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Maschinendämmerung Eine kurze Geschichte der Kybernetik von Rid, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2016
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Maschinendämmerung

Wir leben längst in der schönen neuen Cyberwelt. Das 'Internet der Dinge' wird bald zum Alltag gehören, selbstfahrende Autos und Containerschiffe, Assistenzroboter oder permanentes Lifelogging stehen vor der Tür. Kontrollieren wir noch unsere Maschinen, oder kontrollieren sie längst uns? Wie kam es überhaupt dazu, dass Maschinen nicht mehr nur unsere Muskeln, sondern auch unser Gehirn ersetzen? In seiner spannenden Kulturgeschichte der Kybernetik schildert Thomas Rid, international renommierter Cyber-Experte, die Entwicklung intelligenter Maschinen von den Anfängen bis heute. Es begann mit militärischen Erfordernissen im Zweiten Weltkrieg, setzte sich fort im Wettrennen zur Eroberung des Weltraums und führte zur Entfaltung der virtuellen Welt des Cyberspace, zum Internet und zum zunehmend automatisierten Cyber War. Ohne Kenntnis dieser Geschichte, so Rid, lässt sich die spezifische Gestalt unserer heutigen Cyberwelt nicht verstehen. Die erste Kulturgeschichte der Cyberwelt, die nicht nur die technologische Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg in den Blick nimmt, sondern auch die Phantasien, die die Idee menschlicher Maschinen in der Literatur oder im Kino ausgelöst haben.

Thomas Rid, aufgewachsen im baden-württembergischen Aach, forscht und lehrt seit 2011 am Department of War Studies am King's College London. Davor arbeitete er zehn Jahre in international führenden Think Tanks in Berlin, Paris, Washington und Jerusalem.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 15.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843713108
    Verlag: Ullstein
    Größe: 47478kBytes
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Maschinendämmerung

Der Aufstieg der Maschinen

Noch einmal das Gepäck überprüfen. Endlose Wege im Flughafen zurücklegen. Den Ausweis griffbereit halten. Schlange stehen an der Sicherheitsschleuse, dann Schuhe und Gürtel ausziehen. Warten am Gate. Schließlich das Ritual des Boardings: Gruppe 3. Sitz 37B. Den Rollkoffer ins Gepäckfach hieven. Gedränge, die Luft ist stickig, die Sitze sind zu schmal, die Bildschirme fürs Bordfernsehen zu klein. Die Chromschnalle des Sicherheitsgurts rastet ein und mit dem metallischen Klick schießt einem der scharfe Gedanke in den Kopf: Sobald sich die Räder von der Startbahn lösen, wird das eigene Leben für die nächsten acht Stunden von dieser Maschine abhängen. Von ihren Motoren, ihrem Rumpf, ihren Rudern und Klappen, ihren Instrumenten, ihrer Luftzufuhr, ihrem Navigationssystem, ihrem Fahrgestell, ihren Computern samt Software und weiß Gott was noch allem. Man ruft sich in Erinnerung, dass Fliegen statistisch gesehen sicherer ist, als über die Straße zu gehen. Doch es bleibt eine nervenaufreibende Tatsache: Man hat soeben sein Leben, das einzige, das man hat, einer mit Elektronik vollgestopften Black Box anvertraut, die in einer Höhe von 10000 Metern durch Luft fliegt, die man nicht atmen könnte, und dabei eine Strecke von 3000 Kilometern über todbringendem offenen Wasser zurücklegt. Und nichts daran ist mehr zu ändern.

Im Laufe der nächsten acht Stunden vergisst man dieses Unbehagen, während man sich von einem seichten Film berieseln lässt. Wenn das Flugzeug schließlich auf der Landebahn aufsetzt und mit einem kräftigen Ruck das Bremsmanöver einleitet, fühlt man sich für einen Moment daran erinnert, dass man - endlich - das Geschehen fast wieder unter Kontrolle hat. Während die Maschine zum Gate rollt, holen die Passagiere, wie zur Feier des Augenblicks, ihre Handys heraus. Man schaltet den Flugzeugmodus aus und wartet auf das vertraute Symbol des Mobilfunkbetreibers. Sobald das Handy Empfang hat, gehen ein paar Benachrichtigungen ein. Ein verpasster Anruf. Eine Kurznachricht von einem geliebten Menschen. E-Mails. Spam wegwischen. Ein kurzer Blick in ein soziales Netzwerk. Bevor man auch nur aus dem Flugzeug ausgestiegen ist, weiß man schon, dass die Person, die einen abholt, mit ein paar Minuten Verspätung eintreffen dürfte. Man weiß, was der eigene Freundeskreis so getrieben hat und was die Kollegen gelesen haben, während man selbst über Grönland schwebte.

Maschinen verkörpern Kontrolle. Maschinen verhelfen Menschen zu mehr Kontrolle: Kontrolle über ihre Umwelt, Kontrolle über ihr eigenes Leben, Kontrolle über andere. Um durch Maschinen Kontrolle zu erlangen, müssen wir diese freilich an die Maschinen abgeben. Das Werkzeug zu nutzen heißt, dem Werkzeug zu vertrauen. Und immer leistungsfähigere, immer kleinere, immer stärker vernetzte Computer haben unseren Instrumenten zu immer mehr Autonomie verholfen. Wir verlassen uns auf das Gerät, das Flugzeug wie das Smartphone, und vertrauen ihm unsere Sicherheit und unsere Privatsphäre an. Die Belohnung: Ein Apparat fungiert als Erweiterung unserer Muskeln, unserer Augen und Ohren, unserer Stimmen und Gehirne.

Maschinen verkörpern Kommunikation. Ein Pilot muss mit dem Flugzeug kommunizieren, um es fliegen zu können. Aber auch das Fluggerät muss mit dem Piloten kommunizieren, um geflogen werden zu können. Zusammen bilden sie eine Einheit: Der Pilot kann nicht ohne Flugzeug, das Flugzeug nicht ohne Piloten fliegen. Doch handelt es sich dabei nicht mehr um isolierte Gebilde aus Mensch und Maschine. Die Beschränkung darauf, dass ein Mensch und eine Maschine mechanisch durch Steuerknüppel, Gashebel und Messinstrumente verbunden sind, gibt es nicht mehr. Vielmehr enthalten die Maschinen einen - oder viele - Computer und sind mit anderen Maschinen in einem Netzwerk verbunden. Das bedeutet, dass viele Menschen mit vielen und durch viele Maschinen zusammenwirken. Das Bindegewebe ganzer Gemeinschaften ist mittl

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