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Geschichte Polens von Heyde, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.08.2017
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Geschichte Polens

In seinem inzwischen zum Klassiker gewordenen Band gibt Jürgen Heyde einen Überblick über die mehr als tausendjährige Geschichte Polens. Neben der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Landes liegt das besondere Augenmerk auf der Darstellung der europäischen Dimensionen der polnischen Geschichte sowie der Entwicklung der deutschpolnischen Nachbarschaft. Für die Neuauflage wurde der Band gründlich durchgesehen und bis zur Gegenwart fortgeführt. Jürgen Heyde ist Projektleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) in Leipzig und apl. Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 29.08.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406712937
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3195 kBytes
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Geschichte Polens

Vom Eintritt in die europäische Geschichte bis zur Einigung der polnischen Länder

Herrschaftsbildung und Christianisierung

Der Name "Polen" (lat. "Polonia") erscheint in den Quellen erst an der Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert, doch die Geschichte des Landes und der Menschen, die dort leben, reicht deutlich weiter zurück. Seit dem 6. Jahrhundert interessierten sich griechische und lateinische Autoren für die Slawen, die große Teile Mittel- und Osteuropas bewohnten. Die Slawen bildeten keine feste Einheit mit gemeinsamer Abstammung, sondern eine Kulturgemeinschaft, die immer wieder Neuankömmlinge von außen zu integrieren vermochte. Ihre Kultur war gekennzeichnet von Sesshaftigkeit - sie betrieben Ackerbau und Viehzucht - und einer "demokratischen" Verfassung - außerhalb von Kriegs- und Krisenzeiten kannten sie keine fest gefügte Fürstenherrschaft.

Dies wandelte sich in den folgenden Jahrhunderten, als die Kontakte zu den dauerhaften Reichsbildungen im Westen und Süden intensiver wurden. Im 9. Jahrhundert entstand im Ostfränkischen Reich eine Liste von Völkerschaften (des sog. Bairischen Geographen). Sie nennt eine Vielzahl von regiones mit unterschiedlich vielen civitates und enthält erstmals auch Informationen über das Gebiet zwischen Weichsel, Oder und Ostsee, welches später einmal Polen genannt werden sollte. In diesem Gebiet kannte der Bairische Geograph die Wislanen (uuislane) am Oberlauf der Weichsel (in der Gegend von Krakau). Das Stammesgebiet der Polanen hingegen, das Zentrum der späteren Polonia, fehlte in dieser Quelle noch. Warum das so war, erläutert die dynastische Legende der Piasten, die über das Polanengebiet herrschten. Sie ist uns aus dem frühen 12. Jahrhundert in der Chronik des sog. Gallus Anonymus überliefert und erzählt, wie der Stammvater Piast und sein Sohn einen früheren Fürsten (Popiel) von der Herrschaft verdrängten. Diese Legende reicht nur vier Generationen hinter den ersten urkundlich belegten Piastenfürsten Mieszko (gest. 992) zurück; die Piasten waren also eine noch junge Dynastie.

Damit standen sie in diesem Teil Europas nicht allein. Auch in anderen slawischen Gebieten (z.B. in Mähren und Böhmen) zeigte sich erst um das 9. Jahrhundert eine Konzentration und Stabilisierung von Herrschaft. Eine ähnliche Entwicklung gab es im religiösen Bereich, wo die ursprünglich unabhängig voneinander bestehenden, lokalen heidnischen Kulte allmählich zentralen Kultplätzen untergeordnet wurden, an denen Kriegsbeute, Abgaben und Kultgegenstände gelagert wurden, wie es bei den Elbslaven belegt ist. Auch die heidnische Götterwelt der Slawen hierarchisierte sich; wenige Hauptgötter beherrschten den Himmel (Perun) und die Unterwelt (Veles) , und ihre Priester nahmen eine Führungsrolle gegenüber den anderen Kulten wahr.

In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts verdichteten sich dann die Informationen über den Piastenfürsten Mieszko und sein Land. Das Herrschaftsgebiet der Polanen hatte sich im 9. Jahrhundert im späteren Großpolen stabilisiert und auf benachbarte Gebiete ausgedehnt (Kujawien, Länder Sieradz und Leczyca, Masowien). Im Zuge der weiteren Expansion näherte es sich dem politischen Interessengebiet des ostfränkischen Reiches. Der sächsische Markgraf Gero versuchte nun, Mieszko zu unterwerfen und ihn, ähnlich wie die Elb- und Ostseeslawen, tributpflichtig zu machen. In dieser Lage schloss der Polanenfürst ein Bündnis mit dem Herzog Boleslav von Böhmen. Nach der Hochzeit mit dessen Tochter Dubrava nahm Mieszko 966 Christentum an und ließ im Jahre 968 ein erstes Missionsbistum gründen. Damit hatte er sein Herrschaftsgebiet stabilisiert, da Angriffe aus dem ostfränkischen Reich nun nicht länger als Kampf gegen das Heidentum deklariert werden konnten.

Im Jahre 992, kurz vor seinem Tod, trug der Herzog sein Herrschaftsgebiet, die civitas schinesghe , dem Apo

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