text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Königin Luise von Preußen Ein Stern in Wetterwolken - Eine Biographie von Ohff, Heinz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2016
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Königin Luise von Preußen

Zahllose Legenden ranken sich um das Leben Königin Luises von Preußen, die schon zu Lebzeiten außergewöhnliche Popularität genoss: Schön und lebenslustig, charmant und wenig gebildet, musste sie bereits als junge Frau zusammen mit ihrem Mann, Friedrich Wilhelm III., in schwierigen Zeiten den Thron besteigen und starb mit 34 Jahren in der Blüte ihres Lebens. Bedeutende Zeitgenossen wie Heinrich von Kleist und Achim von Arnim waren ihre Bewunderer, und Kaiser Napoleon I. nannte sie respektvoll seine 'ärgste Feindin'. Heinz Ohff zeichnet in seiner Biografie das Bild einer Frau zwischen Legende und Historie und vermittelt zugleich einen lebendigen Eindruck der damaligen Zeit. Heinz Ohff, geboren 1922, gestorben 2006, war von 1961 bis 1987 Feuilletonchef des Berliner Tagesspiegel. Von ihm liegen zahlreiche Biographien vor, unter anderem über Königin Luise von Preußen, Karl Friedrich Schinkel, Fürst Pückler-Muskau, Theodor Fontane und die Könige Preußens sowie die 'Gebrauchsanweisung für England' und die 'Gebrauchsanweisung für Schottland'. Der Autor lebte in Berlin und Cornwall.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 01.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492972154
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 8031 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Königin Luise von Preußen

2.

Die Mecklenburgerin

D ie spätere Königin von Preußen ist als Prinzessin Luise von Mecklenburg-Strelitz am 10. März 1776 in Hannover geboren. Das Land, dessen Namen sie trägt, hat sie mit 20 Jahren zum erstenmal betreten.

Aufgewachsen ist sie im deutschen Südwesten, in Darmstadt.

Trotzdem finden sich bei ihr deutlich mecklenburgische Züge. Ihr Wortschatz ist, nachzulesen in ihren Briefen, von niederdeutschen Wendungen durchsetzt, die sie wahrscheinlich von ihrem Vater übernommen hat. So schreibt sie ihrem Bruder Georg mitunter, sie sei nahe daran gewesen, "zu brüllen", also zu weinen, zu heulen, oder beklagt sich bei ihrem Mann über den "Schnack", den er führe. Noch häufiger tauchen im deutschen Teil ihrer Briefe allerdings hessische Ausdrücke auf im unverfälschten Darmstädter "Heinerdeutsch": "Ich muß in Kerch gehen, sonst schlägt mich mey alt Großmäme", heißt es in einem Brautbrief an Friedrich Wilhelm, damals noch Kronprinz von Preußen, und: "Ich segn mei Schatz witter, ich segne mei Schatz witter." Wobei sie nie versäumt, sich für ihr "Cripscrapsgekritzel" zu entschuldigen.

Prinz (und später Herzog) Karl Ludwig Friedrich von Mecklenburg-Strelitz, kurz Karl und von seiner Tochter Luise bis ans Lebensende "Päp" oder "Pap" oder auch "bester Vater" genannt, muß eine vollendete Rokoko-Erscheinung gewesen sein, wohlgestaltet, wenn auch nicht sehr groß, elegant in Benehmen und Garderobe, ein bißchen leichtsinnig im Umgang mit dem Geld und, wie übrigens viele Mecklenburger, etwas hypochondrisch veranlagt. Wann immer Zeit und Geld es ihm erlauben, kurt er in Bad Pyrmont, für das er bis ins Alter eine Vorliebe behält.

Eine Vorliebe besitzt er auch für England. Durch seine Schwester, die Königin von England, hat er schon in jungen Jahren Karriere gemacht und ist als Gouverneur des englischen Königs nach Hannover geraten, heraus aus der Enge und Provinzialität seiner mecklenburgischen Heimat. Damals gab es zwei Mecklenburgs.

Die deutschen Staaten oder Staatsgebilde schienen sich durch Zellteilung ins Unendliche vermehrt zu haben. Das Reich, einst Römisches Reich, dann Heiliges Römisches Reich, am Ende Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation genannt, zerfiel in unzählige territoritale Herrschaften. Einige von ihnen, die größeren, traten als unabhängige Staatsgebilde, ja als europäische Großmächte auf. Die meisten waren jedoch klein, sogar winzig: ein Schloß, ein paar Dörfer sowie eine Menge von Schlagbäumen. Golo Mann läßt seine "Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts" im Jahre 1789 beginnen. In diesem Jahr gab es in Deutschland genau 1789 Territorialstaaten.

Zwar sollte das Reich mit dem Kaiser, seit Maximilian mit den habsburgischen Königen von Österreich, eine Kuppel über dem Staatenwirrwarr bilden, aber die Realität sah anders aus. Während andere Nationen, Frankreich vor allem, sich langsam aber sicher der staatlichen Einheit zubewegten, wurde Deutschland durch den Absolutismus seiner großen und kleinen Potentaten im 17. und 18. Jahrhundert heillos zersplittert. Für den Adel bedeutete dies einen enormen Machtzuwachs. Selbst die kleinsten Fürstengeschlechter versuchten Geschichte zu machen, vornehmlich durch Zollgrenzen. "Die Fürsten brandschatzen die Reisenden wie die Wegelagerer", klagt Varnhagen von Ense, und tatsächlich stammte eine Großzahl der betreffenden Fürsten von Wegelagerern ab.

Allein in Mecklenburg existieren also zwei Herzogtümer, Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Deren Geschichte wäre ein Lehrstück deutscher Kleinstaaterei, angefangen beim großen Güstrowschen Erbfolgestreit, über den Hamburger Vergleich und die Mirowsche Linie, der auch Luises Vater, Prinz Karl, angehört. Mecklenburg galt schon immer als abgelegen, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Althergebrachtes blieb hier stets länger lebendig als anderswo. Der erste (und einzige) Paragraph der Mecklenburger Verfassung lautet, s

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen