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Herodes der Große von Günther, Linda-Marie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Herodes der Große

Herodes der Große verdankt seinen festen Platz in der europäischen Erinnerungskultur einer Verleumdung: Er ist nicht der ?Kindermörder von Bethlehem? - das Neue Testament hat ihm diese Rolle des ersten Schurken in der Heilsgeschichte angedichtet. Er ließ auch nicht Johannes den Täufer töten, weil die schöne Salome zum Lohn für ihren Tanz beim Gastmahl den Kopf des Propheten gefordert hatte - dafür war vielmehr sein Sohn Herodes Antipas verantwortlich. Wer aber war Herodes der Große? Er entstammte einer einflussreichen idumäischen Familie, begann seine ?Karriere? am Hof des hasmonäischen Königs und wurde schließlich vom römischen Senat zum König von Judäa ernannt. Es ist eindrucksvoll, wie es Herodes gelang, sich in jenen turbulenten Jahren des römischen Bürgerkrieges in Jerusalem an der Macht zu halten. Als ?Realpolitiker? war er ein flexibler Machthaber in der Tradition hellenistischer Monarchen, der seinem Land wirtschaftliche Blüte und eine erfolgreiche Außenpolitik brachte. Linda-Marie Günther, geb. 1952, ist Professorin für Alte Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 279
    Erscheinungsdatum: 01.06.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534729982
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 5224 kBytes
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Herodes der Große

Vorwort der Autorin

"Ein Idumäer ... erwarb sich in Judäa ein Königreich, wie man sich ein Vermögen erwirbt, und erkämpfte sich kühn und raffiniert die heilige Krone Salomons und Josaphats. Er erwies sich als ein guter Beamter ... und als harter, grausamer Mann. Er erbaute den Tempel, gründete Caesarea, schaffte seinem Volk in Zeiten des Hungers zu essen und ermordete alle seine Feinde. Dies war Herodes der Große."

(Anatole France, 1892)

In der Reihe der Monographien über bedeutende Gestalten der Antike darf der judäische König Herodes I. nicht fehlen. Erstens war er ein 'Großer' in der Geschichte seines Volkes und Landes, zweitens hat er einen festen Platz in der historischen Erinnerung der Europäer, drittens vermittelt uns die literarische Überlieferung ein deutliches Bild von seinen Taten, Motiven und Wesenszügen. Als vierter Punkt ließe sich anführen, dass die internationale Spatenforschung der letzten Jahrzehnte viel zur Ergänzung des literarischen Bildes beigetragen hat. Daher fiel meine Wahl ohne Zögern auf Herodes, als ich von Herrn Kollegen Clauss die Einladung erhielt, in seiner Biographien-Reihe eine Persönlichkeit zu behandeln.

Inzwischen wüsste ich viele Punkte, unter denen von der Wahl Herodes' I. für eine Biographie abzuraten wäre; einige möchte ich benennen:

Erstens verdankt Herodes seinen festen Platz in der europäischen Erinnerungskultur einer Verleumdung, denn er ist nicht der 'Kindermörder von Bethlehem' im Neuen Testament, dem das Matthäusevangelium die Rolle des ersten Schurken der Heilsgeschichte angedichtet hat. Außerdem hat nicht er, sondern sein Sohn Herodes Antipas, den Tod Johannes' des Täufers auf dem Gewissen.

Zweitens ist das Bild, das der antike jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus überliefert, alles andere als zuverlässig - oder gar 'objektiv', und zwar nicht nur, weil seine Werke drei Generationen später entstanden.

Drittens bedient der Buchmarkt das Interesse an Herodes recht gut, zugleich entzieht sich allerdings das Sujet einem einfachen Forschungsresümee. Als historiographisches Objekt ist Herodes nämlich im Verständnis jüdischer - wie auch nichtjüdischer - Geschichtsschreibung keine Frage der Vergangenheit, sondern ein gegenwärtiges Menetekel. Als ein Fall für die wissenschafts- und zeitgeschichtliche Analyse hängt die Bewertung der historischen Persönlichkeit des Herodes auch mit der Bedeutung des Flavius Josephus zusammen, der zudem selbst als Zeitzeuge des 'Jüdischen Krieges', der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem und der römischen Eroberung Masadas nicht unumstritten ist.

Wer sich mit Herodes, dem König von Judäa, beschäftigen will, kann heutzutage auf eine Reihe älterer und neuerer Monographien zurückgreifen, unter denen diejenige von Abraham Schalit weiterhin unverzichtbar ist. Das dicke Standardwerk, das 1960 in hebräischer, 1969 in deutscher Sprache publiziert wurde, liegt dankenswerterweise seit 2001 in einem Nachdruck vor, dem ein aufschlussreiches Vorwort von Daniel R. Schwartz beigegeben ist.

Im Jahr 1929, in dem Schalit aus Wien nach Palästina übersiedelte, erschien "Das Haus des Herodes" von Hugo Willrich, der schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts den Plan zu diesem Buch gefasst hatte. Der vollständige Titel "Das Haus des Herodes zwischen Jerusalem und Rom" verdeutlicht das Anliegen dieses Autors, "die zwischen jenen beiden Welten gähnende Kluft zu überwinden". Da seine Perspektive eine spezifisch kulturgeschichtliche ist - oder doch zu sein vorgibt -, setzt er sich viel weniger als Schalit mit der Aufbereitung des bisherigen Forschungsstandes durch Walter Otto auseinander, die der damals noch junge Gelehrte, der später München zu einem Zentrum der Hellenismusforschung machte, 1913 für die Real-Encyclopädie von Pauly und Wissowa vorgelegt hatte.

Wie instruktiv Untertitel zumal bei Herodes-Biographien sein können, zeigen nicht nur Schalit

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