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Aufstand der Pfeffersäcke Bürgerkämpfe im Mittelalter von Schneider-Ferber, Karin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2014
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Aufstand der Pfeffersäcke

"Wutbürger": Überall in Deutschland stehen sie gegen geplante Großprojekte auf. Sie misstrauen den Politikern, fordern mehr Transparenz und Teilhabe. Ein neuer gesellschaftlicher Trend? Von wegen. Zornerfüllt und waffenklirrend, lärmend und gewaltbereit - so standen aufgebrachte Bürger im Mittelalter vor ihrer Obrigkeit. Nichts fürchteten die Mächtigen mehr als einen Aufstand mitten in der Stadt. Denn der Volkszorn konnte viel erwirken, vom Ämterverlust bis hin zum Todesurteil. Karin Schneider-Ferber erzählt in diesem Buch von Bürgeraufständen in deutschen mittelalterlichen Städten, von wütenden Augsburgern bis hin zu rebellischen Braunschweigern. Sie zeigt jeweils die Ursachen und historisch-politischen Hintergründe auf. Zu meckern gab es in einer mittelalterlichen Stadt jedenfalls nicht weniger als heute: Ungerechte Steuerlasten, Geldverschwendung und Amtsmissbrauch, willkürliche Rechtsprechung und vieles mehr prangerten die Bürger an. Karin Schneider-Ferber hat Mittelalterliche Geschichte, Bayerische Landesgeschichte und Kunstgeschichte an der Universität Augsburg studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin und Sachbuchautorin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806200126
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 1416 kBytes
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Aufstand der Pfeffersäcke

Die "wehrhafte Jungfrau" am Rhein
Köln und seine rebellische Bürgerschaft

EIN OSTERFEST OHNE FRIEDEN

Im Bischofshof zu Köln hatte sich im April des Jahres 1074 eine illustre Gesellschaft versammelt. Das festliche Abendmahl, das Erzbischof Anno II. von Köln zu Ehren seines langjährigen Freundes, des Bischofs von Münster, in seiner Residenz ausrichtete, hätte der krönende Abschluss der gemeinsam gefeierten Ostertage werden sollen. Ein Galadiner vom Feinsten mit edlen Speisen und wertvollen Weinen, sorgenfrei und ungestört. Doch das prunkvolle Fest endete jäh im Desaster: Plötzlich sah sich der Erzbischof einem Ausbruch des Volkszorns ausgesetzt, mit dem er nie und nimmer gerechnet hätte. Aufgebrachte Kölner Bürger stürmten den Hof: "Als nun nach dem Mittag, als sich der Tag schon zum Abend wendete, zum Zorn - wie Öl zum Feuer - die Trunkenheit hinzukam, stürzen sie aus allen Teilen der Stadt zum Hof des Bischofs und greifen ihn, der an einem belebten Platz mit dem Bischof von Münster speist, an, schleudern Geschosse, werfen Steine, töten einige, die ihm beistehen, schlagen und verwunden die übrigen und treiben sie in die Flucht", berichtet der zeitgenössische Chronist Lampert von Hersfeld über das unerhörte Geschehen.

"Den Erzbischof konnten die Seinen aus dem Heerhaufen der Feinde und unter der Wolke der Geschosse mit Müh und Not unversehrt in die Kirche des heiligen Petrus fortreißen, und sie festigten die Türen nicht nur durch Riegel und Balken, sondern auch durch herbeigewälzte große Felsen", so Lampert von Hersfeld über den weiteren Verlauf des Tumults. Das hatte es noch nie gegeben: Der Erzbischof als Gefangener im eigenen Dom, die städtische Einwohnerschaft im Aufstand gegen den Stadtherrn! Aber es kam noch schlimmer: Während sich Anno im Dom verschanzte, tobte draußen der Volkszorn. Wütend und brüllend, so Lampert in seinen Annalen weiter, stürmten die Kölner den Bischofspalast, brachen die Türen auf, verwüsteten den Weinkeller, plünderten die Schatzkammern und die Kapelle des Erzbischofs, raubten dabei liturgische Gewänder und Altargefäße. Doch nach Lamperts Einschätzung war es nicht die Gier, die das Volk zu dieser Zerstörungswut trieb, sondern sein "unbeugsamer Hass" auf den Erzbischof und dessen Stadtregiment. Als der Mob einen Unbeteiligten aufgriff, "der sich vor Furcht in der Ecke verbirgt", kam es zu einem Fall von Lynchjustiz. "Im Glauben, es sei der Erzbischof, töten sie ihn, nicht ohne sich zu beglückwünschen, dass sie endlich der frechen Rede ein Ende gesetzt hätten." Nachdem sie ihren Irrtum bemerkt hatten, stürmten die Aufrührer zum Dom und "strengen sich mit größter Mühe an, die Mauern zu zerbrechen, und drohen auch, falls der Erzbischof ihnen nicht schnellstens ausgeliefert werde, Feuer anzulegen".

Der in vielen Details durch den Benediktinermönch Lampert von Hersfeld überlieferte Aufstand zeigte unverkennbar politische Züge, auch wenn es sich um eine spontane Erhebung handelte. Keine wütende Soldateska stürmte den Kölner Domhof, keine beutegierige Horde Mittelloser plünderte die bischöflichen Gemächer, sondern aufgebrachte Kölner Kaufleute und Handwerker, die sich am selbstherrlichen Auftreten des Erzbischofs stießen und seine in ihren Augen ungerechtfertigten Forderungen zurückwiesen. Die "frechen Reden" des Erzbischofs und sein unerträgliches Benehmen waren zum Auslöser für die Rebellion geworden. Wenige Stunden zuvor hatte Anno auf der Suche nach einer passenden Rückfahrtmöglichkeit für seinen Gast, Bischof Friedrich von Münster, ein Kölner Kaufmannsschiff beschlagnahmen lassen, das gerade im Rheinhafen für eine Handelsfahrt fertig gemacht worden war. Kurzerhand schickte der Erzbischof seine Knechte aus, um die Waren des Schiffes auszuladen und die Räumlichkeiten für den bischöflichen Freund vorzubereiten. Doch die Kaufmannsgehilfen, die die Fracht bewachten, weigerten sich standha

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