text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Robert Schuman Leben und Vermächtnis von Benning, Hermann J. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.12.2013
  • Verlag: Verlag Neue Stadt
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Robert Schuman

Kaum jemand ist sich bewusst, wie maßgeblich Robert Schuman, geb. 1886 in Luxemburg, gestorben am 4. September 1963 in Scy-Chazelles, Europa und insbesondere das deutsch-französische Verhältnis mitgeprägt hat. Von seiner Biografie her ein prädestinierter 'Europäer', von seiner geistigen Herkunft ein überzeugter, hochgebildeter und weltoffener katholischer Christ, hat er als französischer Außenminister mit dem berühmten 'Schuman-Plan' (1950) Geschichte geschrieben. Prägnant und einfühlsam zeichnet Hermann J. Benning sein bewegtes Leben nach: Sichtbar wird ein Mensch, dessen Vermächtnis im Verborgenen nachwirkt, ein Christ, dessen Integrität über jeden Zweifel erhaben war und ist. In der katholischen Kirche ist sein Seligsprechungsprozess in Gang, unter Politikern jeder Couleur genießt er hohes Ansehen. Hermann Josef Benning, Jahrgang 1949, arbeitete nach dem Studium der Germanistik an den Universitäten Nimwegen/NL und Saarbrücken ab 1980 als Verlagslektor in München. Seit 1989 ist er freiberuflicher Lektor und Übersetzer in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 11.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783879964239
    Verlag: Verlag Neue Stadt
    Größe: 988 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Robert Schuman

Kindheit, Schulzeit und Studium

Robert Schuman verbrachte seine Kindheit und Jugend in Luxemburg. Sein Vater Jean-Pierre (1837–1900) stammte aus dem lothringischen Weiler Évrange (Ewringen) an der Grenze zum Großherzogtum. Bis zur Hochzeit hatte er dort zusammen mit seinem älteren Bruder eines der Gehöfte bewirtschaftet. Die ursprüngliche Heimat seiner Gattin Eugénie (1864–1911), geb. Duren, war der luxemburgische Grenzort Bettemburg, nur zwölf Kilometer von Évrange entfernt. Ihr Vater, ein Zollbeamter, war 1872 nach Kruth versetzt worden, ein Dorf im Elsass an der damaligen Grenze zu Frankreich. Zwischen Luxemburg und dem Deutschen Reich gab es zu dem Zeitpunkt keine Schlagbäume mehr; das Großherzogtum gehörte bereits seit 1842 zum Deutschen Zollverein. Jean-Pierre und die 27 Jahre jüngere Eugénie hatten sich in Bettemburg kennengelernt, wo diese bei ihren Großeltern oft ihre Ferien verbrachte. Im August 1884 heirateten die beiden in Kruth. Jean-Pierre Schuman war so wohlhabend, dass er fortan als Privatier leben konnte.

Das Ehepaar ließ sich in Luxemburg nieder, da für Eugénie das neutrale Land nach wie vor ihre Heimat war und Jean-Pierre das freiwillige Exil dem Leben in Lothringen vorzog. Elsass-Lothringen war nach dem Deutsch-Französischen Krieg im sogenannten Frankfurter Frieden im Mai 1871 vom Deutschen Kaiserreich annektiert worden. Das frisch vermählte, altersmäßig recht ungleiche Paar mietete die kleine Villa Feyden im Vorort Clausen, der verwaltungsmäßig schon damals zur Hauptstadt gehörte. Von dem Gebäude, das Schumans Vater später erwarb, blickt man über das Tal der Alzette auf die malerische Silhouette der heute zum Weltkulturerbe gehörenden Altstadt mit ihren imposanten Festungsanlagen. Hier kam Robert Schuman am 29. Juni 1886 um zwei Uhr nachts zur Welt; seine Eltern bekamen keine weiteren Kinder.

Das Kind wurde zehn Tage nach der Geburt auf die Namen Jean-Baptiste, Nicolas, Robert in der Pfarrkirche von Clausen getauft.

Clausen hatte zu jener Zeit einen dörflichen Charakter, und die luxemburgische Hauptstadt mit ihren damals gerade 20 000 Einwohnern war politisch und wirtschaftlich nicht vergleichbar mit dem heutigen einflussreichen Zentrum der Finanzwelt und Sitz des Europäischen Gerichtshofs. Die große Politik spielte damals in den Machtmetropolen Berlin und Paris; viele Luxemburger gingen über die Grenze im Trierer Raum zur Arbeit. Drei von Robert Schumans Großeltern stammten aus Luxemburg: die Großmutter väterlicherseits sowie die Eltern seiner Mutter. Die Deutschen hatten den Lothringern nach der Annektierung für kurze Zeit – bis Anfang Oktober 1872 – die Wahl gelassen, die französische Staatsangehörigkeit zu behalten und dann nach Frankreich zu emigrieren. Ein Drittel der lothringischen Bevölkerung tat diesen Schritt. Roberts sehr heimatverbundener Vater war widerwillig deutscher Staatsbürger geworden. Durch die Eheschließung bekam auch die Mutter einen deutschen Pass, und so war auch der Sohn in den ersten 32 Jahren seines Lebens Deutscher. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, im Herbst 1918, als Elsass-Lothringen wieder zu Frankreich gehörte, wurde er Franzose. Sich selbst empfand er vor allem als Lothringer; sein lothringischer Patriotismus war eindeutig ein Einfluss seines Vaters. Robert Schuman bezeichnete Lothringen als "mon petit pays", was mit "Heimat" wohl am treffendsten zu übersetzen ist.

Eine seiner frühesten Kindheitserinnerungen war ein starkes patriotisches Erlebnis: Als Vierjähriger war er bei der Begrüßung des neuen Großherzogs Adolph zugegen, der 1890 nach dem Tod des

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen