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Herodot und Thukydides Die Geburt der Geschichte von Will, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.10.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Herodot und Thukydides

Das 5. Jahrhundert v.Chr. war in Griechenland geprägt durch zwei gewaltige Kriege - den Krieg der Hellenen gegen die Perser und den Peloponnesischen Krieg, in dem sich die Bündnissysteme der Athener und der Spartaner gegenüberstanden. Die dramatischen Ereignisse, die damals den Mittelmeerraum erschütterten, haben in Herodot und Thukydides ihre Chronisten gefunden. Ihre Werke zählen bis auf den heutigen Tag zur Weltliteratur. Anlässlich des 2500. Geburtstags des Vaters der Geschichtsschreibung, Herodot von Halikarnass, werden in diesem Buch die beiden großen Historiker gewürdigt. Wolfgang Will versteht es meisterhaft, die Zeit des Herodot und des Thukydides wieder lebendig werden zu lassen. Er skizziert die Weltbilder, Geschichtsbilder und Menschenbilder, die ihren Werken zugrunde liegen und lässt das Bewusstsein der Griechen für die eigene Identität und ihre Abgrenzung gegenüber dem Fremden verständlich werden. Nicht zuletzt gelingt es ihm, die Kunst der großen Schlachtendarstellungen, die ausgefeilten Erzähltechniken, die Beschreibung der Götter, der Staatsorganisation, der wirtschaftlichen, aber auch der gesellschaftlichen Verhältnisse zu erklären. Einen besonderen Akzent legt er auf die Bedeutung der Humanität des Historikers. Zum Abschluss wirft er einen Blick auf das Nachleben von Herodot und Thukydides im Mittelalter und der Neuzeit und arbeitet ihre ungebrochene Bedeutung für die Gegenwart heraus.

Wolfgang Will lehrt seit 1982 als Akademischer Oberrat am Seminar für Alte Geschichte der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 283
    Erscheinungsdatum: 09.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406682186
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3105 kBytes
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Herodot und Thukydides

2.
METHODE

Augen- und Ohrenzeugen

Herodot : Herodot und Thukydides haben gemeinsam, daß sie weitestgehend auf schriftliche Quellen verzichten mußten, dieser im gesamten Werk, jener im historischen Hauptteil. Thukydides besaß den Atthidographen Hellanikos und Herodot. Dieser zitiert ausdrücklich Hekataios, kannte aber die Epen Homers, die Dichtungen von Pindar, Bakchylides, Sappho und Stesichoros, die Dramen des Aischylos. Er studierte Urkunden, Inschriften, Orakelsammlungen. Von der Benutzung weiterer (mutmaßlicher) Zeitgenossen wie Ion von Chios, Stesimbrotos und Xanthos kann sich die Forschung kein Bild machen, denn diese sind bis auf Fragmente verloren. Ungeachtet dessen waren seine Hauptquellen mündlicher Natur. In den ethnographischen Logoi erzählt Herodot Geschichte, "wie er sie hörte". Oft läßt er aber den Ursprung seiner Informationen im Ungewissen, indem er nur davon schreibt, er habe etwas gehört oder erfahren, die Rede sei von irgendetwas oder es werde erzählt, berichtet, gesagt. Auch Einzelpersonen werden genannt, anonym, wie der Schreiber der Tempelschätze der Athena in Sais (2.28.1) oder ein Fremdenführer der Cheopspyramide (2.125.6), oder auch mit vollem Namen (4.76.6, 8.65.6). Letzteres, fingiert oder real, dient wohl dazu, die Authentizität der Geschichte zu bekräftigen. Oft stieß Herodot dabei auch auf Widersprüche. Sie aufzulösen überläßt er entweder dem Leser oder versucht selbst eine Erklärung wie im Falle des berühmten Mischkruges der Lakedaimonier, der so groß war, daß er 300 Amphoren faßte. Die Lakedaimonier hatten ihn als Dank für König Kroisos anfertigen lassen, weil er sie (angeblich) allen anderen Griechen vorzog. Der Krug gelangte allerdings nie an sein Ziel in Sardes, und im Hinblick auf den Grund dafür lagen Herodot zwei unterschiedliche Berichte vor: Die Lakedaimonier behaupteten, die Samier hätten ihn, als das Transportschiff an ihrer Insel vorbeikam, geraubt. Die Samier konterten, die Lakedaimonier hätten den Krug zu spät abgesandt, denn noch vor der Ankunft der Boten in Kleinasien sei gemeldet worden, daß Sardes erobert und Kroisos gefangen worden sei. So hätten diese den Krug in Samos feilgeboten, wo ihn einige Bürger gekauft und dem Heratempel gestiftet hätten. Dazu findet Herodot dann den Kompromiß, der beide Versionen als (halb)richtig erweist: Möglich sei auch, schließt er, daß die Boten ihn wirklich verkauft und später in Sparta gesagt hätten, er sei ihnen geraubt worden. (1.70)

Umgekehrt beruft sich Herodot - wie im Falle des Sängers Arion (1.23), der schiffbrüchig von einem Delphin gerettet wurde - auf ein zweites Zeugnis, um das erste zu beglaubigen. Er erfuhr die Geschichte von den Korinthern, und diese wurde ihm nach seiner Darstellung von den Bewohnern von Lesbos, der Heimatinsel des Arion, bestätigt.

Gelegentlich wagt Herodot es auch, Dinge zu erzählen, die jenseits seiner Erfahrungen - das häufigste Kriterium der Kritik - lagen, weil er sie für interessant hielt, und das, was über seinen Verstand ging, nicht über den anderer gehen mußte. Das bekannteste Beispiel liefert sein Bericht über die Umsegelung Afrikas unter dem ägyptischen Pharao Necho (610-595 v. Chr.) in 4.42. Die Phoiniker seien vom Roten Meer aus zunächst längs der afrikanischen Ostküste gefahren, dann um die Südspitze Afrikas gebogen, längs der afrikanischen Westküste gesegelt und schließlich durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer und nach Ägypten zurückgekehrt. Herodot fügt hinzu: "und sie haben etwas erzählt, was ich zwar nicht recht glauben kann, aber vielleicht ein anderer, nämlich sie hätten, als sie um Libyen herumbogen, die Sonne zur Rechten gehabt."

Herodot beruft sich bei seinen Berichten auf Gewährsleute, die das, was sie berichteten, ihrerseits nur gehört hatten, also keine Augenzeugen waren. Augenzeugen gab es noch für die Zeit der Perserkriege, doch die Erinnerung der Einzelnen war von Geschichten überlagert,

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