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Bernhard von Clairvaux von Dinzelbacher, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2015
  • Verlag: Primus
eBook (ePUB)
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Bernhard von Clairvaux

Bernhard von Clairvaux (1090-1153) war einer der bedeutendsten Vertreter der religiösen und geistigen Bewegung des Mönchtums im 12. Jahrhundert. Als Vorsteher der ostfranzösischen Abtei Clairvaux verhalf er dem Zisterzienserorden zu höchster Blüte. Bernhards faszinierende Ausstrahlung, seine ungewöhnliche Beredsamkeit und die mitreißende, bibelgesättigte Sprache seiner zahlreichen Traktate, Predigten und Briefe zog Menschen jeder Herkunft in ihren Bann. Armutsbewegung und Kreuzzug, Papstschisma und Adelsfehden, Scholastik und Mystik, Liebesdichtung und Kriegspropaganda - alle großen Strömungen seiner Zeit gestaltete der charismatische Mönch selbst mit und machte bei den damals Mächtigen seinen Einfluss geltend. Der renommierte Mediävist Peter Dinzelbacher zeichnet in dieser seit langem ausführlichsten Bernhard-Biographie ein spannendes und einfühlsames Bild des großen Kirchenmannes in seiner Epoche. Nach jahrelanger Forschungsarbeit zum Leben und Wirken Bernhards setzt der Autor mit diesem Buch Maßstäbe. Peter Dinzelbacher, geb. 1948, Dr. phil. habil., studierte Geschichte, Klassische Philologie, Kunstgeschichte und Volkskunde. Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten in Deutschland, Österreich, Italien und Dänemark, seit 1998 Honorarprofessor für Mentalitätsgeschichte an der Universität Wien. Zahlreiche Publikationen, speziell zur Religiosität und Mentalität des Mittelalters, u.a.: 'Himmel, Hölle, Heilige. Visionen und Kunst im Mittelalter' (2002), 'Europa im Hochmittelalter 1050-1250. Eine Kultur- und Mentalitätsgeschichte' (2003) und - gemeinsam mit Werner Heinz - 'Europa in der Spätantike 300-600' (2007).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 507
    Erscheinungsdatum: 01.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863128234
    Verlag: Primus
    Größe: 3589 kBytes
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Bernhard von Clairvaux

II. In Cîteaux und Clairaux

Noviziat (1113-1114)

Wir wissen nicht, ob oder wie oft Bernhard, ehe er seine Wahl traf, bereits in Cîeaux gewesen war. Wahrscheinlich ist es durchaus, liegt das Kloster doch nur etwa 25 Kilometer von Fontaines entfernt; sein Vater als Vertrauter des Herzogs von Burgund muß es gekannt haben. 1 Mehr noch - er könnte es gewesen sein, der Bernhard gerade diese Wahl nahelegte. Tescelin war offenbar - ebenso wie Bernhards Onkel Gaudri - ein Verehrer Abt Roberts von Molesmes (1028-1111), denn sein Name findet sich unter den Stiftern der Gründungsurkunde von Molesmes, und sein Schwager unterstütze dieses Kloster auch späterhin noch. 2 Und eben von dort aus hatte Robert den Reformkonvent gegründet, der Bernhards Heimat werden sollte. Im Mai 1113 3 zog die Schar der Dreißig, "gebildete und adelige Kleriker, auch in der Welt mächtige und gleicherweise adelige Laien" 4 , vor die Tore des "neuen Klosters" (das erst ein paar Jahre danach Cîteaux genannt werden sollte 5 ), um ihr Noviziat zu beginnen. Bernhards Ziel war es, so Wilhelm von Saint-Thierry, dort "abzusterben aus den Herzen und dem Gedächtnis der Menschen" 6 . Genau das Gegenteil sollte sich erfüllen!

Unter den Reaktionen, die die hochmittelalterliche "Krise des Mönchtums" bei manchen Benediktinern auslöste, war die des Abtes Robert von Molesmes 7 vielleicht die folgenreichste. Als er im Jahre 1098 mit 21 Gesinnungsgefährten seinen Heimatkonvent verließ, um in der Einöde von Cîteaux südlich von Dijon ein Kloster zu gründen, ähnelte dieser Auszug einer Flucht aus der 'Zivilisation'. Die Wahl des Ortes zeigte an, daß man mit der 'Welt', auch der kirchlichen, nichts mehr zu tun haben wollte. Damit auch das Fundament zu einem neuen Orden gelegt zu haben, konnte Robert nicht ahnen. Sein Ziel war es, ein Leben in Einsamkeit genau nach den Vorschriften des Mönchsvaters Benedikt von Nursia zu führen, was im reich gewordenen Molesmes schwierig war, da die meisten der Mönche sich lieber an den bequemeren 'Consuetudines' (die in einem bestimmten Kloster gültigen Gepflogenheiten) von Cluny orientierten als an der Benediktusregel selbst. Zwar wurde Robert nach etwa einem Jahr von Papst Urban 11. dazu gezwungen, das "Neukloster" zu verlassen und seine ursprünglichen Abtspflichten wiederaufzunehmen, doch blieb eine Gemeinschaft unter dem Prior Alberich in Cîteaux. Sie wurde 1100 in einem päpstlichen Privileg, einem Schutzbrief gegen äußere Einmischungen, gesichert, 8 womit nicht nur die Phase des charismatischen Neubeginns abgeschlossen wurde, um in die der Institutionalisierung überzugehen, sondern schon die Entwicklung zu einem benediktinischen Zweigorden begann, dem der Zisterzienser (Sacer Ordo Cisterciensis). 9 Einer ihrer zeitgenössischen Bewunderer, der Benediktiner Wilhelm von Malmesbury ( um 1142), charakterisierte die ersten Zisterzienser mit den Worten, sie seien "ita regulae incubantes, ut nec iota unum nec apicem praetereundum putent, 10 so regeltreu, daß sie kein Tüpfelchen dieser Normensammlung unbeachtet lassen zu dürfen meinen". Ihre asketische Strenge der Lebensweise, die sich wohl an den Wüstenvätern orientierte, wie sie sie durch die Beschreibung Cassians kannten, 11 verhinderte allerdings zunächst eine Ausdehnung der Gründung. Ja möglicherweise scheint sogar ihre Existenz mitunter auf dem Spiel gestanden zu haben.

Seit der Abt von Molesmes dieses mit einer kleinen Schar seiner Mönche verlassen hatte, um in der Einsamkeit von Cîteaux ein Leben zu führen, wie es in seinem wohlhabenden Heimatkloster nicht durchzusetzen war, waren fünfzehn Jahre vergangen. Cîteaux war 1113 allerdings trotz aller Bescheidenheit der Lebenspraxis nicht wirklich bettelarm: Speziell der Herzog von Burgund,

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