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Geschichte Polens im 20. Jahrhundert von Borodziej, Wlodzimierz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Geschichte Polens im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert hat Polen dreimal europäische Geschichte geschrieben: 1920, als es die Rote Armee schlug, 1939, als es sich Deutschland widersetzte, und 1980, als es die erste Bewegung hervorbrachte, die den Staatssozialismus ebenso friedlich wie erfolgreich herausforderte. Wlodzimierz Borodziej erzählt die dramatische und wendungsreiche Geschichte Polens von 1900 bis zur Gegenwart und macht begreiflich, wie das Land zu dem wurde, was es heute ist. Wlodzimierz Borodziej ist Professor für Zeitgeschichte an der Universität Warschau sowie Co-Direktor des Imre Kertész Kollegs der Universität Jena und Vorsitzender des Beirats des Hauses der Europäischen Geschichte in Brüssel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 489
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406693397
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 4524 kBytes
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Geschichte Polens im 20. Jahrhundert

ERSTER TEIL
1890-1918

1. Polen um 1900

"Wo liegt Polen?", diese Frage war gegen Ende des 19. Jahrhunderts alles andere als einfach zu beantworten. "Die Grenzen Polens, jene Plätze, wo es endet, wo es an andere Gebiete grenzt - wer kann sie heute fehlerlos aufzeigen?", fragte etwas später die junge Schriftstellerin Maria Dabrowska. "Unsere Grenzen - die haben wir doch fast vergessen! Wenn wir 'Polen, Polen ...' sagen, wissen wir nicht einmal, was für ein Gebiet wir meinen, wo es endet, wie weit es reicht. [...] Die Grenzen der Rzeczpospolita Polska sind vor über hundert Jahren in drei fremde Staaten hineingesickert, von ihnen aufgesogen und gefressen worden. Unsere Feinde haben alles getan, um deren Spuren zu verwischen."[ 1 ] Dabrowska wollte in dem hier zitierten Büchlein vor allem den jungen und weniger gebildeten Lesern einen Überblick über die wichtigsten Daten der Gegenwart Polens verschaffen; dies schien ihr angesichts der weit verbreiteten Unwissenheit bitter nötig.

Die alte "Republik" ( Rzeczpospolita, Res publica ) war mit den Teilungen Polens der Jahre 1772, 1793 und 1795 von der europäischen Landkarte getilgt worden. Der Wiener Kongress teilte die ehemals polnischen Gebiete 1815 neu auf. Russland erhielt mehr als vier Fünftel, Österreich rund ein Zehntel, Preußen acht Prozent (vgl. Karte I). Die Provinzen des Großfürstentums Litauen im Nordosten und Osten fielen wie die südöstlichen Teile des alten Königreichs an Moskau. In der Folgezeit wurden sie von den Polen als die "weggenommenen Gebiete" ( ziemie zabrane ) bezeichnet, worunter eine riesige, von der Ostsseeküste bis zu den zentralukrainischen Gouvernements reichende Landmenge verstanden wurde.[ 2 ]

Die zentralpolnischen Teile wurden im Königreich Polen vereinigt, das durch Personalunion mit dem Zarenreich verbunden war, völkerrechtlich aber keinen Bestandteil des russischen Imperiums bildete und in den ersten 15 Jahren nach dem Wiener Kongress tatsächlich über eine weitgehende Autonomie verfügte. Südpolen blieb als nominelles Königreich Galizien und Lodomerien ebenso bei der Habsburgermonarchie wie das Herzogtum Schlesien (der südöstliche Zipfel des historischen Schlesien, der bereits vor den Teilungen nicht mehr zu Polen gehört hatte). Die auf dem Wiener Kongress gebildete Krakauer Republik wurde 1846 ebenfalls der Monarchie einverleibt. Innerhalb des preußischen Teilungsgebiets entstanden das Großherzogtum Posen, das anfänglich einen autonomen Status genoss, sowie die Provinz Westpreußen. Das Ermland war in Ostpreußen aufgegangen.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kam es - vor allem infolge der Aufstände von 1830/31, 1846, 1848 und 1863 - zu mehreren Veränderungen, die jedoch die Grenzen zwischen den Imperien der Teilungsmächte nicht tangierten. Die Autonomie des Königreichs wurde bereits 1831 auf einen Restzustand reduziert, der mit Geist und Buchstaben der Bestimmungen des Wiener Kongresses kaum etwas gemeinsam hatte. Als gleichwertige - und im deutschen Sprachraum bald dominierende - Bezeichnung für das ehemalige Königreich setzte sich langsam der umgangssprachliche Begriff Kongresspolen durch. 1874 starb der letzte russische Statthalter im Königreich. Seine Nachfolger, deren Sitz das Warschauer Königsschloss blieb, führten nur noch den Titel eines Generalgouverneurs. Zwei Jahre später wurde die letzte Behörde aufgelöst, die an die faktisch längst erloschene Autonomie erinnerte; die Russifizierung war bereits seit der Niederlage des Aufstands von 1863 in vollem Gange. Der besondere Status des Groß herzog tums Posen innerhalb Preußens wurde ab 1830 systematisch ausgehöhlt und dann gänzlich abgeschafft. Nach der Gründung des Deutschen Reiches begann eine Germanisierungspolitik, die über Kulturkampf, Schul-, Sprachen- und Bodenstreit zu einer hoffnungslosen Verhärtung der Fronten zwischen den "Preußen polnischer Zunge" und dem Staat führte. In umg

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