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Botschaften aus dem Alten Rom Die besten Graffitti der Antike von Weeber, Karl-Wilhelm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.02.2019
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Botschaften aus dem Alten Rom

Cicero ist langweilig? Caesar nervt? - Antike geht auch anders: Nachrichten aus der Schule, Gedanken über Liebesfreud und Liebesleid, politische Parolen oder ganz einfach wüste Beschimpfungen - nirgendwo sonst spiegelt sich der Alltag der Antike besser wider als in den Graffiti, wie sie an den Wänden Pompejis zu finden sind. Der renommierte klassische Philologe und Althistoriker Karl-Wilhelm Weeber präsentiert uns eine Auswahl der amüsantesten Botschaften aus dem alten Rom. Es zeigt sich: Die Römer waren auch nur Menschen. Karl-Wilhelm Weeber, Prof. Dr., geb. 1950, war Direktor des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums in Wuppertal und ist Professor für Alte Geschichte an der dortigen Universität. Er ist Autor zahlreicher erfolgreicher Sachbücher, in denen er einen leichten und humorvollen Zugang zu der Welt der Antike eröffnet. Im Herbst 2019 wird sein neuestes Buch bei Herder erscheinen: 'Spectaculum. Die Erfindung der Show im antiken Rom'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 18.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451816352
    Verlag: Verlag Herder GmbH
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Botschaften aus dem Alten Rom

I. "SÜSS IST DIE LIEBE FÜR UNSERE SEELE" -
EIN POTPOURRI VON LIEBESFREUD UND LIEBESLEID

Der eine schnitzt auf verschwiegener Waldlichtung ein Herzchen mit den Namen der Liebenden in einen Baum, der andere erklärt seiner Angebeteten - deutlich weniger romantisch, dafür aber unübersehbar - mit riesigen Lettern auf einer Autobahnbrücke, dass er sie liebe, der dritte bedient sich der guten alten Wandinschrift, um seine Herzensgrüße zu dokumentieren - und kaum einer weiß vermutlich, in welch lange Tradition er sich damit stellt: Mit diesem im wahrsten Sinne klassischen Graffitithema wollen wir die vorliegende Sammlung beginnen. Es ist ein facettenreiches Bild, das sich da auf den Wänden Pompejis darbietet: Jubelrufe erfüllter Liebe neben bitterer Enttäuschung, Anklagen wegen seelischer Grausamkeit neben heißen Treueschwüren, schwärmerische Verehrung neben der lakonischen Feststellung von Liebesverhältnissen und knappen Anwesenheitsnotizen, eifersüchtige Kommentare verschmähter Nebenbuhler neben herzlichen Wünschen für das Wohlergehen der Geliebten. Auffällig ist die Dominanz der Männer; Frauen treten als Graffitischreiber nur selten in Erscheinung - eine Beobachtung, die sich auch auf andere Graffitithemen übertragen lässt, wenngleich dort der konkrete Nachweis schwerer fällt. Offenbar hielten sich Frauen auch in dieser Aktivität an die Konventionen der römischen Gesellschaft: Zum einen in der Öffentlichkeit nur zurückhaltend in Erscheinung zu treten, zum anderen bei der Anbahnung und Festigung von Liebesbeziehungen den Männern die wesentlich aktivere Rolle zu überlassen.

Graffiti reizen ihre Leser zu Kommentaren, zu Widerspruch und Nachahmung. Das war bei vielen Kritzeleien auf pompejanischen Wänden nicht anders. Die interaktiven Chancen dieser Textsorte wurden von manchen Zeitgenossen gern wahrgenommen. Und so entwickelte sich gerade im erotischen Spannungsfeld zwischen Liebe und Eifersucht der eine oder andere Graffitidialog: Wer nun das Herz der Iris, ihres Zeichens Sklavin einer Schankwirtin, wirklich erobert hat - der Weber Successus, der nach eigener Aussage der Schönere war, oder sein anonymer Rivale, der die "Abfuhr" des Successus beschreibt -, werden wir wohl nie erfahren. Es sei denn, auch Iris hätte schreiben können, hätte zum stilus gegriffen, hätte sich auf einer anderen Wand eindeutig zu ihrer Präferenz bekannt, und dieses Graffito käme bei künftigen Ausgrabungen noch ans Licht ...

1. Cestilia, regina Pompeianoru(m), anima dulcis, va(le)! 2413h

Cestilia, Königin der Pompejaner, süße Seele, lebe wohl!

2. Si quis non vidi(t) Venerem, quam pin(xit Apelles),

pupa(m) mea(m) aspiciat: talis et i(lla nitet). 6842; Distichon

Wenn einer die Venus noch nicht gesehen hat, die Apelles gemalt hat,

dann sehe er meine Puppe an: So erstrahlt auch sie.

der berühmteste Maler der Antike, Zeitgenosse Alexanders des Großen

3. Methe Cominiaes Atellana amat Chrestum. Corde (si)t utreisque Venus Pompeiana propitia et sem(per) concordes veivant! 2457

Die Schauspielerin Methe, Sklavin der Cominia, liebt Chrestus. Möge den beiden die Venus von Pompeji von Herzen gewogen sein, und mögen sie stets in Eintracht leben!

4. Sic (t)ib(i) contingat semper florere, Sabina;

contingant formae sisque puella diu. 9171; Distichon

So stets zu blühen, sei dir vergönnt, Sabina!

Schönheit sei dir vergönnt und dass du lange ein (schönes) Mädchen bleibst!

5. Sei, quid amor valeat, nostei, sei te hominem scis,

commiseresce mei, da veniam, ut veniam;

flos Veneris, mihi de(s) - 4971; Distichon

Wenn du weißt,

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