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Neues über die alten Römer Von A wie Aftershave bis Z wie Zocker von Weeber, Karl-Wilhelm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2015
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Neues über die alten Römer

Öffentliche Latrinen ohne Trennwände - wo gab's denn sowas? Im alten Rom! Überraschendes und Spektakuläres, allemal Wissenswertes zu Alltag, Geschichte, Politik und Wirtschaft verbindet Karl-Wilhelm Weeber zu einem ebenso informativen wie unterhaltsamen Römer-Schmöker. In kurzen Artikeln von A bis Z beantwortet der Autor die neugierigen und durchaus aktuellen Fragen zur römischen Zivilisation, die ihm immer wieder gestellt werden. Gab es eigentlich Verkehrsregeln im alten Rom? Wie funktionierten Polizei und Justiz? Wie gingen die Römer mit Außenseitern, Migranten und Kriminellen um? Was war angesagt? Nahmen die Römer Sonnenbäder, kannten sie Deo und Aftershave? Dazu bietet er Superlative und Rekorde aus unterschiedlichen Lebensbereichen: vom ältesten Menschen bis zu den schlimmsten Naturkatastrophen der römischen Welt. Darüber hinaus geht es um Archäologie und Topographie der Ewigen Stadt, um Magie und Zukunftsforschung. Karl-Wilhelm Weeber, geb. 1950, ehem. Direktor des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums Wuppertal, ist Honorarprofessor für Alte Geschichte an der Universität Wuppertal sowie Lehrbeauftragter für die Didaktik der Alten Sprachen an der Ruhr-Universität Bochum. Er hat zahlreiche Bücher zur römischen Kulturgeschichte verfasst.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 01.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806231793
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 4313 kBytes
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Neues über die alten Römer

Altersarmut

"Worin besteht eigentlich der Reiz eines aufgeschichteten Geldhaufens?" (quid habet pulchri constructus acervus) fragt der Satiriker Horaz provokant, um die ungezügelte Gier der Menschen nach materiellen Reichtümern zu tadeln (sat. I 1, 44). Zielscheibe seiner Kritik ist das Raffen von Geld und Vermögen um seiner selbst willen - sicher ein Thema, das seine Aktualität nach 2000 Jahren nicht verloren hat. Als Typus des uneinsichtigen Geizkragens, der seinen Reichtum nicht nutzt, sondern allein daran Gefallen findet, modern gesprochen, seine Konto-, Depot- und Grundbuchauszüge anzusehen, führt Horaz einen legendären Alten aus Athen an. Der gibt auf das Getuschel der Leute über seinen notorischen Geiz nichts. Sondern: "Ich klatsche mir daheim selbst Beifall, sobald ich die Goldstücke in der Truhe anschaue" (V. 66f.).

Dieser autonom sich dünkende Greis war von Altersarmut offenkundig nicht betroffen. Aber es gab natürlich genügend andere, die eben die von Horaz kritisierte Sparmentalität an den Tag legten, "um sich im Alter in eine gesicherte Muße zurückziehen zu können" (V. 31) - und die es dann mit der Vorsorge gelegentlich so übertrieben, dass sie kaum noch an anderes dachten. Angesichts der im Alter drohenden Ermattung und nachlassenden Leistungsfähigkeit war es ja nicht verkehrt, sich rechtzeitig einen "Vorrat" oder "Haufen" anzulegen, von dem man zehren konnte, wenn man sich zur Ruhe setzte oder setzen musste (vgl. auch Hor. ars p. 169ff.). Dieses Sich-zur-Ruhe-Setzen war eine freiwillige oder eine vom Alter erzwungene Entscheidung. In einer Gesellschaft, die keine Sozial- und Rentenversicherung und keine Pensionsgrenze, keine staatlichen Wohlfahrtsprogramme und keine Absicherung gegen das Krankheits- und Arbeitsunfähigkeitsrisiko kannte, war private Vorsorge die einzige einigermaßen sichere Möglichkeit, sich vor Verarmung in fortgeschrittenem Alter zu schützen. Das Problem betraf nicht so viele Menschen wie heutzutage - die Zahl der über 60-Jährigen wird für die junge Gesellschaft Roms auf 10-15 % geschätzt -, aber es war ein Problem.

Und es wurde erstaunlicherweise auch als solches empfunden. "Erstaunlicherweise" deshalb, weil die allermeisten Autoren, die sich einschlägig dazu äußern, nicht persönlich betroffen waren. Sie gehörten zu den happy few , die über Grundbesitz und andere Vermögenswerte verfügten, mit denen sie schon lange vor Eintritt des Alters - im Grunde ihr gesamtes Leben lang - als Rentiers leben konnten. Gleichwohl war die Altersarmut auch in diesen aristokratischen Kreisen ein Thema.

So räumt selbst der Alte Cato, den Cicero in seiner Schrift de senectute für die eher angenehmen Seiten des Alters eintreten lässt, ein, dass opes und copiae , "materielle Mittel und Möglichkeiten", schon hilfreich seien, das Greisenalter zu ertragen (Cic. sen. 8) - immerhin jener Cato, der sich seinerseits ziemlich skrupellos von alten Sklaven wie von "anderem überflüssigen Zeug" trennte und sehr wohl wusste, in welches Unglück er einen so "abgestoßenen" Sklaven stürzen werde (r.r. 2, 7). An anderer Stelle bezeichnet Cato/Cicero paupertas und senectus , "Armut und Greisenalter", als "die beiden Lasten, die nach allgemeiner Einschätzung als die größten gelten" (Cic. sen. 14). Dabei ist unter paupertas noch keineswegs die bitterböse Armut zu verstehen, die mit Hunger und Perspektivlosigkeit einhergeht, sondern materielle Verhältnisse, bei denen man zwar nicht aus dem Vollen schöpfen kann, aber noch mehr als genügend besitzt, um satt zu werden und ein Dach über dem Kopf zu haben.

Am klarsten spricht der im 2. Jh. n. Chr. lebende griechische Philosoph Iuncus aus, was die schlimme Kombination aus Alter plus Armut anrichten kann: "Wenn aber einen gealterten Mann auch noch Armut treffen sollte, dann dürfte er selbst wünschen, endgültig aus dem Leben scheiden zu dürfen", zumal der Alte auch

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