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Mit einem Koffer voll Hoffnung Österreich als neues Zuhause - 15 Lebensgeschichten von Heigl, Andrea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2013
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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Mit einem Koffer voll Hoffnung

Neue Heimat! Eine tibetische Familie auf der abenteuerlichen Flucht vor der chinesischen Staatsmacht, die ausgerechnet in einem Tiroler Bergdorf ihre neue Heimat findet. Eine Uni-Professorin aus Sri Lanka, der man wegen ihrer Hautfarbe keinen Tisch in einem Wiener Nobelrestaurant gibt. Ein Sohn türkischer Gastarbeiter, der Tanzlehrer wird und den Opernball choreografiert. Drei Geschichten von 15, die verblüffen und berühren. Geschichten, die uns die Menschen hinter dem heiß diskutierten Thema Migration näherbringen - abseits von Plattitüden und politischen Parolen.

Andrea Heigl geboren 1984 in Scheibbs, lebt in Wien. Journalismus- Studium in Wien, nebenher freie Mitarbeiterin der NÖ Nachrichten, seit 2007 politische Redakteurin bei der Tageszeitung 'Der Standard'. Buch-Publikationen: '1x1 der Demokratie - Wahlen in Österreich' (2008), '1x1 der Demokratie - Österreich und die EU' (2009), 'Politik 2.0 - Demokratie im Netz' (2010).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 09.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701744213
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 2324 kBytes
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Mit einem Koffer voll Hoffnung

Drei Pfeiler für ein gelungenes Leben

MARTIN BLUM
Von Prag nach Salzburg und Wien

Martin dachte, sie würden auf Urlaub fahren. Weg aus Prag mit seiner schlechten Luft, die dem sechsjährigen, asthmakranken Buben andauernd zu schaffen machte, für ein paar Tage oder Wochen nach Jugoslawien. Doch er und seine Mutter waren nicht auf Urlaub, sie waren auf der Flucht. 1987 war das, nur zwei Jahre, bevor Schluss war mit dem Kommunismus in der damaligen Tschechoslowakei; Schluss mit den Repressionen, die die Familie aus ihrer Heimat wegtrieben.

Martins Eltern hatten den "Urlaub" bis ins letzte Detail geplant: Mutter und Sohn beantragten von Jugoslawien aus eine Durchreisegenehmigung durch Italien, angeblich, um schneller in die Tschechoslowakei zurückzukommen. Doch genau das hatten sie nie vor, ihr eigentliches Ziel war Österreich. Der Vater war gleichzeitig zum "Urlaub" seiner Frau beruflich in Paris, er tauchte einfach nicht mehr auf, als der Bus mit den Arbeitskollegen wieder zurück in die Tschechoslowakei fahren sollte, und schlug sich über die Schweiz nach Österreich durch.

Im Flüchtlingslager im niederösterreichischen Traiskirchen haben sich die drei schließlich wieder gesehen. "Das klingt so dramatisch", sagt Martin gut 25 Jahre später, als er die Geschichte seiner Flucht erzählt, und es klingt fast, als würde er sich selbst ein bisschen darüber wundern, wie sich das alles in seinen eigenen Ohren anhört. Mitbekommen hat er von diesen dramatischen Stunden als Kind natürlich nichts, er wähnte sich stets in Sicherheit - "das ist ein großes Verdienst meiner Eltern".

Auch seine Erinnerungen an Traiskirchen, an jenes Quartier, das heute fast schon symbolhaft für den österreichischen Umgang mit Flüchtlingen steht, sind spärlich. "Ich weiß nur noch, dass wir mit 20, 30 Leuten in einem Zimmer geschlafen haben." Doch das Ziel seiner Eltern waren ohnehin die Berge. Sie haben sich beim Skifahren kennen- und lieben gelernt, und die Liebe zur Natur, der Drang nach Freiheit haben sie dazu gebracht, die Tschechoslowakei auf diesem abenteuerlichen Weg zu verlassen. Martins Mutter war als Diplomatentochter in aller Welt aufgewachsen, Berlin, Rom, Paris, Teheran. 1968 wurde der Großvater aus der Regierung hinausbefördert. Weil er aktiv am Prager Frühling beteiligt war, galt er als Feind des Kommunismus; seiner Tochter wurde sogar verboten, in der Tschechoslowakei zu studieren - erst viele Jahre später holte sie das in Österreich nach.

Martin erinnert sich noch genau an die einzigen drei deutschen Worte, die er beherrschte, als er begann, in St. Georgen am Attersee zur Volksschule zu gehen: Hund, Katze, Maus. Gelernt hat er sie von der Mutter, die als Kind vier Jahre lang in Ostberlin gelebt und in der Tschechoslowakei Deutsch unterrichtet hatte. Martin war das einzige "Ausländerkind" und fühlte sich zunächst ausgeschlossen - mit den Sprachkenntnissen änderte sich das aber rasch. Die Familie zog weiter nach Salzburg, und als Martin dort in die 3. Klasse Volksschule kam, "habe ich schon so gut Deutsch gesprochen, dass die Kinder gar nicht gemerkt haben, dass ich aus der Tschechoslowakei komme".

Schon 1991 erhielt die Familie die österreichische Staatsbürgerschaft, nicht zuletzt wegen der guten diplomatischen Kontakte des Großvaters, die sich trotz seines Quasi-Berufsverbots über die Jahre erhalten hatten. Von den Salzburger Kindern unterschied Martin vor allem der finanzielle Status der Familie. "Bei uns gab es keine Geschenke, keine Geburtstage bei McDonald's. Das hat mich schon geprägt, ich denke, ich habe einen gesünderen Zugang zu Wertsachen. Eine gewisse Wurschtigkeit." Besitz anzuhäufen, wie es so viele in seinem Alter anstreben, das sei ihm nach wie vor überhaupt kein Anliegen, sagt Martin.

Gut zwei Jahre nach der Flucht

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