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Geschichte des modernen Staates Von den Anfängen bis zur Gegenwart von Reinhard, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.02.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
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Geschichte des modernen Staates

Wolfgang Reinhard, der Autor der preisgekrönten "Geschichte der Staatsgewalt", fasst in diesem Band die Geschichte des modernen Staates knapp und präzise zusammen. Er erklärt, warum der moderne Staat nur in Europa unter besonderen geographischen und ökonomischen Rahmenbedingungen durch das Zusammenwirken des Erbes der Antike und der Kultur junger Völker entstehen konnte. Dann behandelt er die verschiedenen Aspekte der Entwicklung von frühmittelalterlichen Monarchien zu den Machtstaaten des 18. Jahrhunderts: Institutionen, Selbstdarstellung und Diskurse der Monarchie, Lokalherrschaft, Stände- und Steuerwesen, Kirche und Staat, Recht und Justiz, Krieg und Gewalt, Diplomatie und Völkerrecht. Von der Französischen Revolution führt der Weg zum Nationalstaat, zur Demokratie und zum Sozialstaat, aber auch zum Triumph des Kolonialismus und zu den Exzessen des totalen Staates. Schließlich behandelt Reinhard auch den Niedergang des modernen Staates und versucht zum Schluss die Frage zu beantworten, ob der moderne Staat noch eine Zukunft hat.

Wolfgang Reinhard ist emeritierter Professor für Neuere Geschichte in Freiburg. Bei C. H. Beck sind von ihm erschienen "Geschichte der Staatsgewalt" (32002) sowie "Lebensformen Europas" (22006). 2003 erhielt er den Historikerpreis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 25.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406692680
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2510 kBytes
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Geschichte des modernen Staates

II Aufstieg des modernen Staates

1. Warum Europa?

Hinreichende Bedingung für den Aufstieg des modernen Staates war, wie gesagt, eine Vielzahl kontingenter Ereignisse in anderthalb Jahrtausenden. Diese setzten aber notwendige Bedingungen voraus, die nur in Europa gegeben waren.

Bereits der Blick auf die Landkarte lässt eine wesentliche Eigenschaft Europas erkennen, die es von anderen Erdteilen unterscheidet: seine räumliche Untergliederung in verschiedene, relativ kleine Landschaften, die sich in seinem politischen Pluralismus wiederholt. Es ist nie gelungen, ganz Europa auf Dauer zu einem Großreich zu integrieren oder auch nur einer ständigen Hegemonie zu unterwerfen. Bezeichnenderweise gilt derselbe Befund verkleinert für die Balkanhalbinsel, auf der sich demgemäß in der Antike ebenfalls die Pluralität griechischer Kleingemeinwesen durchsetzte, deren dynamische Rivalität wesentliche Bausteine des modernen Staates hervorbrachte.

In Mittel- und Westeuropa führte die Völkerwanderung zu politischem Pluralismus. Neue Königtümer entstanden, aber auch adelige Herrschaft aus eigenem Recht oder durch königliche Verleihung, denn im sich formierenden Adel verschmolzen alte Familien mit neuen Königsdienern und Mitgliedern der römischen Provinzialaristokratie. Herrschaft bezog sich stärker auf persönliche Abhängigkeit ("Personenverbandsstaat") als auf territorial definierte Zugehörigkeit ("Flächenstaat"). Könige waren dabei durch größere Macht und häufig durch sakrale Legitimation ausgezeichnet. Aber sie waren oft weniger Herren ihrer adeligen Untertanen als bloße Erste unter Gleichen, die als "Staatsgründer" höchstens einen Wettbewerbsvorteil gegenüber hunderten von potentiellen Rivalen hatten. Höchst erfolgreiche Reichs- und Staatsgründer Europas wie die Habsburger oder die Hohenzollern waren von Haus aus gewöhnliche Adelsfamilien und keineswegs charismatische Königshäuser.

Das eigentliche Geheimnis des europäischen Erfolgs war aber die überaus komplexe Art und Weise, wie die politische Kultur der jungen Völker (die sich keineswegs auf die so genannten "Germanen" reduzieren lassen) Verbindungen mit dem kulturellen Erbe des Mittelmeerraums einging, in dem sich altorientalische, griechische, römische, jüdische und christliche Komponenten oft kaum trennen lassen. Doch auch für wesentliche Bausteine der europäischen Kultursynthese ist keine eindeutige Herkunftsbestimmung möglich.

Die autonome Stadtgemeinde Europas, ohne deren Republikanismus, Kapitalismus und soziale Disziplinierung der moderne Staat nicht möglich gewesen wäre, ist keineswegs eine geradlinige Wiederbelebung der antiken Polis. Das hochbedeutsame Erbe der letzteren wurde vermutlich eher literarisch weitergegeben. Parallel zur Entstehung der Städte verläuft in Europa außerdem ein weiterer Prozess der Ausbildung politischer Autonomie, die Entstehung von Landgemeinden, wie sie der Antike unbekannt waren. Dörfer waren keineswegs die ursprüngliche ländliche Siedlungsform, sondern entstanden im Zuge der Bevölkerungszunahme und der Ausbildung der ebenfalls spezifisch europäischen Wirtschaftsform, die Ackerbau und Großviehhaltung wirkungsvoll verknüpfte. Im Rahmen von Adelsherrschaft oder im Gegensatz zu ihr beanspruchten Europas Dörfer ein von Ort zu Ort wechselndes, in manchen Fällen aber beträchtliches Maß an Selbstbestimmung. Dieser so genannte "Kommunalismus" (Peter Blickle) kann durchaus als eine Art von Basisrepublikanismus betrachtet werden. Adelsherrschaft wie städtische und ländliche Kommunalautonomie ermöglichten eine fundamentale Widerspenstigkeit der Europäer gegenüber den Ansprüchen von Reichs- und Staatsgründern, die sich zu gewaltsamem Widerstand steigern konnte und auf diese Weise eine der wichtigsten Wurzeln moderner Demokratie geworden ist.

Ein Grund zum Widerstand war häufig die Verletzung des Eigentumsrechts der Untertanen. Bereits Besteuerung ohne Zustimmung der Betroffenen g

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