text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das klassische Griechenland Der Krieg und die Freiheit von Schmidt-Hofner, Sebastian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.03.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das klassische Griechenland

Es waren Politiker wie Kleisthenes, Themistokles und Perikles, Dichter wie Aischylos, Sophokles und Euripides, Historiker wie Herodot und Thukydides, Philosophen wie Sokrates, Platon und Aristoteles sowie Künstler wie Phidias und Praxiteles - um nur einige wenige zu nennen -, die jeder auf seinem Gebiet Entwicklungen in Gang setzten, die noch Jahrtausende später bewundernswürdig und nachahmenswert erschienen. Historiker des 19. und 20. Jahrhunderts bannten die wahrgenommene Vollkommenheit und die empfundene Vorbildlichkeit in dem Begriff der Klassik - und ließen sie erstarren. Damit aber tat man der so bezeichneten Epoche des 5. und 4. Jahrhunderts der griechischen Geschichte unrecht, denn sie ist so reich an Dramatik, Spannung und Widersprüchen, an intellektueller Brillanz und abstoßendem Zynismus, an ästhetischen Höhepunkten und verstörender Bestialität, daßsie sich nicht auf einen einfachen Nenner bringen läßt. In diesem faszinierenden Buch wird die Geschichte eines bemerkenswerten Zeitalters, das zwischen Krieg und Freiheit oszilliert, neu erzählt. Sebastian Schmidt-Hofner lehrt Alte Geschichte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Im Verlag C.H.Beck ist von demselben Autor lieferbar: Reagieren und Gestalten. Der Regierungsstil des spätrömischen Kaisers am Beispiel der Gesetzgebung Valentinians I. (Vestigia 58, 2008); derzeit arbeitet er an einer Monographie mit dem Titel: Attika. Landschaft und Polis im klassischen Athen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 373
    Erscheinungsdatum: 22.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406679162
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 5880 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das klassische Griechenland

EINLEITUNG

An einem Vormittag Ende der 390er Jahre[ 1 ] versammelte sich die Einwohnerschaft des Stadtstaates Athnai[ 2 ] - Bürger und Nichtbürger, Männer, Frauen und Kinder -, um den Gefallenen eines Krieges die letzte Ehre zu geben, den Athen in diesen Jahren im Bund mit Kórinthos, Thbai (Theben) und anderen Gemeinwesen gegen Spárta führte. Die Gefallenen hatte man drei Tage lang in der Stadt aufgebahrt; jetzt geleitete sie die Trauergemeinde in feierlicher Prozession in ein von hohen Zedern und Pinien überschattetes Parkgelände vor den Toren der Stadt an der westlichen Ausfallstraße, wo neben vielen privaten auch die öffentlichen Grabmonumente standen. Dort, im Kerameikós, der "schönsten Vorstadt", wie ein Zeitgenosse schreibt, wurden die Leichname der Gefallenen in einem Staatsgrab beigesetzt, über dem man große Marmorstelen errichtet und diese mit den Namen der Toten versehen hatte. Im Anschluß an die Totenklage und die Bestattung richtete ein von der Stadt bestellter Redner das Wort an die versammelten Athener. Die Grabrede (griechisch epitáphios lógos ) in diesem Jahr hatte der bekannte athenische Redenschreiber Lysías verfaßt. Ob er sie selbst gehalten hat, ist umstritten, da Lysias zwar lange schon in Athen ansässig war, aber kein Bürgerrecht besaß - die ehrenvolle Aufgabe des Grabredners wahrzunehmen war wohl Bürgern vorbehalten. Vielleicht ist die Rede, wie sie auf uns gekommen ist, sogar nur eine Musterrede für einen entsprechenden Anlaß. Doch wie auch immer: Sie bietet jedenfalls ein typisches Beispiel für diese Gattung von Staatsreden. Trost zu spenden und der Trauer der Hinterbliebenen gerecht zu werden spielten in ihnen nur eine untergeordnete Rolle. Ihr eigentlicher Zweck war es, die Gefallenen als vorbildliche Bürger zu rühmen, die sich kämpfend für ihre pólis , ihr Gemeinwesen, geopfert hatten, und die versammelten Athener auf dieses Vorbild zu verpflichten. Zu diesem Zweck rief man mit solchen Reden der Trauergemeinde all das in Erinnerung, was die gemeinsame Identität und den Stolz der Polis ausmachte: Athens führende Stellung in der griechischen Welt, seine freiheitlich-egalitäre innere Ordnung, seine Wehrhaftigkeit. Und fast immer taten die Redner dies, indem sie die glanzvollen Taten Athens seit der mythischen Vorzeit rühmten; die Kriegstaten der jetzt Betrauerten verschwammen so mit denen ihrer Vorväter in einem überzeitlichen heroischen Kontinuum, das auch die am Grab versammelten Athener einschloß und ihnen ein zur Nachahmung verpflichtendes Exempel vor Augen stellte.

Auch Lysias' Grabrede ging so vor. Sie rief den versammelten Athenern zunächst den Sieg ihrer Vorfahren über die sagenhaften Amazonen in Erinnerung, ihren Kampf für das Bestattungsrecht der Sieben, die gegen Theben gezogen waren, und die Verteidigung der schutzsuchenden Kinder des Herakls gegen ihren Verfolger Eurystheús - alles Begebenheiten einer zwar sagenhaften, von den Zeitgenossen aber historisch gedachten Vergangenheit, die zum kanonischen Wissen der Athener um ihre älteste Geschichte gehörten. Den Höhepunkt dieser heroischen Tatenfolge bildete eine lange, ein Drittel der Rede umfassende Schilderung der athenischen Leistungen in den Perserkriegen zu Beginn des 5. Jahrhunderts: Als das Heer des Perserkönigs im Jahr 490 in Márathon in Attika landete, da, so erzählte der Redner, "erwogen unsere Vorfahren die Gefahren des Krieges nicht lange; ... sie fürchteten nicht die Menge der Gegner, sondern vertrauten ihrer eigenen Tapferkeit" und "errichteten so ein Siegesmal über die Barbaren zur Ehre von Hellás" (
21-6). Einige Jahre später (481), so die Rede weiter, griff der Großkönig selbst mit noch größerer Heeresmacht an. Doch wieder stellten sich die Athener "den Massen aus Asien" und erfochten in mehreren Schlachten den Sieg. Es folgten Taten aus dem innergriechischen Krieg um die Mitte des 5. Jahrhunderts, den wir den Ersten Peloponnesischen Krieg nennen, sowie ein

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen