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Das Bild der Welt im Mittelalter von Reichert, Folker E. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2014
  • Verlag: Primus
eBook (ePUB)
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Das Bild der Welt im Mittelalter

In Zeiten von Google Earth sind weiße Flecken auf der Landkarte kaum mehr vorstellbar. Was aber wussten die mittelalterlichen Menschen von der Welt? Was wussten sie von ihrer Beschaffenheit, ihren Völkern, deren Schätzen und Wundern, was von der Natur? Wie also war das Weltbild des Mittelalters, und wie änderte es sich? Anhand von acht prominenten Gelehrten, Kartographen und Reisenden rekonstruiert Folker Reichert, der wohl beste deutsche Spezialist zum Thema, das mittelalterliche Weltbild. Aus der Perspektive von Isidor von Sevilla im 7. Jh. über Vinzenz von Beauvais im 13. Jh. bis zu Sebastian Münster an der Schwelle zur Neuzeit nähert er sich dem jeweiligen Weltwissen der Zeit an. Mit vielen prachtvollen Abbildungen veranschaulicht, werden die Geschichte des Reisens und der Entdeckungen, Wissenschaftsgeschichte und die Geschichte der Kartographie hier zusammengeführt zu einer großen Gesamtschau vormoderner Weltbilder. Prof. Dr. Folker Reichert, geb. 1949, lehrte Mittlere Geschichte an der Universität Stuttgart. Er ist einer der besten Spezialisten für die Geschichte des Reisen, der Entdeckungen und der Fremdwahrnehmung im Mittelalter.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863129415
    Verlag: Primus
    Größe: 27046 kBytes
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Das Bild der Welt im Mittelalter

II

Die Mitte der Welt

D ie "Etymologien" des Bischofs Isidor von Sevilla waren ein ungemein erfolgreiches Buch, und das für sehr lange Zeit. Bis ins 18. Jahrhundert wurden sie zumindest als respektable Leistung gewürdigt. Erst dann kippte die Stimmung, und man fand die Arbeitsweise des Autors schematisch, sein Wissen dürftig, die Etymologien naiv. Theodor Mommsen nannte ihn einen sorglosen Kompilator, der über Vergangenheit und Gegenwart gleich wenig mitzuteilen wisse, und Mommsens Urteil wog schwer. Man gewöhnte sich daran, Isidors Werk den Rang eines "Konversationslexikons" zuzugestehen, es als den "Brockhaus des frühen Mittelalters" zu bezeichnen. 1 Das war nicht einmal wohlwollend gemeint. Ein ganz anderes Urteil ergibt sich, wenn man die Wirkungsgeschichte des Buches bedenkt.
Imago mundi

Isidors Leistung bestand in der Vermittlung antiker Bildung an ein Umfeld, das angesichts gewandelter politischer und Lebensverhältnisse nach geistiger Orientierung verlangte. Daran gab es jedoch nicht nur auf der Iberischen Halbinsel, sondern auch sonst in West- und Südeuropa Bedarf. An der Versöhnung von lateinischer Antike und katholischem Christentum mit den neuen Herrschaftsverhältnissen war überall gleich viel gelegen. Die Verbreitung der "Etymologien" macht das deutlich. Um die tausend Handschriften sind bis heute erhalten geblieben und bezeugen die anhaltende Wertschätzung des Werks, die mit der Erfindung des Buchdrucks keineswegs aufhörte. Zuerst wurde es in England und Irland bekannt, dann - vor allem durch die Vermittlung iro-schottischer und angelsächsischer Missionare - auch auf dem Festland. Bis ins ferne Island reichte seine Wirkung. Das Verständnis der antiken Überlieferung wurde dadurch wesentlich erleichtert. Die karolingische Bildungspolitik (auch sie eine Reanimation der Antike) profitierte davon und steigerte gleichzeitig die Nachfrage nach Manuskripten. Immer mehr von ihnen fanden den Weg in die Bibliotheken. Zweifellos hatten die "Etymologien" ihre zeitbedingten Schwächen; doch ihre imposante Wirkungsgeschichte gibt sie als ein Werk zu erkennen, das "dem ganzen Mittelalter als Grundbuch gedient hat". 2

Der Autor selbst wurde schon bald nach seinem Tod als größter Gelehrter aller Zeiten (in saeculorum fine doctissimus) 3 gepriesen, und Dante ließ ihn mit anderen Geistesgrößen wie den Theologen Thomas von Aquin und Albertus Magnus, dem Rechtslehrer Gratian und dem Philosophen Boëthius den Sonnenhimmel im Paradies bewohnen (Divina Commedia, Paradiso X). Er galt als der "Lehrmeister des Mittelalters" (praeceptor medii aevi) und wurde schließlich 1722 zum Kirchenlehrer der katholischen Kirche, 2001 sogar zum Schutzpatron des Internets erhoben. Andere versuchten, seinem Beispiel zu folgen. Doch erst im 12. Jahrhundert gelang es einem Autor, Isidors Werk zwar nicht zu übertreffen, aber doch dessen Monopol als Schul- und Bildungslektüre zu brechen.

Merkwürdigerweise ist über die Person des Verfassers nur wenig bekannt, und das wenige, was wir wissen, lässt sich nur mit mancherlei Hypothesen zu einem einigermaßen schlüssigen Lebensbild verknüpfen. Um sein Werk vor den Neidern zu schützen, wollte er anonym bleiben und treibt so bis heute ein Versteckspiel mit seinen Lesern. Schon sein Name: Honorius Augustodunensis wirft Fragen auf. Denn so nannte er sich offenbar erst in seinen späteren Lebensjahren, und mit Augustodunum, d. i. Autun im Herzogtum Burgund, hatte er nichts zu tun. Hinweise auf Augsburg, Siegburg, Kaiseraugst oder das Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle in Regensburg führen nicht weiter. Eine befriedigende Deutung des Beinamens steht nach wie vor aus. Gesichert scheint, dass Honorius nicht auf dem Festland geboren wurde und eine "internationale Karriere" durchlief. Er hieß wohl ursprünglich Henricus, stammte viell

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