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Rom Aufstieg einer antiken Weltmacht - Ein SPIEGEL-Buch

  • Erscheinungsdatum: 11.04.2016
  • Verlag: DVA
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Rom

Triumph einer antiken Supermacht Ihre Legionen eroberten ein Weltreich, ihre Sprache wurde zur Grundlage europäischer Bildung. Weder erbitterte Ständekämpfe im Inneren noch eine lange Reihe starker Kriegsgegner, allen voran der Karthager Hannibal, konnten die Existenz ihres Imperiums ins Wanken bringen. Aber wer waren die Römer? Wie konnte aus einem bäuerlichen Kleinstaat ein Großreich am Mittelmeer werden? Von der sagenhaften Gründung bis zum tödlichen Attentat auf Caesar zeichnen Historiker und SPIEGEL-Journalisten das turbulente Schicksal eines keineswegs einheitlichen Staatswesens nach. Aber auch viele andere Aspekte der römischen Republik kommen zur Sprache: der Kampf mit den Galliern, Tischsitten und Speisevorlieben, Charakterköpfe wie der alte Cato, die Entstehung der lateinischen Sprache, die Nationaldichtung nach griechischem Vorbild oder die erstaunliche Haltbarkeit römischen Betons.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 11.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641189518
    Verlag: DVA
    Größe: 6778 kBytes
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Rom

GLORREICHES GESINDEL

Roms Urzeit wimmelt von bewegenden Geschichten. Aber wie viel Wahrheit enthalten sie? Die Anfänge der Republik geben den Fachleuten einige Rätsel auf.

Von Christoph Gunkel

Jahrelang hatte er den Einfältigen gemimt. Den Trottel. So überzeugend, dass seine Zeitgenossen ihm den Beinamen Brutus ("Der Dumme") gegeben hatten. Doch jetzt, im Jahr 509 v. Chr., zeigte Lucius Iunius Brutus sein wahres Gesicht. Er schwang sich zum klugen und mutigen Revolutionshelden auf, der die Herrschaft des tyrannischen Königs Lucius Tarquinius Superbus beenden wollte. Dessen Sohn Sextus hatte unmittelbar zuvor eine hoch angesehene Frau vergewaltigt: Lucretia, berühmt für ihre Schönheit und Tugendhaftigkeit. Aus Scham über ihre Schändung stieß sich Lucretia daraufhin im Kreise ihrer Familie einen Dolch ins Herz und starb.

Als die Emotionen hochkochten, nahm Brutus den blutverschmierten Dolch, riss ihn in die Höhe und setzte zu einer flammenden Rede an, die ihm niemand zugetraut hatte: "Bei diesem vor dem königlichen Frevel heiligreinen Blut schwöre ich und nehme euch, ihr Götter, zu Zeugen, dass ich den Despoten Lucius Tarquinius mit seiner gottlosen Frau und allen Kindern seines Stammes mit Feuer und Schwert und aller mir möglichen Gewalt verfolgen will." Damit nicht genug: Brutus plante, wie der Geschichtsschreiber Titus Livius erzählt, gleich die endgültige Abschaffung der Monarchie. Weder Tarquinius "noch sonst jemand" dürfe fortan König von Rom sein.

Was für ein Bruch: Der Überlieferung nach hatten insgesamt sieben Könige 244 Jahre lang in Rom geherrscht, angefangen vom Staatsgründer und Namensgeber Romulus. Nun marschierte plötzlich, so Livius, ein Heer "mit den beherztesten Jünglingen in Waffen" auf die Hauptstadt des Reiches zu. Brutus sei dort als "Befreier" empfangen worden und habe "den ungerechten König" samt dessen Familie ins Exil verbannt, wo der Vergewaltiger Sextus später getötet wurde.

Das alles klingt nach einer würdigen Geburtsstunde der Republik: Als der Despot verjagt war, bekam Rom eine Verfassung mit demokratischen Zügen und weihte dem obersten Gott Jupiter einen Tempel auf dem Kapitol. Der Senat übernahm die Rolle des Gesetzgebers; Lucius Iunius Brutus wurde vom Volk zu einem der ersten beiden Konsuln gewählt, den neuen höchsten Staatsbeamten. Chronisten priesen ihn gar als zweiten Gründer Roms nach Romulus.

Nur: Der in den Quellen so blumig geschilderte Königssturz dürfte zum großen Teil eine Legende sein. Brutus, noch von Cicero als Mann von "großer Geisteskraft und Tüchtigkeit" gefeiert, bleibt eine nebulöse Gestalt. Auch Lucretia, deren Vergewaltigung das Volk erst aufbegehren ließ, hat wohl nie existiert. Fest steht heute allenfalls noch, dass Roms Adel etwa im 6 . Jahrhundert das Königtum abschaffte.

Und doch ist die Erzählung vom Ende der Monarchie eine wichtige Quelle. Denn sie zeigt, wie die Römer Jahrhunderte später - dann schon als Großmacht - den Beginn ihrer Republik sehen wollten und was ihnen wichtig war: Werte wie Ehre, Frömmigkeit und Tapferkeit, verkörpert vom Vergewaltigungsopfer Lucretia. Zudem zeigt der Gründungsmythos der Republik exemplarisch, wie aufstrebende Familien ihre Geschichte manipulierten und aufpolierten.

Die Iunii Bruti stammten aus dem einfachen Volk. Das Geschlecht der Iunier stieg erst Ende des 4 . Jahrhunderts zu einer angesehenen Familie auf, als sich die Plebejer politische Mitwirkungsrechte erkämpfen konnten. Gaius Iunius Brutus Bubulcus erreichte in dieser Zeit den höchsten Rang; gleich dreimal bekleidete er das Amt des Konsuls. Und doch empfanden es die Iunier als Makel, dass sie keine adligen Wurzeln besaßen. Also halfen sie nach - mit der Geschichte des blaublütigen Urahnen Lucius Iunius Brutus.

Der Freiheitsheld soll demnach ein Neffe des tyrannischen Königs Tarquinius Superbus gewesen sein, den er dann aus Rom verbannte. Expe

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