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Die Römer in Germanien von Wolters, Reinhard (eBook)

  • Verlag: Verlag C.H.Beck
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Die Römer in Germanien

'?Als die Römer frech geworden, zogen sie nach Deutschlands Norden.' Unübersehbare Zeugnisse des sprichwörtlichen römischen Expansionsdrangs begegnen uns heute noch allenthalben in Deutschland als Kastelle oder Reste des Limes. Aber der Kontakt zwischen Römern und Germanen gestaltete sich weit vielfältiger, als es solche Verteidigungsanlagen erkennen lassen. Spannend und informativ stellt Reinhard Wolters die rund 500-jährige Geschichte der Römer in Germanien und ihre weitreichenden, Kultur und Gesellschaft unserer Heimat prägenden Folgen dar. Professor Reinhard Wolters lehrt an der Universität Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 129
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406729553
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 7990 kBytes
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Die Römer in Germanien

1. Die geographischen und ethnographischen Vorstellungen von Nordeuropa in der Antike

Der europäische Norden wurde den Römern erst spät bekannt. Als das Römische Reich bereits Italien, Griechenland, Kleinasien, Syrien, Nordafrika und Spanien umfasste und die ganze Mittelmeerwelt kontrollierte, standen die geographisch weitaus näher gelegenen nördlichen Gebiete, schon mit dem Alpenraum beginnend, noch außerhalb römischer Kontrolle - und weitgehend außerhalb des römischen Erfahrungsbereichs.

Kursorisch waren auch die geographischen Kenntnisse der Römer über Nord- und Nordwesteuropa. Die früheste, stark von philosophischen Ordnungsvorstellungen geprägte griechische Geographie kannte drei Erdteile, nämlich Europa, Asien und Afrika, die in die Fläche übertragen einen Kreis füllen würden. Durch Mittelmeer und Arabischen Golf getrennt, nahmen Europa danach die obere Hälfte, Afrika und Asien in annähernd symmetrischer Form je ein unteres Viertel ein. Rings umgeben wurden die kontinentalen Landmassen von dem Oceanus . Zu ihm öffnete sich das Mittelmeer hinter der Meerenge von Gibraltar, doch auch der Arabische Golf oder das Kaspische Meer galten als Einbuchtungen des Ozeans.

Kolonisation, bereits wissenschaftlich angelegte Erkundungen, Handelsbeziehungen und politische Kontakte, vor allem aber die Expansion des Alexanderreiches trugen dazu bei, dass die Kenntnisse über den Mittelmeerraum, über Afrika und insbesondere Asien erheblich verbessert und differenzierter wurden. Die Summe des Wissens aus spekulativen Weltbildern, mathematisch-astronomischen Berechnungen und vielfacher Empirie trug im 3. Jahrhundert v. Chr. der griechische Gelehrte Eratosthenes von Kyrene zu einer Geographie und einer weiteren Schrift über die Erdmessung zusammen, wodurch er für lange Zeit zur maßgeblichen Autorität auf diesem Gebiet wurde (Abb. 1). Zu seinen besonderen Leistungen zählt die mit 252.000 Stadien (das entspricht 36.690 Kilometern) erstaunlich genaue Berechnung des Umfangs der Erdkugel, deren Oberfläche er zugleich schon in Längen- und Breitenkreise einteilte.

Der Westen Europas mit Italien und Spanien wurde von ihm relativ genau beschrieben, doch der Norden verlor sich immer noch in einer eher schematischen Landmasse. Das Kaspische Meer galt ihm weiterhin als zum Ozean hin offen, und die Rheinmündung setzte er auf fast dieselbe Breite wie die Nordküste des Schwarzen Meeres.

Während das Schwarze Meer durch die griechische Kolonisation seit Jahrhunderten bekannt war und man annahm, dass nördlich davon bis zum Ozean die Skythen lebten, lag an konkreten Erkundungen für das westlich davon angesetzte Gebiet der Kelten im Prinzip nur die berühmte Beschreibung der Nordfahrt des Pytheas vor. Am Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. war der Seefahrer und Geograph von Massalia (Marseille) aus über den Atlantischen Ozean bis Britannien vorgestoßen und hatte die Insel umfahren. Anschließend segelte er weiter durch die Nordsee Richtung Osten, doch es ist unsicher, wie weit er gelangte. Jütland dürfte von ihm nicht mehr umschifft worden sein. Pytheas erwähnte in diesem Raum das Wattenmeer, berichtete von Bernsteinvorkommen und nannte mit den Guionen und Teutonen erste Völkernamen dieser nördlichen Region.

Abb. 1 : Die Erdkarte des Eratosthenes (Rekonstruktion)

Nahmen Griechen wie Römer im äußersten Norden noch für lange Zeit die Existenz von allerlei Fabelvölkern an - wie etwa die sich allein von Sumpfvogeleiern und Hafer ernährenden Oenonen, die pferdefüßigen Hippopoden und die nur durch ihre großen Ohren bekleideten Panuatier -, so wurden die konkreten Vorstellungen der Römer von den im Norden wohnenden Menschen durch die Erfahrungen des Keltensturms geprägt: Um das Jahr 387 v. Chr. war es bis nach Italien vorges

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