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Spectaculum Die Erfindung der Show im antiken Rom von Weeber, Karl-Wilhelm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.09.2019
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Spectaculum

Wer hätte das gedacht! Die größten Shows und Spektakel der heutigen Zeit haben eine lange Tradition. In einem ebenso unterhaltsamen wie kenntnisreichen Streifzug durch das antike Rom macht uns der Altphilologe Karl-Wilhelm Weeber bekannt mit Spektakeln wie Wagenrennen und Gladiatorenkämpfen, er präsentiert uns öffentliche Striptease-Einlagen und gewiefte Rhetoren, lässt uns an Dinnershows teilnehmen und an inszenierten Begräbnissen. Weeber zeigt, dass die Promi-, Talk- und Sportevents unserer Tage bis zu den alten Römern zurückreichen und die Ewige Stadt selbst nichts anderes war als eine einzige große Bühne. Dieses faszinierende Buch lässt uns die Antike neu erleben und rückt sie nahe an uns heran. Karl-Wilhelm Weeber, Prof. Dr., ehemaliger Direktor des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums in Wuppertal, Honorarprofessor (Univ. Wuppertal) und Lehrbeauftragter für Didaktik der Alten Sprachen an der Ruhr-Universität Bochum. Er ist ein bekannter Autor von Sachbüchern zur Antike und zur lateinischen Sprache.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 18.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451816734
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 43736 kBytes
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Spectaculum

2.

Sinnstiftung mit Erlebniswert

Der Triumphzug

Ausgerechnet die Elegiker! Den römischen Liebesdichtern verdanken wir einige der anschaulichsten Schilderungen, wie sich die Zuschauer beim Triumphzug verhielten. Diese Perspektive wird von den Berichterstattern des Altertums sonst selten eingenommen. Aber warum "ausgerechnet"? Weil die Elegiker für ihre Lebensweise alles Kriegerische ablehnen, weil sie oft genug ihr Unverständnis für Soldaten zum Ausdruck bringen, die ihre Liebste für einen Feldzug daheim allein lassen, und weil sie sich geradezu programmatisch als Anti-Militaristen zu erkennen geben: "Wieso sollte ich Kinder für Triumphe über die Parther bereitstellen?", fragt Properz und versichert: nullus de nostro sanguine miles erit , "von meinem Blut wird es keinen Soldaten geben". 1

Das hindert ihn aber nicht, sich unter die zahllosen Zaungäste zu mischen, die einen Triumphzug staunend und bewundernd verfolgen. "Vor meinem Tode möchte ich noch den Tag erleben, an dem ich sehen darf, wie die Pferde am beutebeladenen Wagen des Kaisers bei den Beifallsstürmen des Volkes häufig scheuen." Als Elegiker kann er es sich beim Zuschauen besonders gemütlich machen; Liebe und Kriegsspektakel lassen sich wunderbar verbinden: "An den Busen des geliebten Mädchens gelehnt, werde ich anfangen zuzuschauen und die Namen der eroberten Städte auf den Tafeln zu lesen." Auch die imponierenden Beutestücke, die den Römern präsentiert werden, guckt Properz sich gern an, will aber nichts davon haben: "Diese Beute soll denen gehören, deren Strapazen sie verdient haben. Mir wird es genug sein, auf der Heiligen Straße Beifall klatschen zu können." 2
"Gemeinsame Freuden" - Ein Fest für Augen und Ohren

Der Kriegsdienstverweigerer Properz findet nichts dabei, sich wie die riesige Menge zu verhalten, die ihn umgibt. Er tut das, was alle tun. Die Verben bringen es zum Ausdruck: videre , spectare , legere und plaudere , "sehen", "genau hinschauen", "lesen" und "applaudieren" - das sind die Aktivitäten derer, die in den Genuss dieses größten und römischsten aller spectacula kommen. Einzig mit dem legere haperte es bei vielen; das Gros der Römer bestand aus Analphabeten. Aber für sie wurde vieles ins Bild gesetzt, das man auch ohne die beigefügten Kommentare verstehen konnte.

Triumphzüge verbanden sich mit starken, nachhaltigen visuellen Erlebnissen. Das wird klar, wenn sich ein anderer Liebesdichter, der nach Tomi ans Schwarze Meer verbannte Ovid, aus der Ferne vorstellen kann, wie es dabei in Rom zugeht. Statt der unmittelbaren Anschauung als spectator in der Hauptstadt muss er sich auf die fama verlassen, die Kunde von einem Triumphzug in Rom. Die fama wird so zu seinen Augen ( oculi fama fuere mei ) - freilich kann sie diese Imaginationskraft nur vor dem Hintergrund eigener Seh-Erfahrung von früher entfalten. Allein diese Erinnerung vermag ihn zu demselben Gefühl, derselben freudigen Erregung hinzureißen, als hörte und sähe er die Vorgänge tatsächlich. 3 Der Exilant vergegenwärtigt sich die Szenerie in seinem geliebten Rom. Trompeten schmettern, die Menge klatscht Beifall, es herrscht eine ausgelassene Stimmung, der Jubel und das Geschrei der Begeisterung erfassen auch denjenigen, der eher zu den Nüchternen, Ruhigen gehört. Und auch das viele Sehenswerte ist ganz präsent: "Der Triumphator in seinem elfenbeinernen Wagen, die tausend Gestalten, die Orte und Stämme vertreten, der Glanz von Silber, Gold und Purpur und selbst die Mienen der besiegten Herrscher, die im Pulk der Gefangenen mitgeführt werden." Und so wirken die Verse über das Triumph-Gedicht, d

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