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Technik und Wirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert von Kleinschmidt, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2010
  • Verlag: De Gruyter Oldenbourg
eBook (PDF)
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Technik und Wirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert

Christian Kleinschmidt spannt in seinem technikgeschichtlichen Überblick den Bogen von der Hand-Werkzeug-Technik der Frühindustrialisierung bis hin zu den Innovationen in der Informations- und Gentechnologie des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Themen sind der Übergang zur Massenproduktion, die Probleme der Rationalisierung und die Autarkiewirtschaft. Deutlich werden stets die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und technologischer Entwicklung. In bewährter Weise diskutiert der Autor die aktuelle Forschung und bietet durch die umfangreiche, thematisch gegliederte Bibliographie eine grundlegende Einführung für Studierende der Neueren und Neuesten Zeit sowie der Technik- und Wirtschaftsgeschichte.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 201
    Erscheinungsdatum: 01.10.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783486701487
    Verlag: De Gruyter Oldenbourg
    Größe: 729 kBytes
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Technik und Wirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert

II. Grundprobleme und Tendenzen der Forschung (S. 75-76)

1. Technikgenese, Technikrisiken, Technikfolgen

Die Technikgeneseforschung, in deren Mittelpunkt die Frage nach der Entstehung neuer Techniken steht, ist ein junger Forschungszweig der in den 1980er Jahren zunächst im Bereich der sozialwissenschaftlichen Technikforschung, der Technik- und Industriesoziologie rezipiert wurde [37: M. DIERKES, Technikgenese als Gegenstand, 61: W. RAMMERT, Technikgenese] und schließlich auch die Technikgeschichte beeinflusste. Der Ansatz führte nicht nur zu einer "Soziologisierung der Technikgeschichte, sondern auch zu einer Historisierung der Techniksoziologie" (J. WEYER). Die Technikgeneseforschung geht davon aus, dass wechselnde Akteurskonstellationen den Prozess technischer Innovationen tragen, der idealtypisch in drei Phasen, die Entstehung, die Stabilisierung und die Durchsetzung zu untergliedern ist und dabei einen kontingenten Prozess beschreibt.

Als Phasenmodell erinnert die Technikgeneseforschung an die historische Innovationsforschung, die die Entwicklung neuer Technologien in Anlehnung an Joseph A. Schumpeter (1883-1950) in einem engen Verhältnis von Technik und Wirtschaft analysiert. Schumpeter sah in Innovationen den eigentlichen Motor wirtschaftlichen Wachstums und im "dynamischen Unternehmer" den wichtigsten Akteur bei der Durchsetzung "neuer Kombinationen", die wiederum die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren in einem Dreischritt von der Invention über die Innovation bis zur Diffusion nach sich zog [63: J. SCHUMPETER, Theorie].

Bis in die 1970er Jahre hinein war die deutsche Technikgeschichte vor allem Innovationsgeschichte, bei der die Erfindung und der Erfinder im Mittelpunkt standen. Die Innovationsgeschichte in Anlehnung an Schumpeter konzentrierte sich dann ab den 70er Jahren auf Fragen der technischen Entwicklung, auf Verbesserungsinnovationen, auf die Diffusion und den Transfer von Technik zunächst mit Blick auf den Zeitraum der Industrialisierung [19: J. RADKAU, Technik, 66ff., 115ff., 69: W.WEBER, Innovationen, 59: F. R. PFETSCH, Innovationsfor schung]. Die Bedeutung technischer Innovationen und die Tatsache, dass diese an vorausgegangene Entwicklungen anknüpften, durch historische Konstellationen und soziale Milieus geprägt waren, hat TH. P. HUGHES mit dem Begriff des "technologischen Momentum" zum Ausdruck gebracht (48: Das "technologische Momentum"].

Hughes war es schließlich auch, der am Beispiel der Energieversorgung den Begriff des Netzwerks und der großtechnischen Systeme in die deutsche Technikgeschichtsschreibung einführte und damit die Verbindungen zur Techniksoziologie und Technikgeneseforschung enger knüpfte [49: TH. P. HUGHES, Networks of Power]. Während die historische Innovationsforschung in den 1970er Jahren einen Schub durch die wirtschaftliche Rezession 1966/67 und ein vermeintliches Innovationsdefizit der Wirtschaft erfuhr, wirkte die Strukturkrise ab Mitte der 1970er Jahre auf die Diskussion über gesamtgesellschaftliche Probleme des technischen Wandels in Form neuer methodischer und interpretativer Ansätze ein, wobei das Konzept der Technikgenese im Verbund von Forschungs- und Hochschulinstitutionen sowie den Bundesministerien für Bildung und Forschung sowie für Forschung und Technologie rezipiert wurde. Sozialwissenschaftliche Forschungen über Verkehrs- und Kommunikationstechnologien bezogen historische Erklärungsansätze in Form der Technikgeneseforschung in ihre Überlegungen mit ein, wobei sie besonders die Funktion von Leitbildern als "kognitive Aktivatoren" und "individuelle Mobilisatoren" betonen [39: M. DIERKES/U. HOFFMANN/L. MARZ, Leitbild und Technik].

Die Technikgeneseforschung setzte sich neben Fragen zur Entstehung und Entwicklung von Technik auch mit technischen Risiken, Mängeln und Defiziten in Anlehnung an die anglo-amerikanische Technology-Assessment-Forschung auseinander. Die

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