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Geschichte der Männlichkeiten von Martschukat, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.09.2018
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (ePUB)
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Geschichte der Männlichkeiten

Die historische Forschung zu Männern und Männlichkeiten ist kaum noch zu überblicken. Jürgen Martschukat und Olaf Stieglitz zeigen in dieser konzisen Einführung, wie die Männergeschichte aus der internationalen Geschlechtergeschichte entstand; sie stellen die Leitfragen und die relevante Forschungsliteratur der Männergeschichte vor. Dabei setzen sie drei inhaltliche Schwerpunkte, die für männliche Subjektbildungen und Lebenswelten in der Neuzeit zentral sind: Vaterschaft zwischen Familie und Arbeit, Formen männlicher Geselligkeit und die Geschichte männlicher Sexualitäten. 'Die Einführung bietet eine zugängliche und sehr gut informierte Orientierung (...) und regt zur Weiterarbeit in diesem gesellschaftlich und wissenschaftlich relevanten Feld an.' H-Soz-Kult 'Der Band setzt Maßstäbe und ist zweifellos derzeit das Standardwerk zur Männergeschichte.' Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Jürgen Martschukat ist Professor für Nordamerikanische Geschichte an der Universität Erfurt. Olaf Stieglitz, PD Dr. phil., lehrt und forscht am Historischen Institut der Universität Köln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 205
    Erscheinungsdatum: 07.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593440248
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 3478 kBytes
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Geschichte der Männlichkeiten

Vorwort zur 2. Auflage

Heute, im Jahr 2018, hat eine Form von Männlichkeit Konjunktur, von der man geglaubt hätte, dass sie nicht mehr sonderlich hilfreich sei, um sich an den Schaltstellen einer demokratischen und kapitalistischen Gesellschaft zu platzieren. Eigentlich sollten in den Zeiten des flexiblen Kapitalismus doch Konzentrations-, Koordinations- und Kommunikationsfähigkeit gefragt sein sowie Flexibilität, Teamgeist, Empathie und Lernbereitschaft. Es sind also oft als "weiblich" codierte Kompetenzen, die angeblich den Weg zum Erfolg weisen, auch wenn Männer für vergleichbare Arbeit immer noch mehr Geld bekommen und nach wie vor umso deutlicher in der Mehrheit sind, je höher man in der Hierarchie klettert. Auf der politischen Bühne tummelt sich aber nun seit einiger Zeit wieder sehr erfolgreich ein Typus Mann, der mehr durch lautes Geschrei als durch kommunikative Kompetenz auffällt, mehr durch Schnellschüsse als durch koordiniertes Verhalten, mehr durch Aggressivität und eine ostentativ offensive Haltung des "Das-muss-man-doch-sagen-dürfens" und des "Sich-nehmens-was-einem-zusteht". Gepaart ist diese Haltung mit einer Strategie der Ausgrenzung und Erniedrigung all derjenigen, die dem eigenen Programm und Weltbild zu widersprechen scheinen, sowie mit einer Perspektive auf Frauen, die diese entweder als Freiwild und schmückende Trophäen erscheinen lässt oder zu schutzbedürftigen Wesen erklärt, aber nicht als kompetente Akteurinnen versteht.

Es ist eine historisch überholt geglaubte (oder gehoffte) Form von Männlichkeit, die heute wieder lauter als in den zurückliegenden Jahrzehnten einen Anspruch auf Hegemonie erhebt - obgleich sie freilich nie ganz verschwunden war, das zeigt nicht zuletzt die #MeToo-Bewegung. Ihre Attraktivität scheint sich für viele Menschen daraus zu speisen, dass sie dort ein stabiles Zentrum verspricht, wo sich eigentlich Vielfalt und Beweglichkeit als Maximen etabliert hatten und es kein Zentrum und keine Stabilität mehr zu geben schien. Dies gilt für die Geschlechter- und Gesellschaftsordnung insgesamt, denn der Ruf nach mehr Flexibilität hatte die Welt des Wirtschaftens und Arbeitens, der Liebe und des Lebens erfasst. Wenn in den politischen Auseinandersetzungen heute ein solches neues Zentrum beschworen wird, um das die Gesellschaft wieder kreisen solle, dann ist dies in der Regel der "common man" oder eine möglichst homogen gedachte "Leitkultur". Wenn es heißt, den Sorgen der "kleinen Leute" gebühre wieder mehr Aufmerksamkeit, dann steht diese Figur allerdings nicht für diejenigen unterbezahlten Leiharbeiter, deren Vorfahren vor nunmehr bald drei Generationen aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, und auch nicht für die afroamerikanische Mutter, die sich und ihre Kinder mit zwei Aushilfsjobs über Wasser hält. Beschworen wird vielmehr der Untote des biodeutschen bzw. weißen, männlichen, heterosexuellen Arbeiters, der einen (ziemlich) festen Job hat und so seine Familie ernähren kann. Dieser Typus Mann ist zwar schon lange immer weniger existent und schon gar nicht mehr hegemonial in dem Sinne, als dass er den größten Zugriff auf gesellschaftliche Ressourcen verspräche. Er scheint aber doch immer noch als Chiffre für eine Gesellschaftsordnung zu taugen, in der alles und alle ihren festen Platz haben. Historisch wird diese reaktionäre Vision (Lilla 2016) mit der Epoche vor den 1970er Jahren verbunden, als der Kapitalismus noch weniger flexibel war, die Arbeitsplätze noch sicher schienen (zumindest für weiße heterosexuelle Männer), man die globale Armut noch für weit entfernt hielt und die sozialen Bewegungen die gesellschaftliche Ordnung noch nicht vom Kopf auf die Füße gestellt hatten.

Wer sich für Männlichkeiten, Geschlecht und deren Analyse interessiert, kann diesen schwierigen politischen Zeiten durchaus etwas abgewinnen. Schließlich ist derzeit (einmal mehr) sehr prägnant erkennbar, welch große Kraft Geschlecht im Allgemei

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