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Geschichte Südosteuropas von Brunnbauer, Ulf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.02.2018
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Geschichte Südosteuropas

Wohl keine europäische Region ist so in sich unterschiedlich wie Südosteuropa, das erst zu Byzanz, dann zum Osmanischen Reich, zur österreichisch-ungarischen Monarchie und schließlich in großen Teilen zum Einflussbereich der Sowjetunion gehörte. Das Zusammenleben von Muslimen und Christen verschiedener Konfessionen wie auch die schwierigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen führten dort immer wieder zu blutigen Konflikten; alle Länder haben bis heute mit Armut und Korruption zu kämpfen. Dieses Buch legt die Wurzeln vieler Probleme frei und gibt Einblicke in die Aktualität einer ganzen Region - von Albanien bis Zypern. Ulf Brunnbauer, geb. 1970, ist Professor für Geschichte Südost- und Osteuropas an der Universität Regensburg und Wissenschaftlicher Direktor am dortigen Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung. Klaus Buchenau, geb. 1967, ist Professor für Geschichte Südost- und Osteuropas an der Universität Regensburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 09.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159613062
    Verlag: Reclam Verlag
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Geschichte Südosteuropas

Bilder über und Wissen von Südosteuropa

"Es war mir ein wahres Vergnügen, mich wieder heimisch zu fühlen im Orient, in diesem Gegensatz des milden, ruhigen, gelehrigen Daseins des Hauswesens und der stürmischen Bewegung des Hofes und Feldlagers, in dieser bequemen und zierlichen Tracht, in diesen geschmackvollen Zimmern und behaglichen Divans, in diesem himmlischen Klima und dem in beständiger Gemeinschaft mit der Natur verbrachten Dasein. Welche Erholung überdies von europäischer Langweile, Politik, Theorien, Systemen, Beweisführungen und Gelehrsamkeit! Der Orient verdankt vieles von seinem Reiz den Gegensätzen, die verschwinden, wenn sie nicht mehr neu und ungewohnt sind. Aber er besitzt auch wirkliche Vorzüge, die mit Erfahrung und Gewohnheit immer mehr zunehmen und die in meinen Augen niemals so anziehend zu sein schienen wie gerade in diesem Augenblick. [...] Ich kam geradewegs aus Europa, ich war im Süden Italiens durch Szenen beispiellosen Elends gekommen, ich hatte England unmittelbar nach dem wilden Tumult von Bristol verlassen, ich war auf meiner schnellen Reise der Erste gewesen, der in Lyon eintraf, nach dem mehr systematischen, aber auch blutigen Aufstand in dieser Stadt." (Urquhart, David: Im Wilden Balkan. Vom Berg Olymp bis zur albanischen Adriaküste. Wiesbaden 2008 . S. 257 .)

So beschrieb der Schotte David Urquhart seine Gefühle bei seiner zweiten Reise in die europäische Türkei, die er 1831 im Auftrag der britischen Regierung unternahm. Urquhart sollte die Situation in den Gebieten der aufständischen Griechen untersuchen, als es darum ging, die Grenzen des neuen griechischen Staates festzulegen. Er war bereits 1827 in Griechenland gewesen und sollte 1836 Botschaftssekretär in Konstantinopel werden. Im weiteren Verlauf seiner Laufbahn entwickelte er sich zum Fürsprecher des Osmanischen Reiches, unter anderem als Parlamentsabgeordneter in Westminster, und zum vehementen Gegner Russlands und dessen Ansprüchen am Balkan.

Einen etwas anderen ersten Eindruck vom "Orient" gewann ein Zeitgenosse Urquharts, der preußische Offizier Helmuth von Moltke , der 1835 von König Friedrich Wilhelm III. als Militärberater zum osmanischen Sultan geschickt wurde. Er betrat osmanisches Territorium auf der Donauinsel Ada- Kaleh an der österreichischen-osmanischen Donaugrenze, östlich von Belgrad (die Insel versank 1972 in der Donau , nachdem die Talsperre am Eisernen Tor fertiggestellt wurde). Dort wurden er und sein Mitreisender von dem auf der Insel residierenden osmanischen Gouverneur empfangen:

"Osman Pascha empfing mit viel Freundlichkeit zwei Fremde, die aus dem fernen Lande 'Trandenburg' [so des Paschas Bezeichnung für Brandenburg] kamen: Er ließ uns Kaffee reichen und Pfeifen und gestattete uns, seine Festung zu besehen. Der Pascha ist ein stattlicher Herr mit einem dicken roten Bart, aber so unbeschreiblich schlecht logiert wie bei uns ein Dorfschulze. Sein Palast ist ein Bretterschuppen, der an ein detachiertes Bastion angeklebt ist. Trotz der empfindlichsten Kälte saßen wir in einem halboffenen Gemach ohne Fensterscheiben. Sehr unnötigerweise hatten wir uns in Frack gesetzt, während Se. Excellenz in zwei bis drei Pelzen, einer größer und weiter, ganz à son aise erschienen. In der Stadt überraschte uns die Unreinlichkeit der engen Straßen. Die Anzüge der Menschen waren rot, gelb, blau, kurz von den schreiendsten Farben, aber alle zerlumpt. Alle Wohnungen trugen Spuren des Verfalls, und an der Festung ist, glaub' ich, seit der Besitznahme kein Ziegel ausgebessert." (Moltke, Helmuth von: Unter dem Halbmond. Erlebnisse in der alten Türkei . Wiesbaden 20

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