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Die Welt der 'Enana Eine Reise durch Geschichte und Gegenwart der Marquesas-Inseln. von Lichtenstein, Burgl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.04.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die Welt der 'Enana

Die Autorin beschreibt fachkundig und mit bemerkenswerter Einfühlsamkeit die Vergangenheit und Gegenwart der Marquesas-Inseln. Sie greift nicht nur auf eigene Erfahrungen zurück, die sie bei mehreren Besuchen des Archipels gewonnen hat, sondern auch auf wissenschaftliche Erkenntnisse des Archäologen Robert C. Suggs. Einmalig sind die von ihr integrierten Aufzeichnungen aus Briefen und Feldbüchern des Völkerkundlers Karl von den Steinen, der im Auftrag des Berliner Museums für Völkerkunde, 1897/98 die Kunst der Marquesaner erforschte. Die Autorin entführt den Leser auf eine abenteuerliche Reise durch Zeit und Raum, beginnend mit der geologischen Entstehung des Archipels und folgt der Geschichte der Marquesaner, von der Landung ihrer austronesischen Vorfahren auf den Inseln, bis zur Blütezeit ihrer Kultur. Die schädigenden Einflüsse der französischen Kolonisation werden mit ebenso großer Sensibilität beschrieben, wie das heutige Leben auf den Inseln. Eine Bewertung der Gegenwartspolitik Französisch-Polynesiens rundet das Bild ab. Burgl Lichtenstein besuchte 1997 zum ersten Mal die Marquesas-Inseln. Dabei lernte sie den US-Amerikaner Robert C. Suggs kennen, der zu den erfolgreichsten Archäologen der Marquesas-Inseln zählt. In Zusammenarbeit mit ihm entstand dann ihr erstes Buch 'Manuiota'a - Tagebuch einer Reise auf die Marquesas-Inseln'. Es ist im Jahr 2000 erschienen und stieß spontan auf eine begeisterte Leserschaft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 11.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783738661088
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 4004kBytes
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Die Welt der 'Enana

Einführung

Während der Sonnenball im Meer versank und sich der Himmel in ein funkelndes Farbenmeer verwandelte, gebar Vahi Ani ihr erstes Kind, ein Mädchen. Pohine, die Priesterin, deutete die Zeichen und weissagte, dass das Neugeborene die Gunst der Stammes-Gottheiten besitze und als Heilerin auserkoren sei. Ihre Worte waren noch nicht verklungen, als ein silbern schimmernder Schmetterling durch den Raum geflogen kam und sich auf den Kopf des Kindes setzte, das mit wissenden Augen zu ihm aufsah. Es erkannte in ihm seinen Schutzgeist, dessen Namen - Pepe - es von nun an tragen würde.

Es gehörte zur Tradition, dass jedes Häuptlingskind zunächst in seiner eigenen kleinen Hütte aufwuchs. Diese lag zwischen dem Haupthaus der Familie, das auf einer hohen Steinterrasse ruhte, und dem Haus des Häuptlings, das nur dieser betreten durfte und das nach seinen Wünschen eingerichtet war. Zugleich galt es auch als Schatzkammer, wo er seine Kostbarkeiten aufbewahrte, wie den Haarschmuck der Vorväter, Schildpattdiademe, Federschmuck, reich geschnitzte Kriegsgeräte und auch eine Totenbahre. Für die rege herumkrabbelnde Pepe war das Haus des Vaters ein besonders interessanter Ort, um auf Entdeckungsreisen zu gehen.

Pepe entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem klugen und schönen Mädchen. Sie war wieselflink, ständig in Bewegung und kannte keine Furcht. Wann immer sie konnte, verbrachte sie ihre Zeit im Hain, der zum Meer hin angelegt war und wo eine Vielfalt an farbenprächtig blühenden Bäumen und Sträuchern wuchs. Es waren die klaren, sonnendurchfluteten Morgen, die Pepe am meisten liebte, wenn sich die Eidechsen auf den Steinen paarten und die Luft erfüllt war vom Rauschen der Wellen und dem leisen Schwirren ihrer Freunde, der Schmetterlinge.

Unter der strengen Aufsicht von Pohine erlernte Pepe die Genealogien des Stammes, die Weisheiten und Vorhersagen ihrer Urahnen. Als sie das Alter von 16 Jahren erreicht hatte, wurde sie zum tuhuka , dem Hüter und Lehrer der Tradition des Stammes, geführt, der sie in einer für Häuptlingstöchter besonderen Zeremonie tatauierte. Während der tuhuka heilige Lieder und Gebete zum Klang der Trommeln sang, wurden die Hände, Arme und Beine Pepes mit den traditionellen Tataumotiven geschmückt, wie sie nur der Tochter eines Häuptlings zustanden.

Aus dem ungestümen Mädchen von einst war die Priesterin tau'a Pepe geworden, die mit ihrer Schönheit und Grazie jedermann entzückte. Die Ernsthaftigkeit in ihrem ebenmäßigen Gesicht wurde durch eine kurze Stupsnase gemildert, die ihr etwas Keckes verlieh. Wenn sie lachte, entblößten sich zwei Reihen schneeweißer Zähne und ihre honigbraunen Augen verströmten einen Glanz, der jedermann in seinen Bann zog. Pepe trug ihre lockigen Haare jetzt nicht mehr offen, sondern hielt sie mit einem weißen tapa -Band am Hinterkopf zusammengebunden. Nur noch wenige vorwitzige Löckchen kräuselten sich auf ihrer Stirn. Während der Stammes-Zeremonien schmückte eine Kette aus Delphinzähnen ihren schlanken Hals und an den Ohren baumelten kleine tiki -Figürchen aus Menschenknochen, die ihre Glücksbringer waren. Zu den Insignien einer Priesterin gehörten auch der zeremonielle Kokosfächer, den Pepe anmutig zu tragen verstand, sowie ein weißer tapa -Umhang, der ihre vollen und festen Brüste unbedeckt ließ, was die prachtvollen Tatauierungen an Schultern, Armen und Händen noch besser zur Geltung brachte.

Zu dieser Zeit wurde noch dem ka'ioi -Kult gehuldigt, der nur Söhnen von Stammes-Häuptlingen, Priestern und Kriegern vorbehalten war. Ka'ioi bedeutete "die Gesellschaft der Krieger und Junggesellen". Ein echter ka'ioi war zudem ein noch nicht völlig tatauierter junger Mann, der mit seinen Altersgenossen eine Art Schutztruppe des Oberhäuptlings bildete. Die ka'ioi lebten zusammen in einem eigens für sie gebauten Klubhaus. Dieser Nachwuchs junger, ungestümer Krieger widmete sich

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