text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Von Berlin nach New York Ein Leben in zwei Welten von Heyden, Karl M. von der (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2019
  • Verlag: be.bra verlag
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Von Berlin nach New York

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere saß Karl M. von der Heyden im Vorstand amerikanischer Unternehmen wie Heinz und PepsiCo. Seine Wurzeln aber liegen in Berlin, wo er 1936 geboren wurde. In diesem Buch beschreibt er seine Erlebnisse als Kind und Jugendlicher im kriegszerstörten Deutschland und seinen Weg in die USA, wo er 1957 ein Studium an der Duke University aufnahm. Entstanden ist die bewegende Geschichte eines Mannes, der sich erst aus der Distanz heraus mit den Verstrickungen der eigenen Familie in den Nationalsozialismus auseinandersetzen kann und der sich zugleich mit Mut und Entdeckerfreude auf ein neues Leben einlässt. Karl M. von der Heyden, geboren 1936 in Berlin, ging 1957 in die USA, um ein Studium an der Duke University in North Carolina zu absolvieren. Später nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an und arbeitete als leitender Manager und Aufsichtsrat in verschiedenen US-Unternehmen, unter anderem bei PepsiCo, der H. J. Heinz Company und Dreamworks Animation. 1998 war er Mitbegründer der American Academy in Berlin. Karl M. von der Heyden lebt mit seiner Frau in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 01.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839301395
    Verlag: be.bra verlag
    Größe: 7834 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Von Berlin nach New York

Die Welt, in die ich hineingeboren wurde

1936 war ein bedeutendes Jahr für meine Heimatstadt. Berlin hatte den Zuschlag für die Olympischen Spiele erhalten, und Hitler tat alles dazu, die Spiele zu einem Propagandaerfolg für das Nazi-Regime zu machen. Er wollte der Welt ein friedliches Deutschland zeigen und setzte dafür sogar zeitweise die Verfolgung der Juden und anderer Minderheiten aus. So gelang es ihm, eine unkritische Welt zum Narren zu halten.

Dies ist die Welt, in die ich hineingeboren wurde, am 18. Juli 1936 in einer Frauenklinik im Bezirk Wilmersdorf. Ich sorgte gleich für Probleme. Meine Eltern hatten Tickets für die Olympischen Spiele, aber meinetwegen verpasste meine Mutter die Eröffnungsfeier.

Das Haus, in dem ich aufwuchs, liegt am Rande von Berlin, aber noch innerhalb der Stadtgrenzen. Unsere Wohngegend war die Weinmeisterhöhe im Bezirk Spandau, etwa fünfzehn Kilometer vom Stadtzentrum. Wir wohnten westlich der Havel, in einer relativ dünn besiedelten und hügeligen Gegend. Mein Vater baute auf einem halben Hektar Land ein Haus mit großartigem Blick über den Fluss, der sich direkt unter uns zu einem See von einem Kilometer Durchmesser verbreiterte.

Mein Leben, zumindest in den ersten Jahren, verlief recht privilegiert. Das Haus hatte viele Zimmer und sogar einen gesonderten Flügel für meine Großmutter väterlicherseits. Wir hatten ein Kindermädchen und eine Köchin, die bei uns wohnten. Wir hatten auch eine Schneiderin, eine ältere Frau, die jedes Jahr mehrere Wochen bei uns wohnte. Sie erledigte alle Näharbeiten und fertigte neue Kleidungsstücke für die Familie an. Das war damals eher ungewöhnlich, aber mein Vater hatte in seiner Position ein gutes Einkommen, sodass wir uns diesen Luxus leisten konnten.

Mein Vater war Ingenieur für Flugzeugdesign und bei Junkers angestellt. Er hatte dort in den 1920er-Jahren angefangen und wurde später, als Junkers mit Lufthansa fusionierte, einer der führenden Ingenieure.

Die Lebensgeschichte meines Vaters ist so verworren wie die Zeiten, in denen er lebte. Er wurde 1894 als Werner Müller in Duisburg geboren, wuchs aber in Kauffung im heute polnischen Schlesien auf. Sein Vater wiederum war als Industrieller in der Stahl- bzw. Kohle-Produktion tätig. In den 20er-Jahren beging er Selbstmord. Über die möglichen Gründe kursierten zwei Versionen: eine, dass er dies aus Verzweiflung tat, als sein Unternehmen in einer finanziellen Krise scheiterte; die andere, dass eine Affäre mit seiner Haushälterin bekannt wurde. Welche Version stimmt, weiß ich nicht.

Mein Vater wurde vor dem Ersten Weltkrieg Kadett an der deutschen Marineschule. Im Rahmen seiner Ausbildung segelte er nach Mittelamerika, Kuba und Florida. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde er einem Kreuzer zugeteilt und war an mehreren Seegefechten beteiligt, einschließlich dem größten im Ersten Weltkrieg, der Skagerrak-Schlacht vor Jütland. Er sprach nicht viel über seine Kriegserlebnisse, aber ich erinnere mich, dass er Jütland erwähnte. Nach seinen Worten konnten sie die feindliche britische Flotte kaum sehen, als sie sich gegenseitig beschossen. "Manchmal war nur der Qualm der Schlote über dem Horizont zu erkennen." Dadurch wurden die Schlacht und das Töten ziemlich "unpersönlich".

Die deutsche Niederlage führte nach Kriegsende zum Versailler Vertrag, nach dem Deutschland nur sehr begrenzt Truppen unterhalten durfte. Die zugestandenen militärischen Einrichtungen reichten allenfalls zur Selbstverteidigung.

Viele Militärs und die Zivilbevölkerung wurden vom Kriegsausgang völlig überrascht, glaubten vielmehr bis kurz vor Schluss an einen Sieg. Die maßlose Enttäuschung machten sich dann die Nationalsozialisten zunutze: Es habe eine Verschwörung gegen Deutschland durch Kommunisten und Juden gegeben. Diese Legende konnte sich a

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen