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"Selig sind, die Verfolgung ausüben" Päpste und Gewalt im Hochmittelalter von Althoff, Gerd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2013
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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"Selig sind, die Verfolgung ausüben"

"Es seien die selig zu preisen, die Verfolgung ausüben um der Gerechtigkeit willen" - ein totalitärer, ein fundamentalistischer Anspruch, der da im 11. Jahrhundert im Umfeld des ?Sitzes des Friedens?, des päpstlichen Throns Gregors VII. formuliert wird. Mit welchen Argumenten, mit welcher Legitimation konnte eine Religion der Friedfertigkeit umgeschmiedet werden zu einem Werkzeug gegen Ungehorsame? Wie stark musste das Sendungsbewusstsein des hochmittelalterlichen Reformpapsttums sein, um mit aller Gewalt gegen Ketzer, Häretiker, vor allem aber gegen die Anhänger Heinrichs IV. vorzugehen? Gerd Althoff beschreibt mit souveräner Quellenkenntnis die Entwicklung, die das bisherige kirchliche Selbstverständnis geradezu auf den Kopf stellt. Klar argumentierend wird so eine theologische Wandlung analysiert, die einen neuen Blick auf das christliche, aber eben nicht friedliebende Mittelalter verlangt.

Gerd Althoff, geb. 1943, ist Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Münster. Bei der WBG erschienen von ihm zahlreiche Bücher; u.a. 'Die Macht der Rituale. Symbolik und Herrschaft im Mittelalter' (2. Aufl. 2014), die Biographie 'Heinrich IV.' (2. Aufl. 2008) sowie ''Selig sind, die Verfolgung ausüben'. Päpste und Gewalt im Hochmittelalter' (2013).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 01.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806228151
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 1736 kBytes
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"Selig sind, die Verfolgung ausüben"

II. Die neuen Geltungsansprüche Gregors VII. und ihre biblische Begründung

1. Ausgangsfrage und methodisches Vorgehen

Es ist zweifellos sinnvoll, die konkreten Untersuchungen mit Papst Gregor VII. zu beginnen, auch wenn er, wie sich zeigen wird, nicht der Allererste war, der neue Geltungsansprüche in der und für die Kirche erhob. Nach herrschender und unbestrittener Lehre sind in seiner Amtszeit und aufgrund seiner Aktivitäten jedoch die massivsten Veränderungen auf dem Felde päpstlicher und kirchlicher Geltungsansprüche zu beobachten, die daher an den Anfang der Untersuchungen gestellt seien. 1

Diese Änderungen betrafen auch das kirchliche Verhältnis zur Gewalt, allerdings war die Frage legitimer Gewaltanwendung durch die Kirche eher eine zwingende, aber unbeabsichtigte Konsequenz aus anderen Neuerungen. Erst die erhöhten Geltungsansprüche des Papsttums auf Herrschaftsbefugnisse in der Welt warfen nämlich das Problem auf, wie man sie durchsetzen sollte - und wiesen damit auf den Weg der Gewalt.

Zentral und neu war nämlich im Denken und in der Ekklesiologie Gregors VII. vor allem die Vorstellung, dass der Papst von allen Menschen Gehorsam fordern und erwarten dürfe - seine Mitbischöfe und die Könige und Kaiser eingeschlossen. Diese Forderung erhob Gregor nicht nur theoretisch, sondern verlieh ihr mit konkreten Maßnahmen Nachdruck, die bis zur Einbestellung von Bischöfen und Königen zur Rechtfertigung nach Rom, Suspendierung vom Amt und Exkommunikation reichten. An der Gehorsamsforderung schieden sich dann auch in der Tat die Geister. Die Begründung der Forderung, dass der Gehorsam gegenüber päpstlichen Geboten die wichtigste Pflicht aller Christen sei, ist daher als Erstes zu klären, weil sich an ihr die grundsätzlichen Konflikte entzündeten, die auch die Frage der Legitimität von physischem Zwang zur Durchsetzung der neuen Ansprüche auf die Tagesordnung brachten.

Die angesprochene Gehorsamsforderung der Päpste namentlich gegenüber Bischöfen und Königen war einer aristokratisch ausgerichteten Kirche und Welt in dieser Zeit fremd. Man war nämlich gewohnt, Willensbildung und Entscheidungsfindung in den Führungsschichten als Prozess der Konsensherstellung durch Beratung zu praktizieren. 2 Und dies tat man bewusst in Formen, die Befehlsgewalt, Druck oder gar Zwang auf der einen und Gehorsam auf der anderen Seite so weit wie möglich in den Hintergrund drängten oder zumindest bemäntelten. Solche Verfahren der Beratung, die Partizipation der höheren Ränge an der Entscheidungsfindung vorsahen, waren in Kirche und Welt als Gewohnheiten fest verankert. 3 Sie fanden in den Beratungen der Herrschaftsverbände auf den Hoftagen ebenso ihren Ausdruck wie in den Beratungen auf den Synoden und Konzilien. Für die Verfahren waren feste Gewohnheiten ausgebildet. Was die Päpste forderten, musste notwendig in Gegensatz zu diesen Gewohnheiten treten. Nicht zufällig hat denn auch Gregor VII. darauf hingewiesen, Christus habe gesagt: "Ich bin die Wahrheit", und nicht: "Ich bin die Gewohnheit". Gewohnheiten konnten nämlich nach der Auffassung Gregors VII. verderbt und schlecht sein, zahlreiche Belege aus Gregors Briefen weisen diese Überzeugung des Papstes aus. 4

Die Brisanz der päpstlichen Neuerungen wird aber erst dann richtig fassbar, wenn man bemerkt, dass Gregor in aller Regel mit der Gehorsamsforderung eine zweite, nicht minder aufregende Festlegung verband: die Auffassung nämlich, dass Ungehorsam gegen päpstliche Gebote mit Götzendienst und Häresie gleichzusetzen sei - und es der Kirche erlaubt sei, gegen Ungehorsame wie gegen Häretiker Gewalt und Zwang anzuwenden. Daher scheint es geboten, sich im Folgenden darauf zu konzentrieren, wie die Reformer diese neuartige Auffassung begründeten, die Päpste dürften Gehorsam von allen fordern und - was der Forderung den entsc

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