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Friedelind Wagner Die rebellische Enkelin Richard Wagners von Rieger, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.07.2012
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Friedelind Wagner

Sie galt als "das schwarze Schaf der Familie", doch unbeirrt ging Friedelind Wagner ihren eigenen Weg: Eva Rieger schreibt die erste Biografie der Enkelin Richard Wagners, die als Einzige des Bayreuther Clans den Nazis Widerstand leistete.
Reichskanzler Adolf Hitler ist in Bayreuth alljährlich ein umjubelter Gast: Mit Winifred, der Herrin des Hügels, verbindet ihn eine enge Freundschaft. Für ihre Kinder spielt er den Ersatzvater. Nur eine schert aus dem braunen Pakt aus: Friedelind. Die aufmüpfige Tochter entschließt sich zum offenen Widerstand gegen ihre Familie und gegen das Nazi-Regime. Sie emigriert nach England und opfert so ihren Lebenstraum, an der begehrten Festspielleitung mitzuwirken. Doch nach dem Krieg scheint Friedelinds große Stunde zu schlagen: Wer, wenn nicht sie, könnte jetzt die Leitung der Bayreuther Festspiele übernehmen? Schließlich ist sie die Einzige der vier Geschwister, die von der Vergangenheit unbelastet ist. Aber die Familie steht der Emigrantin feindlich gegenüber und tut alles, um die "Verräterin" auszubooten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 504
    Erscheinungsdatum: 16.07.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492958684
    Verlag: Piper
    Größe: 3955kBytes
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Friedelind Wagner

Einleitung

Strahlend blaue Augen, grellrot geschminkte Lippen, blondiertes Haar und auffällige Stoffe – nicht alle mochten sie auf Anhieb, als die amerikanische Staatsbürgerin Friedelind Wagner nach Jahren der Emigration 1953 wieder deutschen Boden betrat und in Bayreuth die Festspiele besuchte, die ihr berühmter Großvater 1876 gegründet hatte. Die Urenkelin Franz Liszts, Enkelin von Cosima und Richard Wagner sowie Tochter von Winifred und Siegfried Wagner war eine starke Persönlichkeit, die viel redete – manchen zu viel. Ihre Argumente waren laut und feurig, oft undiplomatisch bis hin zur Taktlosigkeit. Dennoch ging etwas von ihr aus, das Menschen faszinierte. Es war nicht nur die auffällige physiognomische Ählichkeit mit ihrem Großvater, dessen Werk zu den bedeutendsten Leistungen der Musikgeschichte zählt: Ihr scharfer Witz, ihre Gewandtheit und ihr Charme taten ihre Wirkung. Und doch hat kaum ein Mitglied der großen Wagner-Familie so viele Schmähungen und Unwahrheiten ertragen müssen wie Friedelind. Diese reichen von sprachlich abwertenden Umschreibungen ("Walküre des Jet-Zeitalters") bis hin zu groben Drohbriefen. Sicherlich haben diese Angriffe mit ihrer häufig rebellischen Art und ihren zuweilen provokanten Aussagen zu tun, aber ebenso oft hängen sie mit ihrer Opposition gegen manches zusammen, was in Bayreuth hochgehalten und vertreten wurde. Sie stellte sich gegen ihre Mutter, gegen die Rehabilitierung ehemaliger Nazis im Nachkriegsdeutschland und gegen die Versuche ihres Bruders Wolfgang, der nachfolgenden Generation den Zugang zu Inszenierungen in Bayreuth zu versperren. Kein Wunder, dass sich das Bayreuther Establishment angegriffen und irritiert fühlte.

Mit dem Bau des Festspielhauses hoch über der Stadt, das ausschließlich seine Werke aufführen sollte, hatte sich Richard Wagner 1876 einen lange gehegten Traum erfüllt: ein eigenes Musiktheater zu besitzen, das genau nach seinen Plänen und Ideen gebaut wurde. Für dieses Theater hatte er den Ring des Nibelungen und Parsifal geschrieben. Er hatte ein Leben lang seine Mühe mit der Öffentlichkeit gehabt, sie aber andererseits ausgiebig genutzt, indem er für zahlreiche Zeitschriften schrieb und mit Leserbriefen, Gedichten oder anonymen Aufsätzen eingriff, wenn ihm etwas nicht passte. In der Folge hatte er auch hinnehmen müssen, dass mit seinem steigenden Bekanntheitsgrad allerlei Spekulationen (über seine Abstammung, seine Frauenbeziehungen, sein Verhältnis zu Ludwig II. und vieles mehr) ins Kraut schossen. Bis heute färbt dieses Verhältnis zur Öffentlichkeit auf seine Nachkommenschaft ab. Die Wagners sind zu "Ersatz-Royals der Deutschen" geworden, "denen man bei jeder Gelegenheit unter die Bettdecke schauen darf" 1 , zumal die Nachkommenschaft ihre Fehden stets in der Öffentlichkeit austrug. Bei Friedelind war es weniger ihr Privatleben, das die Medien interessierte, sondern eher ihr Abschied von Bayreuth und ihre kritische Sichtweise auf die Nachkriegsfestspiele.

Die Grundlage für die Kritik, die ihr entgegenbrandete, bildete ihre Autobiografie Nacht über Bayreuth. Es ist kaum verwunderlich, dass das Buch erst 1994 in Deutschland erschien, obwohl es schon ein halbes Jahrhundert früher in den USA herauskam und danach in mehrere Sprachen übersetzt wurde. 2 Ihr Bruder Wolfgang Wagner, damals Leiter der Festspiele, wollte mit diesem Oppositionsgeist möglichst wenig zu tun haben. Nach dem Erscheinen gab es am Bücherstand vor dem Bayreuther Festspielhaus ein Versteckspiel: ""Doch, wir haben das Buch", sagt die Verkäuferin und greift unter den Tresen, "aber machen Sie'

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