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Der Orient-Komplex Das Nahost-Bild in Geschichte und Gegenwart von Kramer, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.12.2013
  • Verlag: Thorbecke
eBook (ePUB)
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Der Orient-Komplex

Autoren wie Karl May, Thomas Mann oder T. E. Lawrence, der legendäre "Lawrence von Arabien", Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart, Regisseure wie Ridley Scott oder Pop-Gruppen wie Boney M. haben alle etwas gemeinsam - sie beeinflussten und beeinflussen unser Orient-Bild mehr, als dies wissenschaftliche Berichte oder Dokumentationen je könnten. Thomas Kramer entwirft ein Panorama medialer Wahrnehmung des Nahen Ostens in der abendländischen Kultur zwischen Antike und Gegenwart. Er beschränkt sich dabei nicht auf den akademischen Bereich und die Produkte des 'literarischen Höhenkamms', sondern erweitert den Blickwinkel um das breite Spektrum der Populärkultur. Der Leser wird überrascht sein, wie sehr Unterhaltungsmedien wie Abenteuerromane, Filme oder Computerspiele landläufige Orientbilder auch heute noch im Zeitalter der aktuellen Berichterstattung prägen.

Dr. Thomas Kramer, geboren 1959, lebt als Dozent und Autor in Berlin. In seinen Lehrveranstaltungen, Publikationen, Vorträgen, Rundfunk- und Fernsehbeiträgen setzt er sich mit Phänomenen populärer Medien sowie kulturellen Wurzeln und Reflexionen des Nahostkonfliktes auseinander.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 248
    Erscheinungsdatum: 10.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783799501989
    Verlag: Thorbecke
    Größe: 659 kBytes
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Der Orient-Komplex

Orientbilder der Antike – Perser, Griechen und der Beginn der Angst ...

Rassismus in der Antike?

Die Antike kannte keinen Rassismus. Man war Grieche oder Römer, gleich ob schwarzer, gelber oder sonstiger Hautfarbe, ob über dem verlängerten Rücken ein Pigmentpunkt prangte oder eine Lidfalte tiefer saß. Die Idee der Polis bzw. des Imperiums konnte sich ethnische Diskriminierung um den Preis der Existenz nicht leisten. "Araber" war in Rom ein Sammelbegriff für nomadisierende Stammeskrieger, der nicht negativ besetzt war. Mit der Verabschiedung der "Constitutio Antoniniana" im Juli 212 n. Chr. durch Kaiser Caracalla war es jedem möglich, römischer Bürger zu werden. So findet sich 244 n. Chr. mit Philip sogar ein Herrscher arabischer Abstammung auf dem Cäsarenthron. Nicht umsonst berufen sich Demokratien der Moderne wie das britische Empire oder die USA auf diese Ideale.

Phantasien vom antiken Rassismus entspringen europäischem Wunschdenken des 19. und 20. Jahrhunderts. So erfand der polnische Schriftsteller Ferdinand Ossendowski (1876–1945), ein Abenteurer, Geheimagent und Okkultist, 1926 die folgende Rede eines römischen Befehlshabers an nordafrikanische Siedler, die eine Bittschrift zur Gleichstellung ihrer "barbarischen", also arabischen Frauen und der aus den Verbindungen mit diesen entsprungenen Kinder an den Kaiser verabschiedet hatten: Bürger! Soldaten! [...] Imperator und Senat wissen nur allzuwohl, dass diese Barbaren jetzt zwar gezähmt scheinen und sich willig unter den Fittichen des Römeraars niederlassen, dass sie uns aber in tiefster Seele fremd und feind sind. Lasst nur unsere Legionen einmal einen militärischen Misserfolg erleiden! Bezweifelt ihr etwa, dass dann sofort wieder Aufwiegler unter ihnen auftreten würden, dass sie Roms großes und bewunderungswürdiges Werk [...] würden vernichten wollen? Und selbst, wenn dies nicht der Fall wäre, würde barbarisches Blut das Blut der Nachkommen römischer Bürger bereits derart verfälscht und eine Bevölkerung erzeugt haben, der gleiche Rechte wie echtbürtigen Römern nicht zugebilligt werden können . 4 Solcherart Texte des glühenden Bolschewistenhassers und Antisemiten Ossendowski fielen bei breiten Leserkreisen der Weimarer Republik auf fruchtbaren Boden. Mit der historischen Realität der Antike haben sie allerdings nichts zu tun.

Wie aber war das Verhältnis der Griechen und Perser zu Zeiten von Aischylos und Herodot? Die Perser sind ein nach der Landschaft Persis im Südwesten des Iran benanntes indoeuropäisches Volk. Wiewohl damit ethnisch von den semitischen Stämmen wie den Arabern unterschieden, sind sie besonders seit der Revolution von 1979 den gleichen Vorurteilen wie diese unterworfen. Nach der bereits erwähnten Eroberung Babylons sowie ganz Kleinasiens und Ägyptens unter den Herrschern Kyros II. und Kambyses II. wurde Persien ein Großreich, das sich nach Norden und Westen auszudehnen suchte. König Dareios I. setzte in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. die persische Expansionspolitik fort, wodurch es unweigerlich zu macht- und wirtschaftspolitischen Auseinandersetzungen mit den griechischen Stadtstaaten kommen musste. Diese hatten auf dem Wasser neue, billigere Handelswege von der Ostküste Spaniens bis in die Häfen des Schwarzen Meeres erschlossen. Eine solch kostengünstige Variante trat in erfolgreiche Konkurrenz zum langwierigeren und damit teureren indisch-persisch-phönizischen Land-Wasser-Handel. Durants "Kulturgeschichte der Menschheit" aus den Dreißigerjahren des 20.

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