommerwochen auf dem Hombusch erlebt. Diese, mit ihren wunderbaren Gerüchen von Kiefern im Sonnenlicht und Phlox in Blumenbeeten, von Äpfeln und Brombeeren und von mir selbst auf einer der Steinkugeln am Einfahrtstor sitzend und singend, werden mir unvergesslich sein", schrieb Freya viele Jahrzehnte später an den heutigen Besitzer von Haus Hombusch.[ 2 ] Das Landhaus musste bereits 1928 im Zuge des Niedergangs der Bank verkauft werden.

Auch die Großeltern Schnitzler hatten ein großes Gut in der Eifel. Freya war oft zu Gast auf dem Giersberg, denn die Beziehungen zu ihren Verwandten mütterlicherseits waren gut und eng.

Haus Hombusch, der Sommersitz der Deichmanns in der Eifel
Das Bankhaus Deichmann

Die Deichmanns waren eine der reichsten Familien Kölns. Sie gehörten zur kleinen protestantischen Minderheit der Stadt, die lange unbedeutend gewesen war. Von den rund 40.000 Menschen, die 1794 hier lebten, waren lediglich 400 Protestanten.[ 3 ] Erst 1797 erhielten sie das volle Bürgerrecht in Köln, und damit begann der Aufstieg einiger evangelischer Familien, die sich im Verlauf des neunzehnten Jahrhunderts Ansehen, Macht und großen Reichtum erwarben. Viele von ihnen begannen als Handelshäuser und entwickelten sich zu Privatbanken. Die Firma Stein etwa war an einer Gerberei beteiligt, handelte später mit Getreide und war zeitweise im Weinhandel tätig. Mitglieder der Familien Joest, Herstatt und vom Rath importierten Zucker und betrieben bald eigene Zuckerraffinerien. Das erwirtschaftete Geld wurde zunehmend im Kreditwesen eingesetzt, und die genannten Familien etablierten sich in Köln als Bankiers neben dem bereits bestehenden Bankhaus Schaaffhausen. Freyas Urgroßvater, Wilhelm Ludwi

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